"Lauf!", war das Letzte was ich noch von meiner Schwester hörte.
Ein eindringliches und drohendes Lauf! Ich rannte um mein Leben. Wohlwissend das ich meine Familie und Freunde gerade sterben ließ.
Ich lief und lief. Plötzlich machte es einen lauten Knall und das Haus, welches schon Meilen hinter mir lag und einmal meiner Familie gehörte, stürzte in sich zusammen.
Ich spürte noch eine leichte Wärme in meinem Genick, als plötzlich Schüsse fielen.
Schnell senkte ich meinen Kopf, um hoffentlich nicht getroffen zu werden.
Der Asphalt unter meinen Füßen schien weicher zu werden oder meine Beine wurden schwächer, auf alle Fälle verlangsamte sich mein Lauf.
Schon ertönten weiter hinten Sirenen und ich fiel zu Boden.
Völlig außer Atem und mit pochendem Herzen.
Ich bekam nicht mehr viel mit. Nur das zwei Polizisten auf mich zu kamen und mir auf helfen wollten.
"Wir müssen sie mit nehmen!", sagte ein großer, Starker mit kratziger Stimme.
Ich kauerte mich zusammen, fing an zu weinen und an meinen Fingernägeln zu beißen, und ließ alles rund um mich geschehen.
Es war mir egal, wohin sie mich brachten.
Es war mir egal.
Was hatte ich jetzt schon noch zu verlieren?
Nicht mehr viel, oder?
Außer mein Leben vielleicht...
Aber was ist das für ein Leben, wenn alle Personen, die du geliebt hattest, tot sind?
Wahrscheinlich schlief ich ein, denn als ich aufwachte, war ich an einen Stuhl gebunden.
Jedenfalls mit den Händen. So wie in Filmen oder Serien, wo die Verbrecher gleich verhört werden.
Ich versuchte mich zu befreien und zappelte wild herum.
Erst jetzt bemerkte ich, dass meine Beine auch an den Stuhl gebunden waren.
So was Blödes!
Was mach ich hier eigentlich?!
Achja, meine Familie ist gestorben...
Ich wollte wieder anfangen zu weinen konnte es mir aber doch verkneifen, als plötzlich eine Stimme ertönte:
"Miss Coven, sind Sie wach?"
"Nein! Ich schlafe noch!"
Plötzlich kam ein junger Mann mit blonden, schulterlangem Haar und schwarzer Brille herein.
"Hallo", sagte ich genervt.
"Hallo, Miss Coven."
Er setzte sich an einen Stuhl gegenüber von mir nur der Tisch trennte uns.
"Darf ich Sie was fragen?"
"Nein. Zuerst frage ich Sie etwas! Verstanden?"
Er nickte.
"Wieso bin ich festgebunden?", fragte ich möglichst freundlich.
Er rückte seine Brille zu Recht.
"Lassen Sie es mich so erklären ... Sie sind nicht ... zurechnungsfähig."
"Wie bitte?!", fauchte ich ihn an. Ich und nicht zurechnungsfähig, was denken die sich hier eigentlich?!
"Sie sind schuld das 8 Menschen ums Leben kamen."
Was?
"Nein! Ich war die einzige die es überlebt hat. Verstehen Sie nicht?" Meine Stimme war voller Panik.
"Nein, Miss Coven. Sie sind die Verursacherin. Wir müssen Sie leider inhaftieren."
"Sie wollen mich verhaften?! Weshalb? Wegen Nicht-Begangenen-Mordes?! Das können Sie unmöglich machen!"
"Oh, doch."
Er lächelte falsch.
Die Tür ging abermals auf und ein großer Mann kam herein und hob mich, samt dem Stuhl auf und trug mich hinaus. Ich zappelte und wackelte. Aber vergebens.
"Machen Sie das mit jedem der hier herkommt oder bin nur ich das?", fragte ich genervt.
"Du bist die Erste."
Er lachte ein bisschen.
"Haha."
Es war ziemlich wackelig und ich hatte etwas Angst er würde mich fallen lassen. Er stellte mich und den Stuhl in einem kleinem Raum ab und wollte mich abschnallen.
"Und wenn du nur irgendwie versuchen solltest jetzt abzuhauen...", er zeigte auf einen Teaser.
Da werde ich doch nicht zögern! Ich will verdammt nochmal hier raus!
Als er meine Beine losgemacht hatte, machte ich mich schon bereit.
Mein Blick auf den Teaser gerichtet.
3....2....1
Schnell schnappte ich mir den Teaser, schockte ihn damit, sprang auf und rannte zur Tür.
Ich riss die Tür auf (warum auch immer die offen war) und rannte nach Links.
Vermutlich weil ich dachte dort den Ausgang zu finden.
Plötzlich rannte jemand in mich hinein.
Ich blieb stehen und rieb mir den Kopf.
Es war der Blonde mit der Brille von vorhin.
"Miss Co-", wollte er sagen, doch ich zog den Teaser und verpasste ihm eine ordentliche Ladung damit und er fiel zu Boden.
"Upps!", lächelte ich.
Schnell rannte ich weiter und sah schon eine große Tür.
Die Tür war aus Glas, ich drückte doch nichts bewegte sich.
"Ah!", rief ich nur mehr aus.
Als ich wieder aufwachte war ich wieder alleine in dem Raum mit dem Stuhl.
Der Mann den ich zuvor geteasert hatte kam herein und sagte etwas spöttisch:"Du hättest nur ziehen müssen."
Ziehen? Wirklich?!
Ich verdrehte die Augen.
"Das musst du anziehen!", er warf mir einen Packen Schwarz - Weiß - gestreifter Klamotten zu.
"Ist das Ihr Ernst? Ich dachte die gäbe es nur in Filmen!"
Ich konnte mir ein leises Lachen einfach nicht verkneifen.
"Ja. Was denn sonst?"
Er verließ den Raum und ich checkte noch ab ob auch nirgends irgendwelche Überwachungskameras angebracht waren.
Eigentlich war der Raum sehr schlicht. Überall waren weiße Fliesen und das einzige im Raum war eine kleine Lampe, der Stuhl und ich.
Ich zog mein T-Shirt und die Jogginghose aus. Auch meine Hausschuhe, was mich ziemlich störte immerhin waren da kleine, pinke Einhörner drauf. Das letzte was mir noch von zuhause blieb.
Meinen BH ließ ich mir aber mit Sicherheit nicht wegnehmen.
Ich wechselte von meiner Alltags-Kleidung zum Sträflings-Kostüm und legte meine alten Sachen schön zusammen.
Ich klopfte an der Tür.
Sie öffnete sich und der Mann nahm mir meine Kleidung ab.
Er schaute alles durch und riss es wieder auseinander.
"Hey! Ich hab das extra zusammen gelegt!", schnauzte ich ihn an.
"Wo ist der BH? Ihr Frauen habt doch immer einen."
"Ich nicht", lügte ich.
"Wenn du lügst müssen wir dich durchsuchen und dass willst du sicher nicht."
Ich überlegte kurz.
"Okay."
Ich ging wieder rein und zog mir den BH auch noch aus.
"Hier!", sagte ich verdrossen.
"Danke!"
Er legte mein altes Zeugs auf einen Kasten hinter ihm und legte mir Handschellen an.
Dann führte er mich zu einem großem Raum.
Ich sah durch ein Glasfenster, dass schon mehrere Insassen hier waren. Alle unterhielten sich ganz gut, andere saßen nur ruhig da.
Wahrscheinlich war das eine Art Gemeinschaftsraum.
Er öffnete die Tür und schon waren alle still.
"Das ist die Neue. Sie hat gerade versucht zu flüchten", hinten hörte man leises kichern,"seid nett zu ihr", mit diesen Worten verließ er den Raum und das Gerede ging weiter.
Ich suchte nach einen freien Platz. Es waren alles Stühle mit einem kleinem Tisch.
Ganz hinten in einem Eck erblickte ich den anscheinend letzten, freien Platz.
Ich drängte mich zwischen den besetzten Stühlen hindurch und setzte mich auf den Stuhl.
Wieso passiert das alles? Ich muss ihnen irgendwie klarmachen, dass ich vollkommen unschuldig bin. Wahrscheinlich ist das alles nur ein schlechter Scherz. Hoffentlich...
Vielleicht bilde ich mir das auch nur ein aber dann sollten sie doch gemerkt haben, dass die Ermordeten auch Coven heißen.
Oder heiße ich garnicht Coven?
Plötzlich ließ sich jemand auf den gegenüberliegenden Stuhl fallen.
"Hey!", begrüßte er mich freundlich. Obwohl ich nicht direkt sagen konnte ob es auch ein wenig crazy klang.
Aber ich denke schon.
"Hallo", erwiderte ich resigniert.
Ich hob meinen Blick. Es war ein junger Mann mit eisblauen Augen, die mich anstarrten.
Seine Blicke fühlten sich durchbohrend an.
"Nicht so gut drauf, was?"
Ich verdrehte die Augen.
"Nein. Mir geht's super. Ich hätte eigentlich keinen Grund mich aufzuregen. Nur das ich nicht einmal annähernd weiß, warum zur Hölle ich hier bin.
Aber ansonsten ist alles gut", ich lächelte falsch.
Anscheinend amüsierte ihn das sehr, denn er fing wirklich zu lachen an, doch schlagartig hörte er auch wieder auf.
"Und dein Fluchtversuch ging ja auch ziemlich schief, was?"
"Haha. Sehr lustig."
"Ach, komm. Du darfst das nicht so Ernst sehen. Irgendwann kommst du hier auch wieder raus. Übrigens ich bin Ray."
"Fragte mich schon wann du dich vorstellst", antwortete ich.
"Und du?"
"Lydia Coven."
"Lydia? Ein schöner Name. Aber ich werde dich Miss Coven nennen", sagte er.
"Wieso?", wollte ich wissen.
"Lydia hört sich so alt und besserwisserisch an. Und wie ich weiß können wir eines davon schon ausschließen."
Ich lächelte ein bisschen.
"Was macht ihr hier eigentlich so, den ganzen Tag?", wollte ich wissen.
"Hmm, wir haben unsere eigenen Psychiater. Das ist nämlich kein richtiges Gefängnis. Es ist eine Mischung aus Gefängnis und Irrenanstalt."
"Und jeder bekommt seinen eigenen Psychiater?"
"Ja. Anscheinend können die sich hier sowas leisten."
"Ha! Wie lange bist du jetzt schon hier?", harkte ich nach.
"Lass mal überlegen. Als ich eingewiesen wurde war ich 19. Dann bin ich jetzt .... 22? Das wären dann 3 Jahre? - Ja, das könnte hinkommen."
Er sah mich seltsam an. Als würde er auf etwas warten.
"Und wie alt bist du?"
"20."
Ray zog eine Augenbraue hoch.
"Was?!", fauchte ich ihn an.
"Naja, ich hätte dich alter geschätzt..."
"Oh, wie charmant! Bist ja ein richtiger Charmeur."
Ray grinste blöd und zwinkerte mir zu.
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Ready Or Not? {#wattys2016}
Mystery / ThrillerWar Sie es wirklich? Das ist meine erste Geschichte. Ich bin neu auf Wattpad und freue mich wenn es Kritik gibt, wie ich es besser machen könnte. Diese Geschichte ist für die wattys2016 Textauszug: Woher soll ich das jetzt wissen? Sollte man froh s...
