Fateless - Roman eines Schicksallosen

2 0 0
                                    

György Köves - Marcell Nagy

U.S. Army Sergeant - Daniel Craig


György ist 14 Jahre alt und wächst zusammen mit seinem Vater und seiner Stiefmutter in Budapest auf. Eines Tages ereilt seinen Vater dasselbe Schicksal wie viele jüdische Männer – sie werden als Arbeitskräfte rekrutiert und werden nach Nazideutschland deportiert. György muss nun für das wirtschaftliche Überleben der Familie sorgen und muss täglich mit dem Bus in eine Fabrik fahren, um dort als Maurer zu arbeiten. Doch eines Tages wird der Bus von einem ungarischen Gendarm gestoppt, der die jüdischen Fahrgäste, darunter auch György, zwingt, aus dem Bus zu steigen. Die Juden werden in einen nahe gelegenen Pferdestall gebracht. Binnen weniger Wochen werden die Gefangenen in Viehwagen gezwängt und mit unbekanntem Ziel verschleppt. Györgys erstes Ziel ist ein Ort namens Auschwitz-Birkenau, wo er sich um zwei Jahre älter macht und auf diese Weise die Selektion überlebt. Mit anderen etwa gleichaltrigen Jungen wird er zunächst in das Konzentrationslager Buchenwald und dann nach Zeitz deportiert. Hier lernt er den ebenfalls aus Ungarn stammenden Häftling Bandi Citrom kennen. Zwischen dem Jungen und dem etwas älteren jungen Mann entwickelt sich eine Art von Freundschaft, da sie sich gegenseitig Mut zusprechen, das Konzentrationslager zu überleben, und die Hoffnung haben, wieder auf den Straßen Budapests spazieren zu gehen. Infolge der harten Arbeit in einer Fabrik, in der Straßenbeläge angefertigt werden, wird Györgys Durchhaltewillen fast zerbrochen. Sein Knie entzündet sich, worauf er aufs Krankenrevier geschickt wird. Als die Lage Deutschlands immer aussichtsloser erscheint, wird György, schon halb tot, in einem Transport wieder nach Buchenwald gebracht. Im Buchenwalder Krankenrevier erlebt er die Befreiung durch die Amerikaner. Schließlich kehrt György nach Budapest zurück. Hier muss er erfahren, dass sein Vater im KZ Mauthausen ums Leben gekommen ist und seine Stiefmutter einen Ungarn geheiratet hat, um so zu überleben. Als er den Daheimgebliebenen von seinen Erlebnissen im Lager berichtet, stößt er auf eine unüberwindliche Abwehr – offenbar wollen sie lieber ihre eigenen, klischeehaften Vorstellungen behalten.

Wie schon in der Romanvorlage ist es wesentlich, dass die Bedeutung des Werks sich nicht in der wörtlichen Handlung erschöpft. In einem Interview von 2005 betont Kertész: „Wir wollten keinen Holocaust-Film drehen." Etwa legen Kertész' frühe Arbeitsnotizen zum Roman nahe, dass der Arbeitsdienst eine Allegorie für Kertész' exemplarische „Arbeit an sich selbst" ist. Mit dieser unterscheide er sich vom zeittypischen „funktionalen Menschen", der sich ideologisch leiten lässt und so das „existentielle Erlebnis seines Lebens" versäumt respektive „ohne eigenes Schicksal" bleibt. Als Schriftsteller sehe er sich dagegen als jemand, der seine persönlichen Erlebnisse in eigener Verantwortung zu deuten versucht, also „die Sprache und die fertigen Begriffe nicht akzeptiert. Am Anfang ist er, glaube ich, einfach nur dumm, dümmer als all die anderen, die alles sofort verstehen. Dann beginnt er zu schreiben, wie jemand, der von einer schweren Krankheit genesen und seinen Wahn bezwingen will". Die „Arbeit an sich selbst" ist dabei als Referenz auf Thomas Mann erkennbar, die Aneignung des persönlichen Schicksals in einem Prozess der Genesung deutet ferner auf Immanuel Kants Kritik des Fatalismus respektive der „faule[n] Vernunft". Der eigentliche Gegenstand ist also eher philosophischer als historischer Natur, was auch die aufreizend distanzierte Darstellung verständlich macht. Gerade die provokante Ästhetik des Films (die in der Presse viel kritisiert wurde) kann den Zuschauer zu weiterem Nachdenken veranlassen und ggf. zu der Einsicht führen, „dass sich hinter der so anstößig vorgetragenen wörtlichen Erzählung eine weitere verbirgt, auf die es letztlich ankommt".

Daniel CraigWhere stories live. Discover now