Schon seit einer Weile denke ich darüber nach, ob ich mein Tagebuch vielleicht mit anderen Menschen teilen sollte. All diese wunderbaren, emotionalen, manchmal auch traurigen, dann wieder unglaublich schönen Geschichten, die ich in den vergangenen Jahren erlebt habe und erleben durfte. Freunden und Bekannten habe ich immer wieder Dinge aus meinem Leben erzählt und sie fragten, ob ich denn auch ein Tagebuch führen würde. Ursprünglich fand ich das nicht so wichtig für mich, habe dann aber doch im Februar 2015 mit dem Schreiben begonnen. Den genauen Tag weiß ich nicht mehr, aber es war wohl so, dass mir klar wurde, dass ich mir die vielen Details meiner zum Teil verrückten Erlebnisse nicht für immer merken würde und ich sie deshalb aufschreiben müsse. Auch war mir bewusst, dass sich all die während dieser Momente gefühlten Gefühle und gedachten Gedanken mit der Zeit aus meinem Gehirn schleichen und so aus meiner Erinnerung entschwinden würden.
Gedachte Gedanken, gefühlte Gefühle... Naja, mit den Gefühlen ist das für ein männlich geprägtes Gehirn wie meines so eine Sache. Gefühle unterdrücken und am besten keine Gefühle zeigen war in meiner Familie und meiner Erziehung immer die Devise. Und darüber reden, das ging natürlich gar nicht. Ich weiß noch genau, wie das damals auf der Trauerfeier war, nachdem meine Oma gestorben war: Nicht eine Träne habe ich vergossen, obwohl ich tieftraurig war und der Schmerz des Verlustes mich zerreißen wollte. Nicht eine Träne, als meine geliebte Großmutter, die mich eigentlich aufgezogen hatte, nicht mehr da war. Ist doch logisch, Männer weinen doch nicht. Aber warum eigentlich nicht? Und: Warum habe ich es nicht wenigstens in diesem Moment zugelassen, meine weibliche Seite zu zeigen, meine verletzliche und mitfühlende Seite, die doch auch tief in mir drin existierte - trotz aller dagegen gerichteten Erziehungsmaßnahmen. Und so bin ich mir gar nicht sicher, ob ich wirklich Gefühle beschreiben kann und meine Tagebucheinträge also tatsächlich auch Gefühle zeigen oder aber lediglich sachliche Aussagen dokumentieren.
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Mein Weg zum Selbst
Non-FictionIch war trans. Und ich bin lesbisch. Was bedeutet das und passt das überhaupt zusammen? Lest mein Tagebuch und findet es heraus. Seid gespannt auf all die wunderbaren, emotionalen, manchmal auch traurigen, dann wieder unglaublich schönen Geschichten...
