"Anna, aufstehen", meine Mutter kommt wie jeden Morgen vor der Schule in mein Zimmer und weckt mich. Wie immer läuft sie an meinem Bett vorbei und öffnet den Rollladen. Sofort ist mein Zimmer mit strahlendem Sonnenlicht durchflutet. Das einzige was heute anders ist, ist dass ich schon vorher hellwach war. Zu viele Gedanken plagen mich. Wie sind meine Mitschüler? Werden Sie mich akzeptieren? Werde ich neue Freunde finden? Oder werde ich als Außenseiter enden?
Die ganze Klasse kennt sich seit der 5ten Klasse, also seit sechs Jahren und sind wahrscheinlich alle miteinander befreundet. Naja der Ort hier ist sowieso nicht so groß, da kennt jeder jeden, nur ich gehöre noch nicht dazu.
Um noch liegen zu bleiben bin ich viel zu nervös, also gehe ich gleich hinter meiner Mutter her in die Küche. Die Küche ist der einzige Ort unseres Hauses, wo keine Kartons mehr stehen. Seit einer Woche wohnen wir schon hier in Neuenwalde, Kontakte zu anderen habe ich allerdings noch nicht. Die meiste Zeit saß ich hier im Haus und habe geholfen die Kisten aus zu räumen, trotzdem befindet sich in meinem Zimmer noch nicht sonderlich viel in meinen Regalen. Aber das wird schon noch, jetzt muss ich mich erstmal auf die Schule konzentrieren.
Wie jeden Morgen löffel ich mein Müsli aus während ich Radio höre. Mit Musik lässt sich das Leben doch gleich viel besser ertragen. Ich selbst mache auch Musik, ich spiele Gitarre und singe dazu. Aber noch nie habe ich es jemandem, außer meiner Familie vorgespielt. In letzter Zeit versuche ich mich sogar daran eigene Songs zu schreiben. Das ist allerdings mehr Arbeit als ich dachte. Seit drei Wochen sitze ich jetzt an meinem ersten eigenen Lied. Der Text war relativ schnell geschrieben aber das mit der Melodie will einfach nicht hinhauen. Dann kam auch noch der Umzug dazu und jetzt ist wieder Schule. Der wird bestimmt nie fertig.
Nachdem ich meine morgendliche Routine, welche aus Zähne putzen schminken und anziehen besteht, hinter mich gebracht habe, verlasse ich das Haus. Aus dem Berg Wäsche in meinem Zimmer hatte ich mir einfach das erstbeste gegriffen. Eine Hotpants und ein ganz normales schwarzes Top. Keine schlechte Wahl, denn schon als ich den ersten Schritt aus der Tür mache fühle ich mich schon wie erdrückt von der Hitze. Nichts hasse ich mehr als wenn es so warm ist. Ich meine ich friere auch nicht gerne aber noch unerträglicher als Kälte finde ich Hitze. Meine Lieblingsjahreszeiten sind Herbst und Frühling. Das Wetter ist zwar oft wechselhaft aber die Temperaturen sind meistens angenehmer. Nicht zu warm und nicht zu kalt.
Der Weg ist nicht weit, deshalb brauche ich zu Fuß nicht mal 10 Minuten zur Schule. Vor dem großen Gebäude bleibe ich kurz stehen und schaue nach oben. Schön ist anders. Die Schule sieht aus wie ein grauer Klotz aber vielleicht ist es ja drinnen schöner. Naja ich habe auch eigentlich noch nie eine wirklich schöne Schule gesehen. Ich glaube die Leute die das Aussehen der Schule entwerfen machen das mit Absicht. Die Schüler sollen sich ja anscheinend nicht wohlfühlen sondern lernen.
Mit einem mulmigen Gefühl im Bauch trete ich durch die große Tür des Betonklotzes. In der Eingangshalle ist schon sehr viel Trubel. Alle möglichen Schüler laufen durch die Gegend, stehen vor der Pinnwand und schauen sich irgendwas an oder stehen in Grüppchen beieinander und reden. Wie eben an jeder anderen Schule auch.
Mir wurde gesagt ich solle mich im Sekretariat melden. Nur wo ist das? Vergebens suche ich nach einem Schild. Bevor ich jetzt ewig hier herum irre, muss ich wohl oder übel jemanden Fragen wo es lang geht. Kurz schaue ich mich um. Überall haben sich Gesprächsgruppen gebildet, bei denen ich ungern stören möchte. In einer Ecke auf dem Boden sitzend finde ich dann doch einen Jungen der dort alleine über einen Block gebeugt sitzt. Hat wohl noch ein paar Hausaufgaben zu machen. Langsam laufe ich auf ihn zu und gehe neben ihm in die Hocke, damit er nicht so weit nach oben gucken muss. Naja wirklich weit müsste er nicht nach oben gucken, da ich wirklich nicht groß bin aber ihr wisst was ich meine. Daraus, dass er mich nicht mal anschaut, schließe ich dass er mich komischerweise noch nicht bemerkt hat.
"Hallo, ehm könntest du mir vielleicht sagen wo das Sekretariat ist?", frage ich vorsichtig.
Sofort schaut er mich überrascht mit seinen blau-grauen Augen an.
"Ist ein bisschen schwer zu erklären. Das Sekretariat ist am anderen Ende der Schule", sagt er macht aber keine Anstalten mir weitere Details zu verraten. Sein Gesichtsausdruck lässt darauf schließen, dass er nachdenkt.
"Am besten bringe ich dich hin. Geht schneller als erklären".
Mit einem Lächeln steht er auf und auch ich stelle mich wieder grade hin. Erst jetzt bemerke ich wie riesig er eigentlich ist. Allein seine Beine, welche nur halb von Stoff bedeckt sind da er eine kurze Hose trägt, scheinen unendlich lang. Insgesamt ist er fast zwei Köpfe größer als ich.
Bevor wir los gehen hebt er noch seinen Rucksack hoch und wirft ihn sich über eine seiner Schultern.
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Ich will mehr sein als ein guter Bekannter
RomanceAnna zieht mit ihren Eltern ans andere Ende Deutschlands. In der neuen Schule wird sie von allen gut angenommen aber der einzige, den sie wirklich kennenlernen will, ignoriert sie. Lukas. Aber wieso? Am Anfang war er doch noch nett.
