Kapitel 17

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Da meine Mutter ziemlich sicher durchdrehen würde, wenn sie hören oder selbst sehen sollte wie ich aus dem Wald komme, mache ich einen kleinen Umweg und verlasse den Wald beim See.

In meinem Kopf schwirren noch immer Akivas Erinnerungen umher, weshalb ich nicht auf meine Umgebung achte, was sich als Fehler herausstellt als ich in jemanden hineinrenne. Als ich den Kopf hebe und mich entschuldigen will bleiben mir die Worte im Hals stecken, denn vor mir steht Kaz. "Weißt du Prinzessin, Gott hat dir mit voller Absicht zwei funktionierende Augen gegeben." Er sieht mich eindringlich an während ich überlege ob seine Aussage witzig oder bedrohlich gemeint war.

Da ich noch immer nicht geantwortet habe scheint er zu denken, dass er mich eingeschüchtert hat, denn ein arrogantes Lächeln ziert sein Gesicht. "Wenn ich mich nicht irre hast du auch zwei funktionierende Augen, wieso bist du dann nicht mir ausgewichen?" Genervt über sein selbstgefälliges Getue verschränke ich die Arme vor der Brust und sehe ihn eindringlich an. Seine Nase zuckt und das Lächeln wird durch ein Stirnrunzeln ersetzt. "Da war wohl jemand ein bisschen im Wald spazieren."

Bevor ich darauf etwas sagen kann beugt er sich zu mir runter, dass unsere Nasen sich fast berühren und ich seinen Atem auf meinem Gesicht spüren kann. Ein Schauer läuft mir den Rücken runter, aber ich weiche nicht zurück. "Wenn ich du wäre Prinzessin, würde ich vorsichtig sein. Der Wald kann ein gefährlicher Ort sein." "Soll das etwa eine Drohung sein?" "Nein, nur eine Warnung." Bevor ich noch etwas sagen kann dreht er sich um und verschwindet zwischen den Zelten.

Sobald ich ihn nicht mehr sehe rieche ich an meiner Kleidung. Sie riecht stark nach Wald, aber keine Spur von Akivas Geruch. Das ist gut! Er weiß zwar, dass ich im Wald war, aber er weiß nicht, dass ich mich mit jemandem getroffen habe! Der Typ ist mir nicht ganz geheuer!

Ich bin gerade dabei ein paar Sachen für Akiva in eine Tasche zu packen, als ich jemandem vor meinem Zelt spüre. "Jenna? Bist du da?" Blitzschnell stopfe ich den Rest in die Tasche und schiebe diese unter mein Bett. "Ja, komm nur rein Rosie."

Um natürlich zu wirken lasse ich mich auf mein Bett fallen, kurz bevor sie die Zeltplane zur Seite gibt und reinkommt. "Ich wollte nur wissen, ob du Kaz irgendwo gesehen hast." "Nein, aber wenn ich es tue sage ich dir sofort Bescheid." Nie hätte ich gedacht, dass mal der Tag kommen würde an dem ich Rosie anlügen würde, aber hätte ich ihr die Wahrheit gesagt hätte sie Fragen gestellt und das brauche ich im Moment ehrlich nicht.

Nach meiner Antwort wirkt sie etwas niedergeschlagen und am liebsten würde ich ihr sagen was Kaz für ein Kotzbrocken ist, aber ich habe keine Beweise. "Achja, deine Mum sucht dich." "Danke." Bedrückt verlässt Rosie mein Zelt und ich verlasse es kurz darauf, nachdem ich sichergestellt habe, dass man die Tasche unter meinem Bett nicht gleich entdeckt.

"Du hast mich gesucht Mum?" "Ja, ich dachte mir wir könnten heute weiter an der Kontrolle deiner Kräfte arbeiten, wenn das für dich in Ordnung ist." Die Sonne steht noch relativ hoch am Himmel und ich habe Akiva gesagt, dass ich erst gegen Abend wiederkommen würde also habe ich noch genug Zeit. "Ja klar, woran arbeiten wir heute?"

Meine Mum nimmt meine Hand mit einem breiten Grinsen im Gesicht und zieht mich in Richtung See. "Ich dachte mir, dass wir heute am Schweben arbeiten." Na super, soll ich vorher noch herumfragen wer mir dabei zusehen will wie ich von 15m Höhe abstürze?

"Genau wie beim Heilen hängt das Schweben ganz stark von deiner Vorstellungskraft, deinem Willen und deiner Konzentrationsfähigkeit ab." Gespannt sehe ich ihr dabei zu wie sie langsam vom Boden abhebt und schließlich gute 5m über dem Boden schwebt. Sie grinst von oben auf mich herab und sinkt wieder langsam nach unte bis sie wieder festen Boden unter den Füßen hat.

"Jetzt bist du dran." "Damit ich von dort oben dann mit voller Kraft auf den Boden aufschlagen kann? Nein danke." "Was glaubst du warum wir hier beim See sind." Verwirrt sehe ich sie an und plötzlich geht mir ein Licht auf. "Ok, dann schlage ich halt am Wasser auf - auch nicht besser." "Jetztstell dich nicht so an. Du schaffst das schon." Wenn du das sagst!

Erneut ergreift meine Mum meine Hand und zieht mich ans Ufer des Sees. „Wir fangen hier an. Zuerst wirst du versuchen nur etwas über dem Boden zu schweben und wenn du höher rauf schwebst musst dugleichzeitig weiter in die Mitte des Sees, wo das Wasser tiefer ist. Okay?" Unfähig zu sprechen nicke ich bloß und hole tief Luft.

Ich versuche meine ganzeAufmerksamkeit auf diese Sache zu richten und plötzlich schwebe ich eineHandbreite überm Boden. „Gut, aber verlier jetzt vor lauter Freude nicht die Konzentration und versuche höher zu schweben." Erneut nicke ich und stelle mir vor wie ich immer weiter nach oben, aber gleichzeitig auch weiter in die Seemitte schwebe.

Überraschenderweise klappt auch das ohne Probleme und so kann ich Sekunden später die ganze Lichtung von oben betrachten. Gebannt von diesemAusblick lasse ich meinen Blick umherwandern bis er an einer Figur hängenbleibt, die gerade den Wald betreten will.

Hey Rosie, Kaz will in den Waldgehen! Du kannst ihn noch erwischen, wenn du dich beeilst! Danke, Jenna!

Die Verbindung mit Rosie bricht ab und ich sehe wie sie aus ihrem Zelt stürmt. Was könnte Kaz im Wald wollen? Wald – Akiva! Der Gedanke, dass Kaz Akiva finden könnte bringt mich wortwörtlich aus dem Gleichgewicht und im nächsten Moment falle ich.


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