Kapitel 7

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Tony Part


„Hast du alles?" Ich wandte mich zu meiner Schwester. Sie hatte die Ersatzwaffe von Dad in der Hand und nickte langsam.
„Also...was haben wir alles?" Ich überlegte kurz und zählte dann auf: „Zwei Waffen, Taschenmesser und ein normales Messer für jeden, Pfefferspray, Handschellen..."

„Moment mal, wo hast du Handschellen her?" Sie grinste mich wohlwissend an.
Ich verdrehte die Augen.
„Du kennst meine Handschellen mit dem Plüsch dran?" Es war mir unangenehm mit meiner kleinen Schwester über so etwas zu reden.

„Oh ja, die hast du doch mal bei dir und deiner Ex angewendet, damit sie dich nicht verlässt, oder?" Sie sah mich provokativ an und konnte sich ein Lachen nicht verkneifen.
„Ach, halt die Klappe und pack die Sachen ein!" Genervt verdrehte ich die Augen und warf ihr einen bösen Blick zu.

Sie kicherte noch etwas und packte dann die Sachen in den Rucksack.
„Also, wo waren wir?" Ich überlegte kurz.
„Handschellen!" Ziva kicherte wieder.
Ich warf ihr einen Halt-die-Klappe-Blick zu und es funktionierte.

„Waffen, Messer, Handschellen, Pfefferspray. Mhm...irgendetwas fehlt!" Fieberhaft überlegten wir beide. „Geld?" Sie zuckte mit den Schultern und packte ihre Spardose ein. Süß.
„Wir brauchen Handys, die nicht geortet werden können!" Ich nickte zustimmend.

„Ich glaub Dad hat noch welche im Keller. Lass uns nachsehen!" Wir gingen in den Keller und packten ein, was wir brauchten. Als wir fertig waren, kontrollierten wir noch ein letztes Mal unsere Rucksäcke und packten noch mehr Munition ein. Natürlich vergaßen wir auch nicht die Schusswesten. Dad hatte für uns alle Schusswesten gekauft und im Schrank versteckt.
Das war für den Notfall der Notfälle.

Plötzlich klingelte es an der Tür. Das waren Leila und Steve, die beiden hatten den Auftrag uns ins Versteck zu bringen.
Wir stiegen wortlos ins Auto und fuhren los. Sie hatten keine Ahnung, dass wir vorhatten wieder zu fliehen. Nach gefühlten Stunden kamen wir endlich am sicheren Versteck an.

Die Agents begleiteten uns, nach einer schnellen Absicherung des Gebäudes, hinein. Wir schauten uns gespannt in dem kleinen Gebäude um und schmissen unser Zeugs achtlos in den Schlafraum. Es war eine kleine Hütte mit einem gemeinsamen Schlafraum, einer Küche, einem kleinen Badezimmer und einer Wohnstube.

Da im Schlafraum ein Stockbett war, stritten Ziva und ich um den oberen Platz. Durch einen miesen Trick gewann Ziva und ich gab mich geschlagen. Vielleicht fiel sie ja im Schlaf runter und brach sich was. Ich lächelte leicht bei dem Gedanken, doch dann kam es mir doch gemein vor und ich stoppte das Grinsen.

„Kommt ihr alleine klar?" Leila sah uns lächelnd an. Wir nickten synchron und hofften, dass wir jetzt alleine waren. Richtig gedacht. Ziva schloss die Schlafzimmertür ab und wandte sich dann zu mir.
„Was jetzt?" Ihre Augen funkelten. Gute Frage. Was sollten wir machen?
„Ich weiß es nicht..."

„Wir könnten Steve ausquetschen?" Sie grinste diabolisch.
„Kann man machen" Ich musste ebenfalls lachen und wir machten uns auf den Weg zu Steve.
Er saß im Wohnbereich und starrte auf den Fernseher.

„Onkel Steve?" Ziva setzte sich neben ihn und sah ihn zuckersüß an. Er schaute sie überrascht an und antwortete zögernd. Vermutlich wusste er, dass sie was wollte.
„Was weißt du alles über die Entführung?" Mit großen Hundeaugen und Schmollmund blickte sie ihn an.
Ich dachte nur: Kotz.

„Darüber darf ich euch keine Auskunft geben!" Er stupste ihr auf die Nase und lachte.
„Aber du musst doch irgendetwas sagen dürfen..."Sie seufzte schwer.
„..bitte Steve!"
„Also ich...ähm...ich weiß nicht, ob ich darf und ich will kein Ärger..."
„Das bleibt unter uns!" Sie zwinkerte ihm zuckersüß zu.

Zögernd blickte er zwischen uns hin und her. Schnell warf er einen Blick auf die Tür und bedeutete uns näher zu kommen.
„Auf den Bildern waren keine Spuren zu finden, aber wir wissen dass Taylor wegen Mord an einer Frau und zwei Kindern angeklagt wurde. Erschossen und im Garten verscharrt. In früheren Delikten war er Hauptverdächtiger und..."

„Welche Delikte?" Ich wurde hellhörig. Steve zuckte beiläufig mit den Schultern und murmelte etwas Unverständliches.
„Was?"
„Er hat die beiden Mädchen, bevor sie erschossen wurden, sexuell missbraucht und..."
Ich hörte ihm nicht mehr zu.

Taylor war ein Kinderschänder und hatte nun meine beiden kleinen Geschwister in seiner Gewalt! Ich hoffte so, dass er den beiden nichts antat. Aber, was wenn er ihnen schon etwas angetan hatte? Ich schüttelte den Gedanken schnell ab und hörte Steve wieder zu.

„...die Beweise sprachen gegen ihn und so wurde er inhaftiert. Er hat nie gestanden, aber das musste er bei der Beweislage auch nicht" Er zuckte mit den Schultern und starrte wieder auf den Fernseher. Ziva warf mir einen schockierten Blick zu.

Wir dachten gerade an die gleichen schrecklichen Dinge, die passieren könnten oder schon längst passiert waren. Wenn er den beiden nur im Geringsten etwas antat, dann würde ich mir mein Leben lang Vorwürfe machen!

„Steve, habt ihr noch irgendwas Wichtiges in der Zelle von Taylor gefunden?"
„Definiere das" Er zog eine Augenbraue nach oben.
Ungeduldig verdrehte ich die Augen.
„Ich meine damit, ob ihr etwas Wichtiges, im Sinne von aufschlussreich oder hinweisgebend, zu dem Aufenthaltsort von Taylor und unseren Geschwistern gefunden habt!" Ich atmete ruhig ein und aus. Auf keinen Fall wollte ich mich jetzt zu sehr aufregen. Musste mich schließlich wegen der Schusswunde schonen.

„Naja...ähm...ich weiß nicht ob das wichtig ist..."
„Spuck's aus!" Synchron schrien Ziva und ich Steve an. Er tat mir fast leid.
„Er hat einen guten Freund, der auch entlassen wurde. Cody Smith heißt der, glaube ich."
„Okay...und habt ihr diesen Smith überprüft?"

„Tony, wir sind der NCIS! Wir wissen, was wir tun müssen" Er sah mich tadelnd an.
„Das will ich auch nicht bestreiten, aber ich will halt auf Nummer sicher gehen"
„Versteh ich ja auch, aber...was soll die Fragerei eigentlich?" Schnell glitt sein Blick zwischen meiner Schwester und mir hin und her.

„Gar nichts! Wir wollen nur auf dem neusten Stand sein." Ziva lächelte ihn unschuldig an.
„Genau! Hast du noch mehr Informationen für uns?" Ich sah ihn hoffnungsvoll an.
Überlegend rieb er seinen Kopf und verneinte anschließend.

Wir bedankten uns und zogen uns wieder ins Schlafzimmer zurück. Ziva zog einen Block und schrieb die Informationen auf, die wir bis jetzt gesammelt hatten.
Wir sahen uns das Geschriebene an und analysierten unsere Chancen die beiden Kinder auf eigene Faust zu finden. Unsere Chancen lagen bei null.


Rache ist des Vaters Leid ✔️Where stories live. Discover now