Erinnert ihr euch noch daran, dass ich euch gesagt habe, ich hätte die besten Freunde, die man sich wünschen kann? - Das stimmt nicht mehr. Naja, vielleicht übertreibe ich auch, aber anstatt hinter meiner Entscheidung zu stehen, haben sie mich zum Gegenteil überredet. Falls ihr verwirrt seid- Julia, Luisa und selbst Adam haben mir gesagt, dass ich mit Eric und seinen Eltern zu diesem See fahren soll. Nachdem ich mit Christina geredet habe, hat sie mich schon vollgeredet. Sie ist wohl eine gute Journalistin. Das habe ich gemerkt. Sie hat mir klar gemacht, dass ich definitiv nicht stören würde und sie es total toll finden würde, wenn ich mitkomme. Das Gespräch ging über 10 Minuten.
Als ich dann am selben Abend mit Julia am Telefon geredet habe, meinte sie, dass ich definitiv gehen soll, weil es mir mal gut tun würde, wenn ich aus dem Internat komme. Dann hat sie auch noch Adam ans Telefon geholt und erstaunlicher Weise hatte er auch nichts dagegen. Ich zitiere:" Ich mag Eric nicht besonders, aber du hast Dienstag Geburtstag und es wäre bestimmt gut für dich.", dann ergänzte er später aber, "Aber wenn du keine Lust mehr hast oder irgendwas passieren sollte, rufst du mich sofort an!"
Trotzdem hatte ich das Gefühl, als ob ich einfach ihre Familienzeit stören würde. Eric hat sie erst seit drei Jahren und so oft waren sie wahrscheinlich noch nicht alleine irgendwohin weg. Und dann komm ich da an. Aber es war schon Freitag und wir würden gegen 17 Uhr losfahren. Momentan war ich in meinem Zimmer, alleine. Luisa war sofort nach der Schule gefahren, weil sie über das verlängerte Wochenende mit ihrer Familie wegfuhr. Ich hatte eine Tasche für die nächsten Tage gepackt. Wir hatten Glück, da das Wetter immer besser wurde und die nächsten Tage werden echt warm.
"Weißt du, du hättest auch einfach alleine mit deinen Eltern fahren können.", sagte ich zu Eric, als ich ihn in der Eingangshalle sah. Er hatte auch eine Tasche. Sonst hatte er eine Jogginghose und ein rotes T-Shirt an. Er grinste mich an und meinte:" Jaja, mecker nicht. Am See ist es schön, also psst.", lachte er. Ich wollte natürlich auch nicht undankbar wirken, ich fühlte mich einfach fehl am Platz.
Bald stiegen wir in ein Escalade ein, welcher von Markus gefahren wurde. Christina saß auf dem Beifahrersitz. Eric und ich stiegen hinten ein und sagten Hallo zu den beiden vorne.
"Schön, dass du doch gekommen bist, Nathalie.", sagte Christina, als sie nach hinten schaute. Ihre blonden Haare waren gelockt und eine Strähne hatte sie sich nach hinten gepinnt. Sie war kaum geschminkt, was etwas ungewohnt aussah, aber sie sah ohne Schminke auch perfekt aus.
"Wie konnte ich denn Nein sagen.", lächelte ich sie an und sie lachte. Sie wusste wie ich es meine. Das Gespräch, welches ich mit ihr hatte, war deutlich. Und sie kannte Eric nun auch drei Jahre. Wenn er was will, kriegt er es auch. Wie er es dann auch schafft. Danach redeten alle noch ein wenig, bis alle das taten, was sie wollten. Die Fahrt sollte ungefähr 2 1/2 Stunden dauern. Ich hatte meine Kopfhörer drin und scrollte auf Tumblr runter. Eric hatte sich nach hinten gelehnt und die Augen geschlossen. Dieser Typ hat echt lange Wimpern für einen Jungen. Ich schaute dann nach vorne und sah, dass Christina und Markus sich anscheinend unterhielten. Ich hörte es nicht, da meine Musik laut war. Ich hoffte, dass ich sie nicht störe und machte die Musik etwas leiser. Meinen Blick wandte ich aus dem Fenster und sah nichts spektakuläres. Wir waren auf der Autobahn, nichts besonderes zu sehen. Vielleicht tut mir dieses Wochenende doch gut. Ich habe heute meine letzte Klausur für die nächsten Wochen geschrieben und war deswegen echt gestresst. Das hat man auch allen anderen angesehen.
Ich schaute zu wie andere Autos in die entgegengesetzte Richtung fuhren. Alle so schnell. Ich sah große Autos, kleine Autos, Cabrios, und wer weiß noch was.
Mir wurde ein Kopfhörer aus dem rechten Ohr gezogen und es konnte nur Eric sein, da er rechts im Auto, hinter Christina sitzt und ich hinter Markus, Links. Ich schaute ihn fragend an, aber er sagte nichts und steckte sich den Kopfhörer in sein Ohr und hörte meine Musik. Ein paar Sekunden brauchte er, um zu hören, ob er das Lied kannte und es war wohl der Fall. Es spielte grade Jersey von Mayday Parade. Danach sagte er nichts mehr und hörte einfach mit. Auch gut. Ab und zu schaute er zu mir und nickte oder schüttelte sein Kopf, wenn ein neues Lied kam. Aber als gerade we're all in this together aus Highschool Musical kam, schaute er mit hochgezogenen Augenbrauen an und ich musste leise lachen. Wie schonmal gesagt, manchmal höre ich auch gerne die alten Disney Songs. No Shame. Und ich wusste ganz genau, dass Eric den Text zu diesem Lied kennt. Möglicherweise hat er es ein paar mal mit mir und Julia geguckt.
"Tu nicht so, als ob du es nicht mögen würdest!", sagte ich leise und er unterdrückte sichtlich ein Lächeln. So ging es dann die nächsten 45 Minuten, bis Markus an einer Tankstelle anhielt, weil er mal musste. Ich musste nicht und blieb sitzen, genauso wie die anderen beiden im Auto. Aber nach wenigen Sekunden sagte Christina, dass sie am besten auch auf Klo geht, und sagte bevor sie ging.
"Eric, Nathalie. Wollt ihr euch nicht eure Beine vertreten, solange ihr könnt. Wir werden eine weitere Stunde in diesem Auto sitzen." Dann war sie außer Sichtweite und ich stieg dann aus dem Auto. Es war echt warm. Die Sonne strahlte mir direkt ins Gesicht und ich genoss es. Ich lief ein paar Schritte vom Auto weg und sah ein Mädchen in meine Richtung laufen. Sie war ziemlich groß, brünett und sah aus wie ein Model. Als sie fast bei mir war, schien sie etwas zu mir sagen zu wollen, bevor sie hinter mich schaute und mich dann wieder ignorierte. Ich kannte sie nicht, weswegen ich nicht zu viel drüber nachdachte. Ein paar Sekunden später drehte ich mich wieder zum Auto und sah, dass das Mädchen von eben nun bei Eric stand. Kein Wunder, dass sie einfach an mir vorbeigelaufen ist, obwohl sie so aussah, als wolle sie etwas sagen. Eric schaute sie eher gelangweilt an. Ich verstand das einfach nicht. Er zeigt die meiste Zeit kein Interesse an den Mädchen, die ihn ansprechen und man weiß nie genau, ob er eine Freundin oder so hat. Wieso versuchen es dann alle Mädchen immer wieder mit ihm? Erics Blick wanderte überall hin und gerade als ich ins Auto steigen wollte, sah er mich. Er nickte mir leicht zu und artikulierte:" Hilfe." Ich lachte kurz und schüttelte meinen Kopf, um ihn zu ärgern. Aber er schaute mich so komisch an, dass ich dann doch zu ihnen gelaufen bin und mich zu Eric gestellt habe. Eric grinste mich zufrieden an und das Mädchen sagte, nachdem sie skeptisch von mir zu Eric geschaut hat:" Seid ihr... zusammen?" Ich schaute zu Eric hoch und verkniff mir mein Lachen. Seit David dieser Jenna gesagt hat, dass Eric und ich zusammen wären, haben wir es auch immer vorgespielt, wenn sie in der Nähe war. Und ich glaube, dass wir grade beide den selben Gedanken hatten:" Wieso es nicht auch jetzt spielen?"
"Ja.", sagten wir gleichzeitig und das Mädchen schaute sofort ganz anders als vorher. Wenn ich sie so sah, sah sie wirklich aus wie ein Model. Hohe Wangenknochen, lange Beine, schmale Taille. Wieso sollte Eric nichts von ihr wollen? Sie ist wunderhübsch. Sie scheint auch nicht gerade unhöflich oder ekelig zu sein.
"Na dann. War schön euch zu sehen. Vielleicht sieht man sich noch irgendwo.", sagte sie schließlich leicht lächelnd und drehte sich um und ging.
"Weißt du, ich verstehe dich nicht.", sagte ich zu Eric, sobald das Mädchen außer Hörweite war. Eric schaute zu mir runter und lehnte sich dann an das Auto.
"Was meinst du?", fragte er, die Arme über der Brust verschränkt. Er kniff ein Auge zu, da ihn die Sonne blendete. "Sie sah sehr gut aus und war auch höflich. Außerdem schien sie an dir interessiert zu sein, also wieso gehst du nicht drauf ein?", sprach ich meine Gedanken laut aus und sein Grinsen wurde breiter. Toll, jetzt habe ich sein Selbstvertrauen gestärkt. Davon hat er echt genug. Aber er zuckte mit den Schultern und öffnete seinen Mund, um mir zu antworten, aber wir hörten Christina in der Nähe sagen:" Wir haben euch etwas zu trinken geholt."
*
"Mein großer Bruder und seine Familie werden auch am See sein!", sagte Christina total glücklich, nachdem sie ihr Telefongespräch beendet hatte. Sie wurde vor einer Viertel Stunde ungefähr angerufen und während des ganzen Gesprächs lächelte sie breit. Sie schien ein wirklicher Familienmensch zu sein. Jetzt hatte ich noch mehr das Gefühl, als würde ich ihre Familienzeit stören würde. Eric schien gemerkt zu haben, dass irgendwas war, da er mich ansah und ganz ernst sagte:" Denk nicht mal dran!"
"Wir sind in spätestens 10 Minuten da.", sagte Markus.
*
Wow. Das war mein erster Gedanke, als ich das Haus am See sah. Es war ziemlich groß. Wirklich. Das Haus sah alt aus, aber nicht im negativen Sinne. Wir liefen alle zusammen zum Haus. Es stand sofort am Wasser. Der vordere Teil des Hauses zeigte zu einer Wiese, auf der wir gerade liefen. Doch von hier konnten wir auch den See sehen. Es war ein großer See und sah ziemlich sauber aus. Ich war so sehr damit beschäftigt mich umzusehen, dass ich nicht merkte, dass die anderen schon ins Haus gegangen waren. Ich rannte ihnen hinterher und fand nur Christina dort vor.
Sie schaute nach hinten und sah mich, woraufhin sie sagte:" Die anderen beiden sind sofort zum Boot, um zu sehen, ob man es noch fahren kann. Ich kann dir ein Zimmer zeigen, wenn du deine Sachen sofort wegbringen willst." Ich nickte und sie lief mir voran. Von innen war das Haus auch sehr schön und sah so gemütlich aus. An den Wänden hingen ein paar Bilder und sonst waren die Wände in verschiedenen Farben gestrichen und waren nicht so langweilig.
"Hier kommen immer die Familien meiner zwei Geschwister und wir her. Das Haus ist schon ewig im Familienbesitz und so hat auch jeder seinen bestimmten Raum. Aber es sind zwei Zimmer, die niemandem gehören.", sie öffnete eine Tür und ging rein. Ich folgte ihr und war erstaunt. Ich wusste sofort, dass ich in diesem Zimmer bleiben wollte, egal wie das andere aussah. Zwei der Wände waren so tapeziert, dass es so aussah wie ein Wald. Es war so detailliert. Man könnte wirklich denken, dass man in einem Wald ist. An die Decke waren Wolken gemalt und die zwei anderen Wände waren blau. Ein bodenlanges Fenster war an einer der blauen Wände. An einer blauen Wand gegenüber der bemalten Wand stand ein großes Bett.
Christina schien meinen begeisterten Blick bemerkt zu haben und sagte:" Dann lass ich dich mal alleine. Ich mache gleich noch etwas zu essen." Ich dankte ihr und kurz bevor sie ging, sagte sie:" Achja, Nathalie. Denk ja nicht, dass du uns stören würdest. Es freut mich, dass du hier bist." Ich lächelte sie wieder an und sie schloss die Tür hinter sich. Ich legte meine Tasche auf das Bett und schaute dann in den Spiegel, der am Schrank war. Ich sah schrecklich aus. Ich hatte Leggings und ein T-Shirt, welches mir bis über meinen Po ging an. Meine Haare hatte ich in einen Dutt gebunden, der sich halb gelöst hatte. Außerdem war ich ungeschminkt. Ich wusste nicht, wo das Bad ist, weswegen ich mich erstmal umsah. Als aller erstes öffnete ich das bodenlange Fenster und befand mich auf einem Balkon. Der Balkon erstreckte sich über die ganze Etage und es gab keine Trennung. Also wenn jemand aus einem anderen Zimmer auf ihr Balkon kommen, sind wir auf dem selben. Wenn man geradeaus schaut, sieht man nur Wasser. Die Aussicht ist wunderschön. Der See ist groß und an einer Stelle unten ist ein Steg. Ich konnte auch Markus und Eric sehen. Sie standen am Ufer an einem kleinen Boot. Beide schienen etwas überfordert zu sein.
Ich genoss noch ein wenig die Aussicht, bis mich Eric von draußen rief:" Nathalie, komm runter!"
Ich lief die Treppen runter und sah Christina in der Küche. Ich ging erst zu ihr und fragte ob ich helfen kann, aber sie sagte, dass ich ruhig rausgehen kann. Eine Hintertür führte raus zum See und Eric stand am Ufer. Inzwischen ohne Markus. Ich ging zu ihm und stellte mich neben ihn.
"Das ist wirklich schön hier.", sagte ich, als ich wieder auf den See schaute. Außerdem ist es so friedlich irgendwie.
"Habe ich doch gesagt. Ich bin jetzt zum 7. Mal hier.", sagte er und schaute dann erst zu mir. Sein Blick war eben noch auf die Aussicht fixiert. "Der Bruder meiner Mutter kommen in ein paar Stunden." Christina hatte erzählt, dass alle drei Geschwister nicht in der selben Stadt wohnen. Außer ihrem großen Bruder hat sie noch eine jüngere Schwester, die aber nicht kommen konnte. Sie haben alle noch Kontakt, vor allem nachdem beide ihrer Eltern verstorben sind. Ich fragte mich, ob sie Kinder haben und fragte dies auch Eric.
"Ja, die Schwester hat eine Tochter, die in die Grundschule geht und der Bruder hat Söhne und eine Tochter.", antwortete er mir. Scheint doch ganz nett zu sein. Ich hätte auch so gerne Cousins und Cousinen gehabt.
"Komm, ich zeig dir mal alles.", sagte Eric und nahm mein Handgelenk und zog mich sanft mit sich. Unter dem riesigen Balkon, waren Gartenmöbel. Ein paar Meter weiter weg standen zwei Schaukeln. Erst liefen wir etwas am Ufer entlang und kamen zu diesem Boot, an dem er und Markus eben standen. Eric erklärte mir, dass man es die nächsten Tage wahrscheinlich nicht mehr fahren könnte. Um den ganzen See war Wald und das Haus stand eben davor. Es sah alles wirklich traumhaft schön aus. Wir liefen etwas weiter und Eric führte uns etwas vom Ufer ab, in den Wald. Wir liefen wenige Minuten, in denen ich mich nur begeistert umsah. Ich war schon immer mehr so ein Kind, das lieber draußen gespielt hat, als immer drinnen zu bleiben. Dann kamen wir an einem großen Baum an, an dem ein kleines Häuschen war. Es war eher wie ein kleiner Pavillon, wie ein Baumhaus, nur dass es unten am Stamm war. Es sah echt alt aus und ein paar Stücke hatten sich offensichtlich schon gelöst, aber ich fand es trotzdem toll.
"Das habe ich gefunden, als ich zum zweiten mal hier war. Ich habe gefragt, ob das jemandem gehört oder ob jemand weiß wer es gebaut hat, aber niemand konnte mir eine Antwort darauf geben. Seitdem komme ich immer her, wenn wir hier sind und ich etwas Zeit für mich brauche.", erklärte er mir und ich konnte ihn verstehen.
Schließlich sind wir wieder zurück gelaufen und er meinte, dass er mir den Rest später zeigen würde. Wir liefen wieder langsam zurück zum Haus und redeten etwas. Als wir fast wieder da waren, sah ich ein kleines Mädchen in unsere Richtung rennen. Sie hatte blondes Haar und sie hatte ein gestreiftes Kleidchen an. Sie lächelte breit und sprang dann in Erics Arme. Er ging in die Knie und hob sie hoch. Er selbst lächelte sie an und hielt sie dann schließlich so, dass er sie ansehen konnte:" Lilly, alles klar?"
Sie kicherte und sagte:" Eric!" Die beiden redeten noch ein wenig und wir liefen schon weiter. Sie hatte eine süße Stimme und außerdem hatte sie ein paar Sommersprossen. Lilly war wohl die Tochter von Christinas Bruder. Sie schien mich garnicht bemerkt zu haben, aber das machte nichts. Sie schien sich sehr gefreut zu haben Eric zu sehen. Es war total süß anzusehen. Irgendwann, bevor wir am Haus waren, ließ Eric die Kleine runter und sie rannte zum Haus. Ich hatte die letzte Minute nicht zugehört.
"Ach, und du kannst nicht so gut mit Kindern?", fragte ich Eric lachend. Ich hatte auch diesen Eindruck, aber mit Lilly war er anders.
"Ist auch so, aber...", er sprach nicht aus und ich wusste was er meinte. Manchmal hat man halt jemanden, bei dem alles anders ist.
*
"Hey, Eric!", begrüßte ein Junge mit dunkelblondem Haar Eric, als wir ins Haus gingen. Ich blieb absichtlich weiter zurück, sodass ich nicht störe. Sie gaben sich einen dieser Männerumarmungen und hinter ihnen kam noch ein Junge, der genauso aussah wie der andere. Zwillinge. Ich finde Zwillinge ja wirklich toll. Ich hätte so gerne einen Zwilling. Vor allem, wenn wir eineiig wären. Stellt euch mal vor was wir alles tun könnten.
Hinter ihnen kam dann ein Mann, wo ich sofort wusste, dass er Christinas Bruder ist. Ihr kennt doch bestimmt alle diese Geschwister, bei denen man direkt weiß, dass sie verwandt sind. Dann war da auch noch eine Frau, die wahrscheinlich die Mutter von Lilly und den Zwillinge war.
Irgendwie war ich froh, dass ich noch nicht bemerkt wurde. Aber der Gedanke wurde sofort ruiniert, da Christina mich rief. Alle Blicke wandten sich zu mir und ich wäre am liebsten vom Erdboden verschluckt werden. Alle im Raum schauten mich neugierig an, aber ich wusste nicht was ich sagen soll.
"Das ist Nathalie.", stellte mich Christina vor und kam zu mir, da ich mich nicht von der Stelle bewegt hatte, "Erics beste Freundin. " Sie betonte das beste Freundin so, als wäre sie nicht davon überzeugt. Ich wurde von allen weiterhin angeschaut, bis dann alle irgendwie Hallo sagten. Ich dachte gerade, dass es doch kein Problem wäre, dass ich da bin, aber anscheinend doch nicht.
Die nächsten Minuten waren merkwürdig, aber danach ging es eigentlich. Die Erwachsenen waren im Wohnzimmer und holten anscheinend alles nach und wir anderen waren draußen, wo die Gartenmöbel waren. Es wurde zwar etwas kälter, aber es war angenehm. Ich fühlte mich irgendwie Fehl am Platz. Die drei unterhielten sich. Im Grunde waren sie ja jetzt Cousins. Aber ich habe eigentlich oft das Gefühl, dass die meisten Typen kein Problem haben mit anderen Typen zurecht zu kommen. Da gibt es nicht so viel Drama.
Ich hielt mich eher zurück und hörte auch nicht unbedingt zu, da es was zwischen den dreien ist. Ich hatte mein Handy, wollte aber auch nicht nur dran sein, da es unhöflich wirkt.
"Nathalie?", sagte Eric und tippte mich an, sodass ich ihn anschaute. Er grinste, weswegen ich wusste, dass ich eben wohl angesprochen wurde und es nicht mitgekriegt hatte.
"Sorry, wie bitte?", sagte ich und schaute die drei an.
"Ich habe gefragt, ob du und Eric wirklich nur Freunde seid.", sagte einer der Zwillinge, der sich eben als Finn vorgestellt hatte. Langsam hatte ich genug von dieser Frage, da sie mir wirklich oft gestellt wurde. Ich musste nur mit Eric sprechen, schon fragten alle.
"Jep, nur Freunde!", bestätigte ich, woraufhin Finn mich anzwinkerte und mich angrinste. Ich schüttelte nur lächelnd den Kopf und schaute zu Eric. Er tauschte einen Blick mit Chris, Finns Zwilling und sie schienen etwas witziges zu wissen.
"Hey, Eric. Rate mal, wen wir auf dem Weg hier her gesehen haben!", sagte Chris zu Eric mit einem gewissen Ton, der andeutete, dass es ihm entweder sehr gefällt oder überhaupt nicht.
"Wen?", fragte Eric skeptisch und zog eine Augenbraue hoch. Dieses Mal schauten sich die Zwillinge vielsagend an und grinsten teuflisch. Nein, das wird Eric nicht gefallen.
"Jenna.", sagten die Zwillinge gleichzeitig und ich schaute sie erstaunt an. Es gibt doch viele Jennas. Da ist es bestimmt nicht diese Jenna, oder? Aber als Eric mit einem genervten Blick zu mir schaute, konnte ich mir denken, dass es diese Jenna war.
"Echt jetzt?", fragte ich ihn leise, sodass nur er es hören konnte. Aber er nickte dann. "Das nächste Haus in der Nähe gehört ihrem Vater.", erklärte er, als er sich etwas näher lehnte, damit ich es hören konnte.
"Und sie ist jetzt hier?", fragte ich ihn und er zuckte mit den Schultern.
"Wenn, dann werden wir es morgen erfahren.", sagte er. Was meinte er denn damit? Aber ich kam nicht dazu zu fragen, da sich Finn einmischte.
"Du kennst sie auch?", fragte er, woraufhin ich nickte. Ich kenne sie eigentlich nicht richtig, aber das was ich von ihr gesehen habe, gefällt mir nicht besonders. Anscheinend konnte man es mir ansehen, aber es wurde falsch intepretiert:" Ist sie etwa Konkurrenz für dich?" Konkurrenz? Weswegen. Aber der Blick von Chris zu Eric verdeutlichte mir was er meinte.
"Nein. Wieso auch?", antwortete ich. Da gab es garkeinen Grund. Aber das hieß doch, wenn Jenna hier ist und uns sieht, müssen wie so tun, als wären wir ein Paar. Aber vielleicht kommt es garnicht so weit.
"Stimmt. Sie ist garkeine Konkurrenz für dich!", sagte Finn spielerisch und ich wusste nicht mehr, wie ich darauf antworten soll. Also wandte ich mich an Eric, der einfach wortlos neben mir saß.
"Willst du mir mal helfen. Das überfordert mich ein wenig!", flüsterte ich zu ihm, woraufhin er lachte. Ich schlug ihm gegen seinen Arm. Er soll mich nicht auslachen, sondern mir helfen.
Er grinste und meinte:" Du gibst mal zu, dass du mit etwas überfordert bist. Vielleicht sollte ich die beiden mal öfter holen!"
"Wow, danke! Du bist echt der beste Freund, den man sich wünschen kann.", sagte ich sarkastisch. Wieder lachte er und fuhr sich durch seine sowieso schon verwuschelten Haare. Dann warf er einen Arm um mich und sagte lachend:" Nathalie, Nathalie. Das weiß ich doch schon!"