1. Kapitel

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Die Ankunft

Josou

Der Abschied von meinen Freunden und meiner Familie war nicht einfach gewesen. Es tat weh, sich zu verabschieden und zu wissen, dass man sich frühstens in einen halben Jahr wiedersehen würde.
Ich hätte mich nie angemeldet, wenn ich es nicht unbedingt wollte. Es war mein größter Wunsch auf die Schule für zukünftige Idole zu gehen.

Deswegen nahm ich auch den Schmerz der Trennung hin. Ich würde all meine Freunde und meine ganze Familie schwer vermissen, das wusste ich, aber um meinen Traum verwirklichen zu können, nahm ich es in Kauf. Es war der Traum von fast jedem Mädchen in Korea und ich sollte die Chance nutzen, die mir gegeben wurde. Ich würde das beste draus machen.

Mit diesem Gedanken stieg ich aus dem Zug aus und stürzte mich in das Getümmel Koreas Hauptstadt Seoul. Ich war noch nie zuvor in dieser Stadt gewesen, aber als ich die ersten Meter ging, wusste ich, ich liebte diese Stadt. Es war überwältigend: überall waren Menschen, Geschäfte, Restaurants, alles war vollgestopft und unübersichtlich. Aber nicht hässlich. Es war einer der schönsten Anblicke, die ich bis dahin zu Gesicht bekommen hatte. Mir gefiel das Getümmel der Menschen, die sich beeilten um ja nicht ihren Zug zu verpassen, nur gefiel die Vielseitigkeit, die ich trotz der Völle des Bahnhofs zu erkennen war.
Mir gefiel, dass ich durch und durch überrumpelt wurde.

Ich war auf dem Land aufgewachsen. In der Nähe eines kleinen Dorfes und dort kannte sich jeder. Alle wussten, wer welchen Traum hatte, wer wie gut etwas konnte, jeder wusste über die anderen Bescheid. Auch wenn es Problem gab, und das gab es öfter. Hier, in Seoul, war das anders, das bemerkt ich sofort, als ich aus dem Zug ausstieg. Hier würde keiner so schnell Wissen, wer ich war, woher ich kam, was ich vorhatte und vor allem wer ich werden würde. Aber das konnte, meiner Meinung nach, nur mein Vater wissen, denn er kennt mich, abgesehen von meiner besten Freundin, am besten.
Er wusste, es wäre das Richtige für mich, deswegen hat er mich gehen lassen. Dafür war ich ihm mehr als dankbar. Ich fing an mich durch die Massen an Menschen zu schlängeln, bis ich ein Schild fand auf dem der Ausgang zu sehen war.
Ich folgte diesem und sobald ich durch den erlösenden Ausgang gegangen war, fühlte ich mich unglaublich erleichtert. Ich war ein Stück nähere daran, ein Idol zu werden. Ein Stück von Hunderten, wenn nicht sogar Tausenden. Ich hatte so viel vor mir. Ich musste erst einmal die Schule finden, das mit Bus und Bahn.
Alleine.
In einer Stadt, die ich nicht kannte und die so unglaublich groß und beeindruckend war, das es einem den Atem und Verstand raubte.
Ich musste mehrere Prüfungen bestehen, einer der besten sein.
Ich würde gegen Freunde antreten müssen und dadurch neu gewonnene Freunde wieder verlieren.
Ich musste viel in Kauf nehmen um Idol zu werden, aber das Schlimmste war, ich wusste nicht, ob ich es wirklich schaffen würde. Was wäre, wenn ich direkt gehen müsste? Ich würde meine Familie und Freunde zwar in den nächsten zwei Wochen wieder sehen, aber dann würde ich nie mehr sie Chance haben, Idol zu werden. Ich hoffte, dass ich gut genug sei und Ich wusste, dass egal wie gut ich war, es immer Bessere geben würde und ich mich immer weiter entwickeln müsste, um meinen Traum leben zu können.
Aber ich wollte dies so sehr. Ich musste die Chance nutzen. Ich sollte sie nutzen, schließlich war ich eine von Tausenden oder noch mehr, die die Chance bekam. Ich wäre dumm, würde ich diese nicht nutzen.

Ich stand vor dem Bahnhof und war bewegungsunfähig. Dort waren so viel mehr Menschen, als in dem Bahnhof. Ich war einfach nur geflasht. Ich wusste nicht, was ich tun sollte.
Nach einiger Zeit hatte ich mich wieder gefasst und ging an, mich zu orientieren. Ich musste den Busbahnhof finden. Ich sah mich um in der Hoffnung irgend etwas zu sehen, außer Menschen.
Ich konnte in diesem Gewühle jedoch nichts erkennen, geschweige denn einen klaren Gedanken fassen.
Also setzte ich mich mit samt meinem Koffer in Bewegung. Ich kam nur mühsam voran, aber entdeckte alsbald die Bushaltestellen. Ich kramte den Zettel hervor auf dem stand, welche Linie ich wohin und wann nehmen musste. Ich wollte mich gerade in Bewegung setzten, als jemand meinen Namen rief: „Park Jusou?!“ Ich drehte mich um und sah einen älteren Herrn. Graue Haare, dunkle Augen, ein lustiger kleiner Schnurrbart, der sich auf seiner Oberlippe kringelte.
„Ja?“, fragte ich etwas irritiert zurück. Woher wusste dieser Mann meinen Namen? „Zukünftige Schülerin der Idolschule?“, fragte er knapp.
„Ja“, antwortete ich wieder. „Ich soll Sie abholen“, sagte er.
Das wunderte mich, schließlich sollten wir den Weg zu der Schule allein antreten.
Ich sagte ihm das und er war keines Wegs überrascht dies zu hören. Er erklärte mir knapp, wie ich feststellen musste, fasste er sich immer kurz und war kein bisschen gesprächig, dass die alleinige Anreise zur Schule lediglich dazu diente, geplant, aber nicht ausgeführt zu werden, damit wir uns etwas in Seoul zurecht finden konnten. „Der Direktor schrieb Ihnen“, sagte er in der für in typischen Weise.
Ich wollte nicht bei jemanden Fremden ins Auto steigen, also schaute ich zur Sicherheit nach.
Es stimmte.

Ich konnte mich also guten Gewissens mit dem Mann zu seinem Wagen begeben. Er hatte einen silbernen Combi. Also ein unauffälliges Auto. Er war so freundlich und öffnete mir den Kofferraum.
Als wir losfuhren, wurde er von seinem Chef, meinem neuen Direktor, angerufen.

Lee Mi-Chai, so war der Name des alten Mannes wie sich herausstellte, war ein sehr höflicher Mensch. Er drängte mich nicht zu einem Gespräche, sondern fragte nur knapp, wie die Anreise war, wie ich Seoul bisher so fand und ob es Komplikationen gegeben hatte. Danach ließ er mich in Ruhe, wofür ich insgeheim sehr dankbar war. Ich war müde von der Reise und durch die vielen neuen Eindrücken erschöpft. Kurz bevor ich einschlief, hielt Mi-Chai den Wagen an und wir stiegen aus. Danach war nicht mehr an einschlafen zu denken.

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