Mitten in einer kleinen Stadt in Pennsylvania lebte einst ein braun haariger Junge. Freude war sein zweiter Vorname. Ein Lächeln war immer in seinem Gesicht, wodurch man oft seine Grübchen zu sehen bekam. Ein Junge voller Energie und Lebensfreude, bis zu einem Tag. Dem 25.03.2014. Ein unbedeutender Tag für viele. Ein unbedeutender Arbeits-Dienstag. Ein normaler Tag, außer für Thomas, dem sonst so freudigen Jungen.
Für ihn war es ein Alptraum. Ein Tag, der sich für immer in sein Gehirn eingebrannt hat. Ein Tag, der ihn bis an sein Lebensende verfolgen würde.
Der damals zwölfjährige, unschuldige Junge war auf dem Rückweg nach Hause. Sein Lächeln war noch breiter als normalerweise, denn er hatte ein A in Mathe bekommen. Okay A-, aber es war ein A.
Seine Eltern waren nicht Zuhause, sie waren beide auf der Arbeit und würden erst am Abend nach Hause kommen. Stören tat ihn das nicht. Er wusste sich zu amüsieren und hatte bereits einen Plan gemacht: Treffen mit seinem besten Freund Jack am Brunnen um 15 Uhr. Ein eigentlich perfekt normaler Tag. Bis er vor seiner Haustür stand.
"Hey Thomas!", rief sein Nachbar zu ihm herüber über den Gartenzaun. "Wie geht's dir, Junge?" Thomas lächelte Roger an. Er war ein etwas älterer Mann, Mitte 50, immer nett, dachte er zumindest.
"Mir geht es super! Ich hab ein A- in Mathe bekommen! Dad hatte recht, das viele Lernen hat sich ausgezahlt!", rief Thomas überglücklich mit seinem Schlüssel in der Hand. Er war stolz auf seine Leistung. Nie hätte er gedacht, dass er mit vier Tagen lernen so etwas tun könnte, ein A in Mathe.
Roger lächelte und rammte seinen Spaten in den aufgelockerten Boden, wo er einen Kirschbaum pflanzen wollte. "Das hast du toll gemacht, Junge. Wie wär's wenn wir das mit ein paar Keksen feiern? Beatrice hat gestern welche gebacken. Ich bin mir sicher es würde sie nicht stören, wenn wir uns ein paar nehmen." Aufgeregt nickte das Kind. "Gerne, ich bringe nur kurz meinen Rucksack rein. Dann komme ich rüber." Rogers lachte leise und rief Thomas, der schon durch seine Haustür gestürmt war hinterher. "Ich bin schon mal drinnen und bereite den Tisch vor!"
Bei ihrem kleinen Kaffeekränzchen erzählte Thomas stolz von seiner Mathearbeit, wie er selbst bei der schwersten Aufgabe alle Punkte hatte, wo ihr Klassenstreber sogar zwei Fehler hatte. Es war eine Arbeit über geometrische Formen gewesen. Er hatte das ganze Wochende über irgendwelche Quadrate, Würfel und Dreiecke in sein Heft gezeichnet und die verschiedensten Flächeninhalte und Volumina ausgerechnet. Dazu irgendwelche Erklärvideos aus dem Internet angeschaut. Sein Vater hatte das dann immer korrigiert und ihn gefragt, was er denn für Fehler gemacht habe. Und alles davon hat zu seinem A- beigetragen. Sonst wäre es wahrscheinlich nur ein C geworden.
"Das hast du wirklich toll gemacht, Thomas! Deine Eltern werden stolz auf dich sein, einen so schlauen Jungen zu haben.", lobte der ältere Mann ihn. Wieder nickte der kleine Junge und biss in einen der Kekse. Sie schmeckten wirklich gut und eins musste man Beatrice Hiddleton lassen, backen konnte sie. Schon früher hatte sie der Familie Green oft irgendwelche selbstgebackenen Nascherein rübergebracht. Sie war eine begnadete Bäckerin.
"Dad meinte, er würde mit mir nach London fliegen, wenn ich mal ein A in Mathe mit nach Hause bringen würde!", redete Thomas in einer hohen Kinderstimme weiter. Sie war nicht mehr ganz so hoch wie früher. Früher hätte er als Mädchen durchgehen können, aber jetzt ist sie tiefer geworden und der Stimmenbruch würde auch noch bald kommen.
"Weißt du was, Thomas? Ich hab auch noch was für dich! Komm, folge mir!", meinte Mr. Hiddleton und stand vom Tisch auf. Holz kratzte über Holz, als der Stuhl über das alte Laminat rutschte.
Thomas schnappte sich noch schnell einen Keks, bevor er dem Mann in sein Schlafzimmer folgte. Neugierig sah er sich in dem Raum um. Es war kein großer Unterschied zu dem Schlafzimmer seiner Eltern, nur alles war irgendwie ein bisschen heller.
Plötzlich wurde er von hinten geschubst und landete mit dem Bauch auf dem Bett. Als er sich aufrappeln wollte, hielt ihn eine Hand jedoch an der Schulter fest und drückte ihn zurück in die weichen Bezüge. Ein herrlicher Duft nach Meer ging von der frischgewaschenen Decke aus, doch darauf lag Thomas' Fokus nicht. Er wunderte sich, was der Mann hinter ihm machte, denn auf irgendeine Art und Weise machte es ihm Angst. Und als er spürte, wie sich die andere Hand des Mannes unter seinen Schritt schob und langsam darüber strich, merkte er, dass seine Angst berechtigt war.
Er hatte bereits gelernt wozu das Ding in seiner Hose gut war. Und er wusste, dass das hier kein Teil davon war. "Mister, Mister Hiddleton?", fragte Thomas leicht unsicher. Seine Stimme zitterte leicht und alle Freude war aus seinem Gesicht gewichen.
YOU ARE READING
(Un)Breaking Lock
FanfictionDer jugendliche Thomas zieht mit seiner Familie in eine Kleinstadt nach Kalifornien für einen Neubeginn. Weg von alten Freunden, alten Feinden, alter Umgebung. Einfach weg. Dass er in seiner neuen Schule Freunde finden würde, hatte er gehofft, erwa...
