1. Wach auf

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Nach langer, langer Zeit spürte ich mein Leben wieder. Ich lag bewegungslos da und ließ alles um mich herum wirken.
Ich spürte, dass der Untergrund etwas feucht und nachgiebig ist. Ein Waldboden.
Da bemerkte ich auch die Düfte: Frische Blätter, ein Hauch von Nadeln, frische Erde.

Ich lag auf dem Rücken. Ich musste nach dieser langen Zeitreise erst einmal ankommen.
Nach und nach spürte ich auch meinen Körper wieder. Meine Beine, mein Gehirn, mein Herz und auch meine Kette, der ich die Zeitreise verdankte.

In aller Ruhe atmete ich ein und aus. Meine Augen blieben fest verschlossen.

"Alec! Komm schnell! Hier liegt ein Mädchen.", jemand setzte sich neben mich. "Hey, wach auf!", und er tastete meinen Puls ab.
"Sie lebt!", rief er. "Aber ihr Puls ist sehr schwach. Keine offenen Wunden, soweit ich es erkenne." Natürlich war ich am Leben, du Knallkopf.

Eine zweite Person näherte sich und ich lokalisierte ihn auf meiner anderen Seite.
"Wir müssen ihr helfen.", meinte der Neue.
"Aber die Ernte fängt gleich an. Das können wir nicht riskieren!", antwortete der Erste entsetzt.
"Und wenn Friedenswächter sie finden, ist sie auf der Stelle tot." Diese neuen Worte klangen wie Musik in meinen Ohren. So wunderbar, so bedrohlich.

Anscheinend hegten die beiden danach eine stille Konversation oder ich verstand es einfach nicht, denn sie sagten nichts mehr, bis sie mich irgendwohin trugen.
Eigentlich hatte mir der Waldboden gefallen. Es war so schön ruhig gewesen, aber ich hatte mich absolut nicht wehren können. Meine Augen hatte ich stets geschlossen gehalten.

Es dauerte ein Weilchen, bis die beiden mich an ihr Ziel verfrachtet hatten und ich in ein weiches Bett gelegt wurde. Weitere Stimmen wurden hörbar.
"Hoffentlich wacht sie bald auf.", dieses Mal war es eine etwas ältere Frau.
"Bestimmt, Mutter. Sie hat immerhin keinerlei äußere Verletzungen.", dementsprechend antwortete ihr Sohn.
"Lassen wir sie ruhen. Wir müssen das Festessen zubereiten.", sagte die Mutter und ging voran.
Weitere Schritte folgten, aber meiner Rechnung nach müsste noch einer hier bei mir sein.
"Irgendwoher kenne ich dich doch...", murmelte noch der zweite Typ und ließ mich dann auch alleine.

Schon nach kurzer Zeit schlief ich tatsächlich ein. Ich war noch immer unglaublich erschöpft. Die neue Umgebung machte mich ziemlich fertig.
Ich wachte sofort auf, als ich ein bekanntes Geräusch hörte. Alles in mir war alarmiert:
Boom.
Boom.
Boom.
Boom.
Boom.
Mein Körper raste in die Höhe und ich saß kerzengerade auf dem Bett, mit wild pochendem Herzen und durchgeschwitzten Klamotten.
Ein blonder Kerl saß neben dem Bett auf einem Stuhl und wollte mich beruhigen: "Hey, alles in Ordnung. Das sind nur die gefallenen Tribute."
Das boom hatte aufgehört und ich atmete ein paar Mal tief ein und aus.
"Was war das?", meine Stimme krächzte. Meine ersten Worte in der neuen Zeit.
"Der Kanonenschuss für jedes verstorbene Tribut bei den Hungerspielen in der Arena.", erklärte er mir verständlich.
Aber ich verstand eben gar nichts. "Wovon redest du? Wer bist du überhaupt und was mache ich hier?", fragte ich verwirrt.
Er blickte mich bestimmt genauso konfus an, wie ich ihn. Jedes seiner Augen hatte eine andere Farbe: links Blau und rechts Braun.
Dann schüttelte er den Kopf und riss sich zusammen. "Ich bin Jace. Wir haben dich bewusstlos gefunden und in unser Haus in Distrikt 2 gebracht. Momentan finden die alljährlichen Hungerspiele statt, die das Kapitol ausrichtet. Diese werden im TV live übertragen und dadurch hast du die Kanonen gehört. Der Fernseher schaltet sich dann immer automatisch an."
"Alles klar, Jace.", sagte ich ironisch. Natürlich verstand ich kein Wort.
Das brachte ihn zum Lächeln. "Und was ist mit dir?"
"Ich?", und ich versuchte wirklich, mich anzustrengen, aber es war alles weg. "Ich kann Zeitreisen." Ja, das war alles, was mein Gehirn an Informationen herausrückte. Der Rest war irgendwie verschwunden. Als wäre er nie da gewesen.
"Du machst Witze!", er staunte. "Sonst weißt du nichts mehr über dich?"
Ich schüttelte traurig den Kopf.
"Ruhe dich noch ein bisschen aus. Hier bist du sicher.", er strich mir vorsichtig über den Arm.
"Jace? Haben wir uns schon einmal gesehen?", fragte ich laut. Es war nur so ein Gedanke, vielleicht ja sogar schon eine Erinnerung.
Er blieb auf der Schwelle stehen und überlegte: "Du warst diejenige! Damals, als ich klein war, hatte ich dich an derselben Stelle gefunden wie heute und wollte dir etwas zu Trinken bringen. Als ich zurücklief, warst du weg!"
"Ja, das war wohl eine ungeplante Zeitreise.", an etwas anderes erinnerte ich mich jedenfalls absolut nicht. Außer... "Aber war dein Name nicht Joey?"
"Als Kind nannte mich jeder Joey, jetzt bin ich Jace. Einige Abkürzungen von Jonathan.", Jace lächelte. "Ich hoffe, dir fällt bald mehr ein aus deiner Vergangenheit."
Und wieder versank ich in einen tiefen Schlaf, kaum fiel die Tür ins Schloss.

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Nachlesen der Erinnerung an Joey:

Trapped in Time
Sonntag, der 01. September 1991

Trapped in Silence (THG×MazeRunner×Shadowhunters)Historias para obsesionarse. Descúbrelo ahora