Die Wahrheit tut weh (2)

2.2K 201 5

Diana pov.


Ich bemerkte eine Bewegung neben mir und drehte mich um. Balkis, mein Mann sah mich besorgt an und legte beruhigend eine Hand auf meine Schultern. ,, Das ist sicherlich nur eine Übung." Ich schaute ihn kurz zweifelnd an, nickte dann nur, schaute jedoch wieder zurück in den Himmel.,, Er fliegt zu tief..." murmelte ich. Der Drache kam näher und näher,die mächtigen Schwingen zu ihnen herab gebogen. Er war jetzt so nahe bei ihnen, dass man die sausende Luft zuwischen den Flügeln des Tieres hören konnte. Ein beißender,scharfer Geruch wie Öl, das in einer Pfanne schwarz verbrannt ist, mischte sich in den Wind. Mein Herz hämmerte, während ich emporstarrte. ,,Komm jetzt. Ich hatte nach dir gesucht, weil...." Weiter kam Balkis nicht. Ich unterbrach ihm mit einer abschweifenden Handbewegung. Rings um sie herum waren auch andere Gespräche verstummt, und die Leute sahen dem Tier entgegen, das sich tiefer und tiefer sinken ließ. Es fiel zu ihnen herab wie ein nasser Mehlsack. Die Schuppen glänzten im Sonnenlicht. Plötzlich stieß das Tier einen langen, tiefen Schrei aus, bei dem sich meine Nackenhaare sträubten. ,,Er greift an!" rief jemand und auf dem Marktplatz brach Panik aus. Menschen suchten Schutz und stießen einander beiseite, während sie versuchten, die Sicherheit der umliegenden Häuser zu erreichen. Aber nur wenige waren schnell genug und der Drache fiel über die Flüchtenden her. Zu hören war nur der zischende Wind und die aneinander reibenden Klauen, die wie Messer klangen, wenn sie über Gestein schabten. ,,Diana!" Balkis packte mich am Arm und zog mich in Richtung Garten. Ich stolperte jedoch und schlug mir die Knie auf, als ich aufs Pflaster prallte. Rings um mich herum kreischten die Leute voller Entsetzen und warfen sich auf die Straße oder zwängten sich unter kleinere, noch offene Stände, die die letzten Nahrungsmittel verkauften. Benommen rollte ich mich auf die Seite und sah etwas über dem rötlichen Drachen näher kommen. Für meine benebelten Sinne sah dieses etwas wie ein schwarzer Engel aus, der von den Göttern geschickt wurde. Der schwarze Engel brüllte auf und streckte seine Klauen vor, Richtung des wütenden Drachens. Jedoch war er noch zu weit entfernt und konnte den roten Drachen nicht daran hindern, dass dieser alles in unserer Umgebung zerstörte. Ich sah den roten Drachen über den Marktplatz fegen. Funken stoben in alle Richtungen, als die Stacheln seines Schwanzes über die Steine kratzten. Die weit ausgebreiteten Schwingen zerschlugen Wagen und Markisen, zermalmten Menschen unter sich und warfen Pferde um, die entsetzt davon galoppieren wollten. Der Windstoß, der dem Drachen folgte, stank nach Rauch und Asche. So nahe raste das Tier an mir vorbei, dass ich den Reiter erkennen konnte. Jedoch hatte dieser eine Klinge an die Brust eines anderen Mannes gedrückt und scherte sich nicht darum, das sein Drache unkontrollierbar wütete. Dann hörte ich wieder einen Schrei und sah gen Himmel. Der schwarze Engel war nun in Reichweite des wütenden Drachen und krachte in ihn mit einem Aufschrei hinein. Eine Staubwolke wirbelte auf und warf sich mir entgegen. Ich hustete und blinzelte. Sandkörner verirrten sich in meinen Augen. Ich war kurz blind und rappelte mich mit schmerzenden Knien auf. Ich streckte meine Hände aus, in der Hoffnung Balkis zu finden. Doch ich konnte nichts ertasten, jedoch etwas hören. Das Fauchen zweier Drachen und ein kämpferischer Schrei zerriss die Luft. Dann rieb ich mir die Sandkörner aus den Augen und hustete. Ich konnte wieder etwas klar sehen und stolperte Richtung Garten, der hier angelegt war. Ich sah Balkis, der mit besorgter Mine nach mir rief. Als er mich entdeckte, wie ich wankend versuchte zu ihm zu gelangen, rannte er auf mich zu. Dann hörte ich ein Pfeifen in der Luft. Es kam rasend schnell näher und ein Schatten flog über mich. Ich riss entsetzt die Augen auf und hob warnend die Hände, das Balkis nicht näher kommen solle. Er sah mit großen Augen über mir und stoppte abrupt. Dann schmetterte auch bereits der große, zackige Schwanz des roten Drachens zwischen uns. Er peitschte kurz wild hin und her, hob sich dann wieder und hinterließ eine tiefe Furche. Kleinere Bröckchen des vorherigen Pflasters bröckelten dabei hinab. Es sah so aus, als wäre mein schwarzer Engel ein weiterer Drache, der versuchte den anderen zu bekämpfen. Er drängte ihn von uns, als ob er uns beschützen wolle. Ich schaute zu den befestigten Sattel des schwarzen Drachens. Mein Herz, das vorher wie wild gehämmert hatte, blieb mit einem Satz stehen. Im Sattel saß eine Frau, jedoch war mir nur eine Frau bekannt, die so lange, honigfarbenen Haare und diese scharfen Gesichtszüge hatte. Aya! Freude breitet sich in mir aus, verschwand jedoch als ich ihre Lage bemerkte. Der rote Drache sah kräftiger und größer aus als ihrer. Die Rettungsaktion könnte schief gehen. Ich machte einen Schritt in ihre Richtung, wurde aber von einer starken Hand zurückgehalten. Verzweifelt sah ich in wache, grüne Augen. Balkis schaute mich ernst an. ,, Wir müssen von hier verschwinden." sagte er mit ruhiger Stimme. Ich schüttelte nur mit dem Kopf. ,, Ich kann sie nicht einfach im Stich lassen!" Sein Griff um mein Handgelenk verstärkte sich und ich sog schmerzvoll die Luft ein. ,, Du wärst ihnen nur im Weg. Lass es den Drachenritter regeln. Und jetzt komm!" Ich wollte protestieren, wollte ihn anschreien das er das nicht verstehen würde, war jedoch zu schwach um mich zu wehren. Balkis bemerkte, das ich am ganzen Körper zitterte und meine Knie aufgeschrammt waren. Ohne eine Ton von sich zu geben, hob er mich hoch und trug mich in seinen Armen weg. Ich schaute dauernd zurück, zurück zu Aya und betete zu allen Göttern das ihr nichts zustoßen soll. Ich will nicht noch eine wichtige Person in meinem Leben verlieren, so wie ich meine Mutter verloren hatte. Ich hatte meine Mutter nie kennen gelernt, jedoch wusste ich das sie eine gütige Frau war, die immer Gute Laune verbreitete. Seufzend schloss ich die schmerzenden Augenlider und ließ mich von Balkis davon tragen. Bitte stirb nicht Aya...


Aya pov.

Ich biss mir auf die Zunge und sofort breitete sich der ekelhafte Geschmack vom metallisch schmeckenden Blut in meinem Mund aus. Shuikan wurde vom stacheligen Schwanz des feindlichen Drachens getroffen und zurück geworfen. Shruikan und ich hatten beide das selbe gedacht als wir zwei Außenstehende vor dem Tode bewahrt hatten. Einige Bewohner waren bereits vom roten Drachen zerschmettert worden. Es durfte nicht noch mehr Blut vergoßen werden nur wegen diesem herumwütenden Drachen! Die Wut packte mich und übertrug sich auf Shruikan. Er brüllte wütend auf. Er rappelte sich auf und warf sich auf den Feuerdrachen. Gereizt packte er ihn mit seinen Fängen am Bein und zerrte an diesem. Der Feuerdrache knurrte und bis in Shruikans Hals. Shruikan brüllte auf , stemmte sich jedoch gegen ihn, sodass der Feuerdrache von ihm abließ. Ich hörte ein Surren in der Luft und legte den Kopf in den Nacken. Über mir kreisten Yuudai und die anderen. Sie warteten auf die richtige Gelegenheit um den Feuerdrachen von oben zu attackieren. Ich überlegte kurz, dann sah ich mich um. Ich entdeckte die Turmuhr. Ich erzählte Shruikan von meinem Vorhaben. Er stimmte brummend zu und spannte sich an. Er breitete seine riesigen Flügel aus und hielt sie zum Himmel hoch ausgestreckt um groß auszusehen. Dann schlug er mit ihnen ohne dabei abzuheben. Der Feuerdrache war kurz verwirrt und verharrte für einen Moment um Shruikan zu mustern, dies war unsere Chance. Shruikan warf sich gegen den größeren Drachen und drückte ihn gegen die Turmuhr. Derweil bemerkte ich, das Chrome sich aus der Zwickmühle befreien konnte und den Abtrünnigen Reiter fesseln konnte. Er sprang mit dem nun gefangenen Abtrünnigen vom festgehaltenen Drache. Nun hatte Shruikan freie Bahn und brauchte keine Rücksicht mehr wegen Chrome zu nehmen. Er drückte ständig mit seinen Vorderbeinen gegen den Feuerdrachen und wurde dabei immer schneller. Die Fassade bröckelte leicht. ,,Das reicht noch nicht! "Shruikan verstand, sammelte all seine Kraft und drückte den Feuerdrachen das letzte Mal noch gegen die Turmuhr. Der fauchte überrascht auf, schnappte nach Shruikan und starrte ihn spöttisch an. Doch er bemerkte nicht wie die Fassade über ihn anfing zu brechen. Das obere Teil mit der riesigen Uhr brach knirschend zusammen und wankte gefährlich. Shruikan sprang schnell zur Seite. Der Feuerdrache begriff nun was wir vor hatten und wollte ebenfalls ausweichen. War jedoch zu langsam und wurde vom herabstürzenden Uhrwerk getroffen. Er war zwischen den Trümmern eingequetscht und konnte nicht mehr entkommen. Yuudai landete mit den anderen nun ungehindert vor dem Feuerdrachen. Ich sprang von Shruikan und rannte schwer atmend zu Chrome. Dabei musste ich über einige Schutthaufen klettern. Er drehte sich von dem Kopf hängen lassenden Abtrünnigen zu mir. ,, Das haben Sie wirklich gut gemacht. Und nun werden wir den Abtrünnigen ausfragen, was er alles über diese Organisation weiß." Der Abtrünnige lachte spöttisch. Er murmelte fast unverständlich ,, Die Welt wie ihr sie kennt wird bald nicht mehr existieren. Er wird diesem Land die Freiheit zurück bringen und alles und jeden unterjochen." Der Abtrünnige hatte einen befremdlichen Akzent und es war schwer etwas zu verstehen. Owen schüttelte nur mit dem Kopf und tippte seine Stirn an. ,, Der hat sie nicht mehr alle." Ray jedoch schien an Farbe in seinem Gesicht verloren zu haben. ,, Ich glaube er sagt die Wahrheit. Wieso sollte er uns belügen." Ich runzelte die Stirn und musterte den Abtrünnigen mit dem irren Blick. ,,Ob dieser Mann die Wahrheit sagt oder nicht, spielt keine Rolle. Was zählt ist, das wir Informationen über diese Organisation aus ihm heraus bekommen. Damit wir wissen mit wie vielen wir es tun haben. Diese räudigen Köter von Abtrünnigen müssen endlich verschwinden. Sie bedrohen mit ihrer bloßen Existenz das Königreich. " sagte Chrome mit finsterer Mine. Ich setzte mich erschöpft auf das Pflaster. Ich rieb mir die mit Blasen übersäten Hände. Ich hörte das Knurren des Feuerdrachens, der noch immer unter den Trümmern eingeklemmt war. Yuudai zischte irgendetwas zu dem Feuerdrachen. Er senkte daraufhin den Kopf und ergab sich endlich. In Gedanken fragte ich mich was dieser Abtrünnige wohl gemeint hatte, dass die Welt wie wir sie kennen bald nicht mehr existieren wird. Was soll das heißen? Bedeutet es das alles verschwinden wird? Die Drachen, die Lebewesen und das gesamte Reich? Ich ballte die Hände zu Fäusten und beachtete den brennenden Schmerz der Blasen nicht. Wenn es dazu kommen wird, werde ich mich opfern um das was mir wichtig ist zu beschützen.








Aya -Tochter der DrachenLies diese Geschichte KOSTENLOS!