Kapitel 44

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Schmidt und Braun saßen in ihrer Zelle und rechneten. Braun errechnete die Menge des Bestechungsgeldes, das sie an die noch amtierenden Staatsoberhäupter der Welt zahlen wollten, um sie zum Abdanken zu bewegen – Schmidt errechnete die Anzahl von Tagen, die er jetzt schon zwangsweise nüchtern war. Beide erhielten ein hohes Ergebnis.

„Es ist unglaublich. Der Kerl ist nur Präsident irgendeiner briefmarkengroßen Bananenrepublik, wird nächstes Jahr sowieso abgewählt und verlangt doch für seinen Rücktritt 4 Millionen Euro! Unverschämt, so was.“

„86 Tage! 86 Tage! Und das mir, der ich vorher noch nie auch nur einen Tag in meinem Leben nüchtern war!“

„Haake muss ihn dazu bringen auf 3 ½ Millionen runterzugehen! Wir sind doch nicht Krösus.“

„Leider nicht. Der hatte sicher jede Menge Wein.“

„Sei nicht so weinerlich, Schmidt! In ein Paar Tagen ist der Prozess vorbei, und wir sind hier rau... was ist denn das für ein Geräusch?“

Schmidt legte den Kopf schief und lauschte. „Ein Hubschrauber, was denn sonst?“

„Ja, aber das Geräusch kommt immer näher! Ich VERSTEHE SCHON MEINE EIGENEN WORTE NICHT MEHR! WILL DIESER IDIOT VON PILOT ETWA AUF DEM GEFÄNGNISDACH LAND...“

In diesem Moment verebbte das Geräusch. Stattdessen hörten die zwei Direktoren der Staats-AG das Stampfen schwerer Stiefel über ihren Köpfen.

Leute waren auf dem Dach.

*~*~*~*~*~*

Ein verspätetes Kamerateam, das nachdem der erste Prozesstag vorbei war noch seine Ausrüstung im Gerichtssaal hatte zusammenpacken müssen, fuhr gerade am Gerichtsgefängnis vorbei, als der Hubschrauber auf dem Dach aufsetzte.

„Stop!“ brüllte der Reporter.

Der Fahrer trat auf die Bremse, und nach einigen Umdrehungen kam der Wagen zum stehen.

„Schnell! Raus mit der Kamera! Das müssen wir filmen!“

Schwarz gekleidete Männer, mit Maschinengewehren bewaffnet und dem Symbol der WAHNSINNIGEN auf der Brust sprangen aus dem Hubschrauber und seilten sich vom Gefängnisdach an der Außenwand des Gebäudes ab. Eine Metallsäge begann zu kreischen, und innerhalb weniger Sekunden waren die Gitterstäbe an Schmidt & Brauns Zelle durchtrennt.

*~*~*~*~*~*

Erleichtert nahm Herr Braun die Hände von den Ohren.

„Meine Herren, das nächste Mal wenn Sie uns besuchen wollen, kommen Sie bitte durch die Tür. Dann müssen Sie wenigstens keinen solch infernalischen Lärm machen.“

„Mitkommen, und zwar fix!“ brüllte einer der Kerle in schwarzer Uniform. Er trug eine Kugelsichere Weste und einen Helm wie ein Soldat – und ein sehr professionell aussehendes Gewehr.

„Warum?“

„Weil ich Dir sonst eine Kugel in den Kopf schieße!“

Braun schüttelte den Kopf „Bezweifle ich sehr. In dieser Zelle sind mehrere Kameras installiert und nach eurer Aufmachung zu schließen“, er deutete auf das Symbol der WAHNSINNIGEN auf der Uniform des Mannes, „soll das für die Außenwelt eher wie eine Flucht als wie eine Entführung wirken.“

„Kameras?“, knurrte der Mann. Er wandte seinen Kopf zu einem zweiten Bewaffneten um, der gerade hinter ihm durchs Fenster in die Zelle geschlüpft war. „Prüf das nach!“

Der Bewaffnete zog ein kleines Gerät hervor und betätigte einen Knopf. Sofort ertönte ein lautes Summgeräusch.

„Verdammt! Er hat recht!“

„Und machen Sie sich nicht die Mühe, die Kameras zu suchen! Die Bilder sind schon meilenweit weg von hier auf einem unserer Computer gespeichert.“

Schritte kamen den Gang hinunter. Ein Schlüsselbund rasselte.

„Komm lieber nicht rein, Jaschke“, rief Schmidt.

Das Rasseln hörte abrupt auf.

„Warum nicht?“, fragte der Wärter misstrauisch. „Was ist da los bei euch? Der Lärm... Warum soll ich nicht reinkommen?“

„Weil hier ein paar Herren sind, die uns entführen wollen. Aber dich wollen sie wahrscheinlich nicht, also werden sie dich wohl erschießen.“

„Guter Grund draußen zu bleiben. Irgendetwas, was ich für euch tun kann?“

„Nun, Du könnest unsere Version der Geschichte einem Reporter erz-nf!“

Einer der Männer hatte Schmidt den Kolben seines Gewehrs in die Magengegend gerammt.

„Schnell! Schnappt sie Euch und nichts wie raus hier!“

Hektische Aktivität brach unter den Entführern aus. Sie packten Schmidt & Braun und zerrten die beiden durch das Gefängnisfenster rauf aufs Dach. Nun, zumindest taten sie es mit Herrn Braun.

„Verflucht noch mal!“

„Was ist los? Hol ihn endlich raus! Der Hubschrauber ist schon an!“

„Der Bierbauch von dem Kerl passt nicht durch das Gefängnisfenster!“

„Bierbauch? Ich habe seit 86 Tagen nichts mehr getrng-“

„Schnauze!“

„Könnten sich die Herren vielleicht etwas gewählter ausdrgsl-!“

„Das gillt auch für Dich! Was machen wir jetzt? Aufschlitzen und in Teile zerlegen können wir den Kerl ja leider nicht!“

„Vielen Dank für diese Rücksicht!“

„Ich fliege den Hubschrauber zum Marktplatz! Ihr schlagt euch durch das Gefängnis und bringt den fetten Kerl mit!“

„Gut. Also los, Säufer!“

„Mein Name ist Schmidt, wenn ich bitten darf!“

*~*~*~*~*~*

Der Kameramann sah als erster die schwarzen Gestalten aus dem Gefängnis rennen.

„Verdammt, Heinz, gib Gas! Die sind in unsere Richtung unterwegs!“

Schüsse bellten über die verlassenen Straßen und Glas klirrte.

„Kopf runter! Die Kerle haben die Windschutzscheibe zerschossen!“

„Ohimmelherrgottstehunsbei!“

Inzwischen hatten die Entführer den Wagen erreicht.

„Raus mit euch, und zwar dalli!“

Das Fernsehteam verließ eiligst den Wagen, und einer der Entführer schwang sich hinters Steuer. Herr Schmidt wurde auf den Rücksitz gezerrt.

„Alle drin?“ knurrte der Anführer.

„Alle drin!“ kam es von seinen Männern.

„Sind auch alle angeschnallt?“ fragte Schmidt.

„Schnauze!“

„Es ist gegen das Gesetz, unangeschnallt Auto zu fahren. Ich bin nur um Euch besorgt. Schließlich könntet Ihr für so etwas verurteilt werden.“

„Boss, dürfen wir den Kerl wirklich nicht abknallen?“

„Tut mir leid, ist nicht drin!“

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Jetzt dürft ihr raten - wer hat Schmidt & Braun gekidnappt?? :-)

GLG

Robert 

Die Staats-AGWo Geschichten leben. Entdecke jetzt