Part 1

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Das Schlimmste am ganzen Tag war der Gong in der Schule, welchen die letzte Unterrichtsstunde enden ließ. Vermutlich war ich, Elena Stevens, die Einzige, welche sich nicht über das Ende eines Schultages freute.

Seit zwei Jahren war dies mittlerweile der Fall. Seit diesem einen schicksalhaften Tag, welchen ich am liebsten aus meinem Gedächtnis löschen würde. Leider war das keine Option.

Langsam packte ich meine Sachen ein. Während die anderen Schüler aus dem Raum strömten, ließ ich mir Zeit.
Viel Zeit.

Ich schlenderte gedankenverloren den Gang entlang. Ich spürte einige Blicke auf mir. Vorallem die der sogenannten Badboys.
Es war eine Gruppe von vier Jungs.
Einer von ihnen, Ethan Walsh, war in meiner Klasse, drei waren in der Parallelklasse. Das wären Jacob und Jayden Erickson und ihr bester Freund Lio Smith. Davon wurde jedoch Jayden zurück gestellt.
Sie wussten von dem schicksalhaften Tag von vor zwei Jahren. Das hielt sie jedoch nicht davon ab, mich zu ärgern. Bevor sie es heute wieder versuchten, ging ich schnell an ihnen vorbei.

"Das graue Mäuschen hat es heute eilig." Hörte ich Jacob Erickson sagen. Einer der Badboys. Heute ließ ich mich auf keine Diskussion ein.
Zu oft ging ich auf diese Idioten ein.
Zu oft legte ich mich unnötigerweise mit ihm an.

Ich machte mich zu Fuß auf den Heimweg. Seit einem halben Jahr hatte ich meinen Führerschein. Für diesen war ich jede freie Minute arbeiten. Leider reichte das Geld noch lange nicht für ein eigenes Auto.
Viel ansparen konnte ich bisher auch nicht, weil ich mich selbst verpflegen musste. Mein Dad gab sein Geld nur noch für Alkohol aus. Leider.

Das war einer der Gründe, weshalb ich nie gerne nach Hause ging. Mir war zwar bewusst, dass ich ihn immer besoffen vorfand aber nie, in welcher Gemütslage er war.
Mal schlief er, mal war er sentimental aber meistens war er wütend.
Wütend auf alles und vorallem auf mich.

Er gab mir in diesen Momenten für alles die Schuld. Die Worte versuchte ich an mir abprallen zu lassen. Nach und nach gelang es mir immer besser. Doch den Schmerz, wenn er mich schlug oder mich anderweitig verletzte, konnte ich nicht abstellen.
Dies kam nicht selten vor.

Ich hatte schon etliche blaue Flecke, sogar Prellungen und einmal zwei gebrochene Rippen. Ich hatte nur ihn. Ich wusste nicht wo ich hin sollte.
Und erst Recht traute ich mich nicht, mit jemanden darüber zu sprechen.

Wie würde mein Dad reagieren, wenn ich ihn verpfiff? Wo sollte ich hin?
Mit siebzehn Jahren wäre ich fast auf mich alleine gestellt. Ich könnte in das Wohnheim der Highschool ziehen.
Aber das war nicht mein Ding.
Durch meine ganzen Gedanken, bemerkte ich nicht, wie schnell ich schlussendlich vor der Haustür stand. Mit zitternden Händen schloss ich die Tür auf und ging leise rein.

"Elena Stevens!" Brüllte mein Vater durchs Haus. Schnell stellte ich fest, er war besoffen und er war wütend. Langsam ging ich zu ihm ins Wohnzimmer. Es stank nach den verschiedensten Alkoholsorten.
Von Bier bis Schnaps war alles dabei. "Ja, Dad?" Meinte ich kleinlaut.
"Wo warst du so lange?! Ach egal! Mach dich endlich Mal nützlich und bring mir sofort was zu trinken!" Brodelte er weiter.

Ich nickte und verschwand in die Küche. Dort angekommen öffnete ich den Kühlschrank und nahm eine Flasche Bier heraus. Der Kühlschrank war zu dreiviertel mit Bier und anderen alkoholischen Getränken gefüllt.

Ich ging mit der kühlen Flasche in meiner Hand zurück ins Wohnzimmer. "Endlich bist du mal zu etwas Nütze." Brabbelte Dad sich in seinen nicht vorhandenen Bart und nahm mir die Flasche ab.
"Ich treffe mich gleich mit ein paar Freunden. Wenn ich wieder komme, will ich das es hier sauber aussieht! Und kümmer dich um den Papierstapel!" Wies er mich forsch an.
"Ja, Dad." Antwortete ich. Er nickte.

Mit einer Handbewegung wies er mir an zu gehen. Schnell flüchtete ich in mein Zimmer. Wie immer schloss ich meine Tür ab. Der einzige sichere Raum in dieser Wohnung, war mein Schlafzimmer.
Ich ließ mich auf mein Bett fallen. Dabei sah ich zu dem Bild meiner Mom, welches auf meinem Nachtschrank stand.

Wie oft hatte ich mir in den letzten zwei Jahren gewünscht, dass sie mich mitgenommen hätte. Ich wollte hier nicht mehr sein. Lieber wäre ich bei meiner Mom. Auch wenn es bedeuten würde, dass ich sterben müsste.

Vor zwei Jahren war ich mit meiner Mom unterwegs. Wir hatten einige Dinge für meinen baldigen Geburtstag geholt. Wir hatten an diesem Tag viel Spaß gehabt. Mom und ich waren das perfekte Duo. Dad liebte uns beide abgöttisch und war stolz auf seine zwei wundervollen Mädels. Zumindest hatte er das damals oft betont.

Jedenfalls waren wir gegen 16 Uhr auf dem Heimweg. Das Wetter hatte sich verschlechtert und es regnete stark. Man sah immer wieder Stellen, an der sich das Wasser auf der Straße sammelte. Mom fuhr auf der Landstraße um eine Kurve.
Dabei verlor sie die Kontrolle über den Wagen. Die Leitplanke konnte das Gewicht nicht halten.
Unser Auto flog eine gefühlte Ewigkeit bis es mit voller Wucht aufprallte.
Es rutschte in hoher Geschwindigkeit den Berg hinab und fing an sich zu überschlagen.
Mein Kopf prallte immer wieder gegen den Sitz. Mir wurde schwindlig. Schlussendlich blieb unser Wagen auf dem Dach liegen. Mit letzter Kraft sah ich rüber zu meiner Mom.
"Mom." Flüsterte ich ängstlich.
"Alles wird gut." Hauchte sie und strich über meine Wange.
Ich sah das sie am Kopf blutete.
Meine Augen fühlten sich im nächsten Moment so schwer an. Eine Welle der Müdigkeit übermannte mich. Nur wenige Sekunden später zog mich die Dunkelheit mit sich.

Als ich wieder aufwachte, lag ich im Krankenhaus. Ich war an mehrere Monitore angeschlossen. Mir wurde erzählt das ich mehrere starke Prellungen, eine Gehirnerschütterung und einen gebrochenen Arm hatte. Doch das schlimmste sagte mir mein Dad danach.

Meine Mom war gestorben. Sie hatte zu viele innere Blutungen. Mom hatte es nicht geschafft. Anfangs versuchten wir gemeinsam diese schwere Zeit zu überstehen. Nach Moms Beerdigung fand Dad aber Gefallen am Alkohol.

Erst war es nur Abends. Doch schnell wurde es immer mehr. Und durch den Alkohol, änderte er sich komplett.
Er warf mir vor, dass ich es nicht verdient hätte zu leben. Ich hätte an Moms Stelle sterben sollen.
Was sollte er nur ohne seine Frau machen?
Anfangs rannte ich jedes Mal in mein Zimmer und fing bitterlich an zu weinen.

Als sich der Tag jährte, schlug Dad mich zum ersten Mal. Also ging das Ganze schon circa ein Jahr.
Ich wusste nicht, wie lange ich es noch aushalten würde. Ich hatte niemanden, dem ich mich anvertrauen könnte.
In der Schule war ich noch nie sehr beliebt. Außerdem wollte niemand etwas mit mir zu tun haben, da ich mich des öfteren schon mit den Badboys angelegt hatte.
Ich war ein hoffnungsloser Fall.

I never thought Où les histoires vivent. Découvrez maintenant