Prolog

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Wieder einer dieser lästigen Tage. Jede Drecksarbeit blieb an ihm hängen. Antoine stieg aus seinem schwarzen Bentley Continental GT, strich sich die Ärmel seines teuren Anzugs gerade und steuerte den Hintereingang des Stripclubs an, in dem seine Familie Geldwäsche im großen Stil betrieb. Seine Schritte hallten im Hinterhof wider und er machte einen langen Schritt über ein Loch im Asphalt, das vom vielen Regen der letzten Tage, voller Wasser war. Ein ekelerregender Geruch schlich sich in seine Nase und ließ ihn angewidert zu den überfüllten Mülltonnen schauen. Die Bronx. Er hasste diese Gegend.

»Ich schwöre es! Bei meiner Ehre! Ich habe ihnen nichts gesteckt!«
Antoine hörte schon die lauten Stimmen seiner Leute aus dem Hinterzimmer, die mit Gewalt versuchten, Infos aus Hector heraus zu prügeln. Mit mäßigem Erfolg, wie es sich anhörte. Antoine ging durch den dunklen Flur, vorbei an geschlossenen Türen. Hinter jeder einzelnen steckte ein Schicksal. Mädchen, die gegen ihren Willen anschaffen mussten, um ihre Schulden für den letzten Rausch abzuarbeiten. Im Leben war eben nichts umsonst.
»Verdammte Schlampe!« Ein Klatschen war hinter einer der verschlossenen Türen zu hören. Dann ein Rumpeln und ein leises Wimmern. Kurz blieb Antoine stehen und blickte emotionslos auf die braune Holztür, hinter der eine junge Frau wahrscheinlich gerade geschlagen wurde. Der Geruch von altem Nikotin und billigem Alkohol schwängerte die abgestandene Luft im beengten Flur und Antoine ging weiter. Er wollte diese leidige Angelegenheit hinter sich bringen.
Als er zur Tür hereinkam, verstummten die Stimmen seiner Jungs. Rafael ließ seine Faust sinken und trat einen Schritt von Hector zurück. Dieser öffnete seine von den Schlägen angeschwollenen Augen. Über dem linken klaffte eine große Platzwunde, aus der das Blut sickerte und über sein Gesicht lief.
»Antoine! Ich flehe dich an. Ich habe euch nie hintergangen. Ich bin keine Ratte.« Dass Hector log, wusste Antoine bereits. Er hatte seine Quellen überall in der Stadt. Zu ihnen gehörten Polizisten, Huren, Kellner, Portiers, bis hin zu den kleinen Drogenjunkies auf New Yorks Straßen, die für einen Hit alles machten.
»Shh, Hector. Du musst nichts weiter sagen.« Antoine blieb neben dem am Stuhl Gefesselten stehen und beugte sich ein wenig zu ihm herunter. »Ein Vögelchen hat mir gezwitschert, dass du nicht nur einmal mit deinen kleinen, dreckigen Fingern in unseren Kassen warst. Und du bedienst dich auch gerne an dem dir anvertrauten Stoff. Feierst gerne mal kleine Partys im Royal Palace? Auf unsere Kosten?«
Nun wurde es dem Mexikaner klar, warum er hier saß. Antoine sah es in seinen braunen, von Blut unterlaufenen Augen.
»Antoine«, winselte Hector und ließ den Kopf etwas sinken. »Wir sind doch Freunde? Gib mir noch eine Chance, du wirst es nicht bereuen.« Der Mexikaner wusste, was ihm bevorstand.
Antoine atmete theatralisch aus und schüttelte seinen Kopf.
»Du weißt doch, was mit Leuten passiert, die sich hinter unserem Rücken an unseren Eigentümern vergreifen. Einige von ihnen hast du selbst auf dem Gewissen, Hector. Du hättest es besser wissen müssen. Und jetzt, mein Freund, trennen sich unsere Wege«, gab der Schwarzhaarige kühl von sich, bevor er sich wieder zur vollen Größe aufrichtete.
Der Mexikaner schluchzte. Aus seinen Mundwinkeln lief Speichel und tropfte zu Boden, wo er sich mit seinem Blut vermischte, wohl wissend, was ihm heute bevorstand.
»Mach's gut mein Freund.« Antoine nickte Rafael kurz zu und drehte dem Geschehen den Rücken, als er auch schon das verräterische Knistern der Plastikfolie hörte, die Miroslav begann hinter ihrem ehemaligen, diebischen Mitarbeiter auszubreiten.
»Antoine! Ich flehe dich an! Ich habe Familie! Denk an Maria!«, appellierte Hector ein letztes Mal an Antoines Herz. Wusste er nicht, dass dieser keines besaß?
Antoine blieb an der noch verschlossenen Tür stehen und sah sich zu dem Todgeweihten um.
»Ist es wirklich das was du willst? Dass ich an Maria denke?« Antoines stahlblaue Augen durchbohrten den Mexikaner förmlich und brachten ihn augenblicklich zum Schweigen.
Hector erstarrte in der Sekunde und ließ die Schultern sinken. Er ergab sich wortlos seinem Schicksal, denn er hatte die Drohung von dem Russen verstanden.
»Heilige Jungfrau von Guadalupe, steh mir bei, in dieser Zeit der Not«, flüsterte der Mexikaner und schloss langsam seine Augen. Dann ... ein Schuss!

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