The Ghosts We Left Behind - A 9-1-1 & Hawaii Five-0 Crossover

15 0 0
                                        

KAPITEL 1: DER RUF DER SCHATTEN

Der Himmel über Los Angeles war an diesem Dienstagmorgen von einer dicken, drückenden Schicht aus
Smog und Hitzeflimmern überzogen. In der Station 118 lief der Routinebetrieb wie gewohnt. Chimney saß am
großen Küchentisch und balancierte eine Kaffeetasse auf der Kante einer Zeitung, während Hen mit
konzentrierter Miene ein medizinisches Fachjournal durchblätterte. Weiter hinten, nahe den Spinden, stand
Evan „Buck" Buckley. Er lachte gerade über einen trockenen Kommentar von Eddie Diaz, warf den Kopf
zurück und wirkte wie die personifizierte Unbeschwertheit. Niemand in diesem Gebäude, nicht einmal Eddie,
der ihm näherstand als jeder andere Mensch im Bundesstaat, ahnte, dass unter den blauen Baumwoll-T-Shirts
der Feuerwehr L.A. Narben lagen, die nicht von berstendem Glas oder brennenden Balken stammten. Narben,
die im tiefen, kalten Salzwasser des Pazifiks und im unbarmherzigen Sand des Nahen Ostens geschmiedet
worden waren.
Plötzlich zerriss das gellende, mechanische Heulen der Alarmglocken die friedliche Stille. Die vertraute,
synthetische Stimme des Dispatchers dröhnte durch die Lautsprecher: „Station 118, Großaufgebot für
taktische Unterstützung. Lagerhauskomplex im Hafengebiet. Verdacht auf verbarrikadierte Verdächtige mit
schweren, militärischen Waffen. SWAT fordert medizinische Absicherung und Brandbereitschaft an.
Gefahrstufe Rot."
Bobbys Stimme schnitt sofort durch den Raum: „118, Bewegung! Das ist kein Standard-Einsatz.
Vollschutz-Ausrüstung, bleibt dicht bei den Fahrzeugen, sobald wir vor Ort sind. Wir agieren ausschließlich in
der sekundären Sicherheitszone, es sei denn, SWAT gibt uns ausdrücklich Deckung!"
Innerhalb von Sekunden verwandelte sich die Station in ein geordnetes Chaos aus schweren Schritten, dem
Zischen von Druckluftbremsen und dem Klicken von Koppelverschlüssen. Buck rutschte in seine Turnout-
Pants, zog die schweren Stiefel hoch und spürte, wie sich sein Puls beschleunigte. Es war nicht die normale
Nervosität vor einem Feuer. Es war ein uralter, tief vergrabener Instinkt, der tief in seinem Stammhirn
anklopfte. Das Wort Hafengebiet und militärische Waffen ließen seine Muskeln sich auf eine Weise anspannen,
die er seit Jahren vor seinen Kameraden verborgen hatte.
Eddie warf ihm im Vorbeigehen einen Blick zu. „Alles klar bei dir, Buck? Du wirkst... abwesend."
Buck zwang sich zu seinem typischen, breiten Grinsen, das alle seine Sorgen überdeckte. „Klar, man. Nur
der Kaffee, der noch nicht ganz wirkt. Lass uns ein paar Leben retten."
Die Fahrt zum Hafen war von einem beklemmenden Schweigen im Inneren des Löschfahrzeugs geprägt.
Als das schwere Fahrzeug der 118 die Absperrungen passierte, bot sich ihnen ein Bild, das eher an ein
Kriegsgebiet als an die Peripherie von L.A. erinnerte. Mehrere mattschwarze SWAT-Panzerfahrzeuge
blockierten die Straßen. Doch was Bucks Blick sofort einfing, waren zwei unmarkierte, dunkelblaue SUVs mit
Regierungs-Kennzeichen und blinkenden Blaulichtern hinter der Windschutzscheibe. Männer in schweren, taktischen Plattenträgern, die keine Standard-Polizeiausrüstung trugen, bewegten sich mit einer unheimlichen,
fließenden Präzision um die Fahrzeuge.
„Was zur Hölle ist hier los?", murmelte Chimney, als sie ausstiegen. „Das ist nicht nur das LAPD. Seht
euch diese Typen an. Das sieht aus wie eine kleine Privatarmee."
„SWAT und Hawaii Five-0 sind bereits vor Ort", erklärte Bobby, der gerade die Einsatzbesprechung über
Funk abgehört hatte und mit ernster Miene auf das Team zuging. „Eine bundesstaatenübergreifende Taskforce
hat einen Ring von Waffenschmugglern bis hierher verfolgt. Die Verdächtigen sind schwer bewaffnet,
vermutlich ehemalige Söldner."
Buck hielt mitten in der Bewegung inne, als er seinen Helm festzurren wollte. Hawaii Five-0. Der Name
schlug in seiner Brust ein wie eine Blendgranate. Seine Augen verengten sich, scannten die Szenerie abseits
der LAPD-Einheiten und blieben an einer Gestalt hängen, die im Zentrum des taktischen Kreises stand. Ein
Mann mit kurzen, dunklen Haaren, bekleidet mit einer taktischen Weste über einem dunkelblauen Hemd, die
Arme verschränkt, die Haltung absolut unnachgiebig. Steve McGarrett.
Neben ihm stand ein kleinerer Mann in einem leicht zerknitterten Hemd, der wild gestikulierte und
unüberhörbar auf McGarrett einredete — Danny „Danno" Williams. Und um sie herum bewegten sich vier
Männer, deren Gesichter Buck besser kannte als sein eigenes Spiegelbild: Tyler Hayes, Marcus Reed, Jason
Cole und Noah Walker. Seine alte Unit. Seine Brüder.
In diesem Moment drehte sich Steve McGarrett um, als hätte er den Blick gespürt. Seine scharfen,
geschulten Augen glitten über die Absperrung, passierten die Feuerwehrleute der 118 — und blieben abrupt an
der hochgewachsenen Gestalt mit dem charakteristischen Muttermal über dem Auge hängen. Steve stockte
mitten im Satz, den er gerade an den SWAT-Commander gerichtet hatte.
„Das ist doch nicht...", murmelte Steve, und seine Stimme verlor augenblicklich die militärische Kälte.
„Evan?", rief Steve laut über den Lärm der laufenden Generatoren und Motoren hinweg.
Buck drehte sich langsam überrascht um, obwohl er gewusst hatte, dass dieser Moment kommen würde.
Die Maske des unbeschwerten, tollpatschigen jungen Feuerwehrmanns schien für den Bruchteil einer Sekunde
von seinem Gesicht zu gleiten.
„Steve?!", antwortete Buck, und ein echtes, tiefes Lächeln brach sich Bahn.
Ohne Rücksicht auf das laufende Protokoll oder die Absperrungen machte Steve McGarrett drei große
Schritte auf die Feuerwehrleute zu. Bevor Bobby oder Eddie auch nur im Ansatz reagieren oder fragen
konnten, was hier vor sich ging, schloss Steve die Distanz zu Buck. Er packte den jüngeren Mann an den
Schultern und zog ihn in eine wuchtige, fast schmerzhafte Umarmung. Buck erwiderte sie ohne zu zögern,
schlug dem älteren Mann kräftig auf den Rücken.

Ich glaub's nicht, Kid", raunte Steve, als er sich leicht zurückzog, aber die Hände auf Bucks Schultern
ließ. „Was tust du in dieser Uniform? Ich dachte, du steckst irgendwo in einem verdeckten Auslandseinsatz
fest, weil du dich nie meldest!"
„Ich habe dir gesagt, ich verändere mich, Steve", sagte Buck leise, ein seltener Ton von tiefem Respekt in
seiner Stimme.
In diesem Moment stürmte Danny Williams heran, hielt an, schlug die Hände über dem Kopf zusammen
und sah Buck an, als hätte er ein Gespenst gesehen. „Bucky! Du lebst ja noch! Ich fass es nicht. Der
wandelnde Totenschaden höchstpersönlich! Sag mal, wirst du eigentlich pro Jahr, das du überlebst, zwei
Zentimeter größer? Was soll das? Und warum trägst du die Ausrüstung von Leuten, die in brennende Häuser
rennen, anstatt von Leuten, die sie hochjagen?"
Buck lachte laut auf, ein befreites, ungezwungenes Lachen, das die 118 noch nie von ihm gehört hatte.
„Danny! Schön dich zu sehen. Und nein, ich werde nicht größer, du wirst nur kleiner."

The Ghosts We Left BehindStories to obsess over. Discover now