Der Anfang vom Ende

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Helen schien mir gegenüber immer noch leicht beleidigt, doch ich ignorierte es. Stattdessen beobachtete ich die sich verändernde Umgebung ganz genau. Am Ufer wurde das Dickicht immer dichter und schon bald glich es einem ganzen Meer aus Bäume mit Lianen und den Rufen von unbekannten Tieren. Fast schon unheimlich. Hinzu kam die Dunkelheit der Nacht, welche doch so langsam von den ersten, schwachen Sonnenstrahlen durchbrochen wurde. Ein Aufleuchten zwischen den Bäumen ließ mich angestrengt die Augen verengen um besser durch die Nacht blicken zu können. Wieder und wieder leuchtete etwas auf. ,,Helen," flüsterte ich. Sie ließ das Ruder sinken und drängte sich neben mich, beobachtete mit unsicherem Blick das Ufer. ,,Was ist das?" ,,Ich weiß es nicht. Vielleicht sind es ja wieder diese Irrlichter, aber das glaube ich eher weniger." Also ruderten wir weiter den Fluss entlang, in der Hoffnung herauszufinden woher das Licht kam. Immer mehr Bäume schoben sich an uns entlang. ,,Helen. Ich glaube wir sollten an's Ufer. Das Licht kommt mitten aus dem Dickicht. Vielleicht haben wir unser Ziel endlich erreicht." ,,Frag doch lieber deinen schuppigen Freund, ob das auch wirklich sicher ist. Ich glaube nämlich nicht, dass die Elfen so freundlich sind, wie du dir vielleicht denkst. Wieso haben wir sonst mit den Elfen Krieg geführt?" Sie blickte verunsichert ans Ufer. Um sie zu beruhigen bat ich Shruikan darum, dass er für uns die Lage auskundschaftet. Wenige Augenblicke hörte ich seine Stimme in meinem Kopf. ,,Eigenartig. Aya, ich glaube das Licht stammt von einem Turm. Er ragt mitten im Wald empor. Sonst kann ich nichts erkennen. Nur diesen Turm mit dem flackernden Licht auf der Spitze."  ,,Danke Shruikan." Ich drehte mich zu Helen, die dabei war unser Proviant durchzuzählen. ,,Äh, wieso zählst du gerade jetzt unser Proviant?" ,,Na weil wenn ich nervös bin, dann muss ich mich mit essbarem beschäftigen. Es einfach essen geht schlecht, also zähle ich es durch." Irritiert sah ich ihren fahrigen Handbewegungen zu. ,,Shruikan hat übrigens einen Turm erspähen können. Ich schlage vor wir gehen an Land. Es ist nicht mehr lange hell. Wir sollten uns also besser beeilen."

So ruderten wir ans Ufer, befestigten das Boot mit einem Doppelknoten an den nächsten Baum und machten uns auf durch das Dickicht zu wandern. ,,Siehst du das Licht ?" schnaufte Helen hinter mir. ,,Ja. Es ist nicht mehr weit." ,,Gut. Meine Blasen bekommen schon Blasen," jammerte sie. Angenervt schnalzte ich mit der Zunge und marschierte weiter. Tatsächlich war das flackernde Leuchten nicht mehr weit, was sich auch schon bald als eine Art Signalfeuer entpuppte. Mein Blick glitt hoch in die Baumkronen, wo hindurch noch seichte Sonnenstrahlen schimmerten. Mir fiel direkt der Turm in's Auge, der so weit hoch ragte, das er die Wolken schon scheinbar berührte. ,,Wer vermag es so einen Giganten zu erbauen?" hauchte ich beeindruckt. Die Turmuhr in meiner Heimatstadt ist eine kleine Standuhr im Vergleich zu ihm. Dann fiel mir auch das hell strahlende Licht auf der Turmspitze auf. Und das Shruikan um den Turm kreiste, wie ein Falke sah er im Größenverhältnis mit dem Turm aus. 

,,Aya." Helen zog plötzlich an meinem Ärmel. ,,Was?" Seufzend musste ich meinen Blick von dem wunderschönen Bild abwenden und schaute zu Helen, die nun neben mir angehalten hatte und mich somit zwang, ebenfalls stehen zu bleiben. Ihre großen Augen starrten wie begannt hinter mir. ,,Wenn das wieder eine harmlose Kreatur wie die letztens ist, dann-" Ich drehte meinen Kopf und sofort erstarrte ich wie Helen auch zu einer Eissäule. Ein schlaksiger Mann in beschlagener Rüstung und einer Lanze in der Rechten stand in der Ferne, unter einer knorrigen Weide. Auf einmal setzte er sich in Bewegung. Wir rührten uns noch immer nicht. Als er näher kam, musste ich unweigerlich schlucken. Er war groß. Ein Augenpaar funkelte durch seinen Helm direkt uns an und seine Bewegungen waren fließend und selbstbewusst, gar fast bedrohlich. Dann blieb er vor uns stehen. Meine ganzen Sinne sagten mir ich solle meine Schwert ziehen, wegrennen, oder Shruikan rufen. Aber nein. Meine Blicke musterten ihn weiterhin vollkommen baff. Dann sah ich sie. Die spitzen Ohren, die an den Seiten des Helmes hervorguckten. 

,,Ihr habt unbefugtes Terrain betreten, Menschen. Kehrt um. Ihr seid hier nicht willkommen." Die Stimme des Elfen klang ernst und bedrohlich und er stolperte über jeden einzelnen Buchstaben, als würde er unsere Sprache gerade erst erlernt haben. Doch zeitgleich beherbergte sie eine Wärme, die mich schaudern ließ. 

Ich öffnete meinen Mund, versuchte wieder der Sprache allmächtig zu werden. ,, Wir sind Suchende. Und nun wohl auch Abtrünnige. Ich suche meinen Vater und habe Fragen, die nur euer Volk beantworten kann. Zudem...wurde ich gerufen." Der Elf schwieg, als würde er überlegen, ob das Gesagte von mir der Wahrheit entspräche. ,,Gerufen?" ,,Ja." ,,Von wem?" Misstrauen lag in der Stimme. ,,Seinen Namen konnte er mir nicht mehr verraten, aber...Das klingt jetzt vielleicht seltsam," eine nervöse Lache entfloh mir," aber ich bin von einem greisen Drachen hergerufen worden." Wieder dieses Schweigen. Glaubte er mir immer noch nicht? O ihr Götter verleiht mir den Willen, dass durchstehen zu können. ,,Folgt mir," kam es abrupt von ihm. Überrascht sah ich ihn an, doch er drehte sich mit raschelnder Rüstungen bereits um und ging den Weg zurück, von wo er gekommen war. Erst bei der Weide blieb er kurz stehen um zu schauen, ob wir ihm auch folgten. ,,Nun kommt schon!" rief er uns. Wir beeilten uns zu ihm aufzuschließen. Dann gingen Helen und ich in einem gemächlicheren Tempo hinter ihm und wechselten miteinander vielsagende Blicke. ,,Euer Gefährte erwartet euch bereits." ,,Mein Gefährte? Meint ihr etwa Shruikan?" ,,Selbstverständlich." ,,Woher wisst ihr-" ,,Ihr vergesst was ich bin. Elfen und Himmelsdrachen sind seelen-verbunden," sagte er spöttisch. Eine Zeit lang herrschte wieder Stille. Nur die Geräusche des Waldes umhüllten uns. ,,Was wird nun geschehen?" fragte Helen mich. Der Elf antwortet statt meiner. ,,Euer Schicksal wird entschieden. Das wird geschehen. Und nun schweigt. Ihr werdet noch früh genug das Wort bekommen." 

So folgten wir dem Elf stillschweigend und mit mulmigen Gefühl. Wenn auch ich einen Funken Hoffnung und Zuversicht verspürte hier etwas über meinen Vater herauszufinden. In Gedanken vertieft, merkte ich dabei nicht, wie ein violettes Augenpaar mich beobachtete.




Omg, ich hab's endlich geschafft dieses Buch zu beenden. Sry, dass es wiedermal Monate gedauert hat für dieses kurze Kapitel. Aber ich hab halt noch einen 2. Account worüber ich Dauer-Aktiv bin und noch Bücher schreibe. Da staubt dieser Account leider etwas ein. Falls in eurem Kopf bereits Fragen schwirren, will ich im vorab sagen, dass ihr verstehen müsst, dass ich dieses Ende extra so gestaltet habe, damit man eben gespannt sein kann was im 2. Buch passieren wird. Einige haben bereits Vermutungen mit mir geteilt und mich privat deswegen angeschrieben. Macht das nicht xD Ihr werdet es so oder so erfahren was mit Aya und Shruikan passiert. Ob es aber wieder ganze Jahre dauert bis das 2. Buch fertig ist, muss ich schauen. Für euch würde ich mir es natürlich wünschen, dass ich mich mit dem 2. Buch nicht so lange auseinander setzen muss. Schließlich weiß ich ja bereits was ich mit den Charakteren vorhabe. Und nochmals vielen Dank an all diejenige die, selbst wenn ich mal Monate nix veröffntlicht hatte, immer fleißig wieder anfangen rein zu lesen und mich mit ihren motivierende Kommentaren dazu angespornt haben weiter zu machen. 

Eure Yvantira ^-^

Achja, ich werde übrigens das komplette Buch nochmal überarbeiten. Der grammatikalisch inkorrekten Mist, den ich zu Anfang geschrieben habe geht ja mal gar nicht xD.

Aya -Tochter der DrachenLies diese Geschichte KOSTENLOS!