RAIN

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Es regnete. Was andere als „schlechtes Wetter" bezeichneten, war für dich Freude. Du liebtest Regen. Immer, wenn Tropfen den Himmel herunterfielen, hattest du das Bedürfnis hinauszugehen. Deine Familie und Freunde dachten schon immer du seist seltsam. Wer mochte denn schon Regen? Doch für dich war es mehr als ein Wetter. Es war wie ein zweites Zuhause. Du fühltest dich wohl. Immer wieder saßt, standst oder lagst du unter dem freien Himmel und spürtest, wie die Regentropfen auf dich fielen. Sie durchnässten Stück für Stück deine Haare, deine Kleidung. Sie sorgten dafür, dass du frorst, doch das störte dich nicht. Sie liefen langsam deine Wangen hinunter, wie Tränen, die du schon viel zu lang zurückgehalten hast. Sie wuschen all den Schmerz weg, den dir kein anderer nehmen konnte. Zumindest hat es niemand jemals getan.

Auch dieses Mal sahst du in den grauen Himmel. Die Stille beruhigte dich und du beobachtetest die Tropfen, die immer schneller auf dich zukamen und auf dich prasselten. Sie flossen wieder in Strömen deine Wangen hinunter und du warst froh, alleine zu sein. Niemand würde sehen, wie du dich fühlst, niemand würde fragen, was los sei, niemand würde deine Tränen bemerken. Doch das änderte sich als du plötzlich jemanden aus deinem Augenwinkel erblicktest. Er setzte sich neben dich auf die pitschnasse Bank und sah in dieselbe Richtung wie du, doch er sagte nichts. Du wusstest genau, wer das war, obwohl du ihn nicht angeschaut hattest. Wer könnte es sonst sein, als der Mensch, der dich in letzter Zeit so glücklich und traurig zugleich gemacht hatte?

„Was machst du hier?", fragtest du mit unsicherer und dennoch ruhigen Stimme. Du schautest nun auf den Boden.

„Ich sitze neben dir." Seine Stimme klang überzeugt und ließ dich zittern. Warum gerade er, gerade in diesem Moment?

„Wieso?", fragtest du weiter nach, nicht zufrieden mit der Antwort, die er dir eben gegeben hatte.
Nun drehte er seinen Blick zu dir. Er starrte dich mit seinen warmen und klaren Augen an, in welchen du dich zu verlieren schienst, doch er riss dich aus deinen Gedanken, als er anfing zu sprechen.

„Weil ich nicht will, dass du alleine bist, wenn du weinst", meinte er, „Ich sehe es. Ich sehe sie, deine Tränen. Aber ich will sie nicht sehen, ich will nicht, dass du weinst. Ich will, dass du lachst."

Dir lief ein Schauer über den Rücken. Du versuchtest jeglichen Gedanken zu verdrängen, doch die Wahrheit war unbestreitbar. Die Wahrheit, dass du dich so nach diesen Worten gesehnt hattest, und nun hast du sie endlich gehört. Von ihm. Wieso hattest du dann Angst? Hattest du Angst vor dem Anfang, oder vor dem Ende? Du wusstest es selbst nicht.

„Jin, bitte, ich will alleine sein...", batst du, doch er ignorierte deine Worte. Stattdessen nahm er dich einfach in den Arm und zog dich so nah wie möglich an sich. Er legte eine Hand auf deine Schulter, die andere auf deine Wange. Langsam strich er deine Tränen, die sich mit den Regentropfen vermischt hatten, weg und flüsterte dir einige beruhigende Worte zu. Dein Verstand wollte sich wehren, seinem Griff entfliehen, doch zum ersten Mal war dein Herz stärker und du rührtest dich kein Stück. Du weintest nur. Dein Schluchzen brach die Stille, doch wurde es noch vom Regen übertönt. Trotz alledem waren dies die ruhigsten Minuten deines Lebens.


RAIN (BTS Jin x Reader) Where stories live. Discover now