Wenn aus Liebe Hass wird

By Oezge-Yildiz

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+++TEIL EINS+++ Zwei Rivalen. Zwei Feinde. Zwei Liebende. Zwei gegensätzliche Gefühle, die heftig aufeinander... More

Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
Kapitel 14
Kapitel 15
Kapitel 16
Kapitel 17
Kapitel 18
Kapitel 19
Kapitel 20
Kapitel 21
Kapitel 22
Kapitel 23
Kapitel 24
Kapitel 25
Kapitel 26
Kapitel 27
Kapitel 28
Kapitel 29
Kapitel 30
Kapitel 31
Kapitel 32
Kapitel 33
Kapitel 34
Kapitel 35
Kapitel 36
Kapitel 38
Kapitel 39
Kapitel 40
Epilog
Danksagung

Kapitel 37

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By Oezge-Yildiz

Kapitel 37

Eintrag 48, 25.11.2030.

Falls das je gelesen wird, wollte ich sagen, dass es mir unsagbar leidtut. Ich kann nicht in Worte fassen, was in mir vorgeht. Seit er wieder in mein Leben getreten ist, fällt mir alles schwer. Gefühle zuzulassen, mit jemandem darüber zu reden, ihn zu Rede zu stellen. Wenn ich könnte, würde ich die Zeit zurückdrehen. Wenn ich könnte, würde ich mich anders verhalten. Wenn ich könnte, würde ich es ungeschehen machen.

Ich habe mit ihm geschlafen. Ich weiß das! Und... Ob es mir gefallen hat? Wenn ich nein sagen würde, dann wäre es eine verfickte Lüge! Shit! Ich... Am liebsten würde ich ihm sagen, wie sehr ich ihn liebe, ihn begehre. Unbändiges Verlangen nach ihm erfüllt meine zerstörte Seele. Ein äußerliches Frack. Kaputt und misshandelt von ihm. Mich kann man nicht mehr reparieren.

Tausende haben es versucht und sind daran gescheitert. Tausende haben alles gegeben. Hätten sie weiter gemacht, wären sie ebenfalls zerbrochen.

------.'------

Eintrag 49, 24.12.2030.

Zufall, dass ich genau an Heiligabend schreibe? Ich kann mich noch genau daran erinnern, wie Ayden und ich gemeinsam mit unseren Eltern am geschmückten Baum saßen und gerade dabei waren, unsere Geschenke zu öffnen. Wir waren klein, aber es war eine schöne Zeit. Es kommt mir so vor, als wäre es gestern gewesen. Ich vermisse sie. Was ich nicht tun würde, um noch einmal mit ihnen zu reden. Sofort würde ich ihnen alles erzählen. Ihnen sagen, dass ich euch in mir trage. Ihnen beichten, dass ich in euren scheiß Vater verschossen bin. Wenn sie sich melden würde, hätte ich ihnen sofort vergeben. Doch jetzt muss ich aus der Welt scheiden, ohne etwas von ihnen zu hören.

Jeder hätte gesagt, dass das Leben weitergeht. Doch wie soll ich weitermachen, wenn er nicht bei mir ist? Soll ich euch einfach unter die Augen treten und mich daran erinnern, dass ihr seine Kinder seid?! Wenn das so einfach wäre.

Alles ist leichter als das. Ich kann nicht mehr. Ich bin am Ende. Ich bin es leid, über alles nach zu denken. Es macht mich fertig, zerreißt mich. Ich...

------.'------

AYDEN BAKER

Monate gingen ins Land. Und er hatte noch immer kein Lebenszeichen von Bella gehört. War sie tot? Wurde sie entführt? Hatte Cem ihr etwas angetan? Wenn ja, dann würde er ihn bei lebendigem Leib zerquetschen. Seufzend stand er auf und lief in die Küche. Der Kaffee würde ihn auf andere Gedanken bringen, dass hoffte er zumindest.

Nachdem er wieder auf der Couch saß, ergriff Ayden die Fernbedienung und schaltete durch die Kanäle. Als er Cems Gesicht sah, hielt er Inne.

«Laut verschiedenen Berichten wird dem nun vierundzwanzigjährigen Schauspieler Cem Gül zur Last gelegt, dass er seine gleichaltrige Zwillingsschwester körperlich misshandelt haben soll. Der Gerichtsprozess gegen den Angeklagten wird vermutlich in den Kommenden Monaten stattfinden. Und nun zum Wetter...»

Genervt drückte er den Kanal weg. Es musste hart für Melek sein, gegen ihren Bruder auszusagen. Ob sie es durchstehen würde? Seufzend nahm er sein Handy zur Hand und wählte ihre Nummer.

«Hi Ayden», sprach sie mit belegter Stimme.

«Dir geht es nicht gut?», stellte er fest, konnte aber den fragenden Unterton nicht aus seiner Stimme verbannen.

«Wie soll es mir gehen, wenn Bella verschollen ist und ich gegen meinen eigenen Bruder aussagen muss.»

Die letzten Worte flüsterte sie nur noch. Nur zu genau wusste Ayden, wie Melek sich fühlte. Doch wenn seine Schwester eines konnte, dann sich verstecken. Und dies würde sie solange durchziehen, bis sie gefunden werden wollte. Die Erinnerungen an das Versteckspiel, als sie klein waren, brachen aus einer Ecke. Genervt schob er diese fort und konzentrierte sich auf das Gespräch.

«Wenn ich etwas für dich tun kann, dann kannst du es mir ruhig...»

Mit einem lauten Seufzer unterbrach sie seinen Satz. «Lass stecken! Ich habe das schon oft genug gehört. Ich kann es nicht mehr hören!»

«Melek, ich wollte dir doch nur helfen», versuchte er es erneut.

Sie lachte bitter. «Helfen?! Das kann niemand!»

«Sag doch so was nicht.»

«Und was ist mit dir? Machst du dir denn keine Sorgen um Bella?», schoss es aus ihr heraus.

«Natürlich mache ich mir Sorgen um sie», gab er von sich und nippte an dem lauwarmen Kaffee.

«Und warum bringst du nicht alle Hebel in Bewegung und suchst sie?», knurrte Melek.

Er seufzte. «Ich tue, was ich kann.»

Ohne etwas zu sagen, legte sie auf und ließ ihn mit seinen Gedanken allein.

------.'------

FLASHBACK

«Wollen wir verstecken spielen?», fragte sie ihren Bruder und zog an seinem Arm. Genervt blickte dieser auf und versuchte Bella von sich zu schieben.

«Komm schon», bettelte sie. «Ich lass dich auch gewinnen.»

Zuerst sträubte Ayden sich gegen das Spiel. Er mochte es nicht. Verstecken war was für Babys. Doch als sie nicht aufhörte ihn zu nerven, gab er nach.

«Willst du zählen? Oder soll ich?»

Ayden zuckte mit den Schultern. «Mir egal.»

Bella hüpfte vor ihm auf und ab. «Gut. Dann zähle ich.»

Damit war die Sache beschlossen. Sie hatte sich an die Wand gestellt, ihre Augen geschlossen und begann laut zu zählen. «Ein! Zwei! Drei! Siebzehn, achtzehn, neunzehn, zwanzig. Ich komme!»

Schnell war sie durch alle Zimmer gerannt und hatte ihre Eltern gefragt, wo Ayden sich verstecken würde. Beide hatten mit den Schultern gezuckt und sie aus der Küche gescheucht. Seufzend ging sie in ihr Zimmer, suchte unter dem Bett, im Schrank. Eine Weile später lief sie in das Zimmer ihres Bruders, roch unter sein Bett und zog ihn heraus.

«Jetzt bist du dran mit Zählen», hatte sie gesprochen und war vor ihm herumgehüpft. Seufzend stellte er sich an die Wand und schloss die Augen. Als er geendet hatte, lief er aus seinem Zimmer. Bella war klug. Sie würde sich nicht unter dem Bett verstecken. Auch nicht im Schrank. Sie hatte immer gute Ideen, wo man sich verstecken konnte.

Als er sie noch immer nicht gefunden hatte, lief er mit vorsichtigen Schritten in das Schlafzimmer seiner Eltern und blickte in den Schrank. Dort war sie nicht. Etwa unter dem Bett? Als er ein leises Glucksen hörte, hielt Ayden Inne, holte tief Luft und stellte sich vor eine Kiste. Eigentlich durften sie diese nie anrühren, doch falls Bella da drin war, musste er sie schnell herausholen. Wenn ihre Eltern sie da erwischten, dann wäre alles aus.

Er schob seine Gedanken beiseite und zog den Deckel ruckartig in die Höhe. Sie lachte, als Ayden versuchte, seine Schwester aus der Kiste zu ziehen. Nachdem sie es geschafft hatten, verließen beide das Schlafzimmer ihrer Eltern.

FLASHBACK ENDE

------.'------

Ayden fuhr zusammen, als es an der Tür klingelte. Blitzschnell stand er auf und lief an die Tür. Nicht, dass seine Nachbarn auf die Idee kamen die Polizei zu rufen.

«Sind Sie Ayden Baker?»

Das ging ja super los. Da dachte man an die Polizei und schon stand sie vor einem.

«Ja, der bin ich. Um was geht es? Haben Sie meine Schwester gefunden?»

Der Beamte schüttelte den Kopf. «Nein, noch nicht. Wir versuchen unser bestmögliches, um Ihre Schwester wiederzufinden.»

«Vielen Dank», murmelte Ayden.

Ayden trat einen Schritt zur Seite und deutete mit einem Kopfnicken in das Innere. Der Beamte schüttelte verneinend seinen Kopf.

«Sie sind als Zeuge geladen», begann er.

«Wann findet die Verhandlung statt?»

«In drei Monaten. Bitte halten Sie sich zur Verfügung.»

Ayden nickte. «Gibt es etwas, wobei ich Ihnen behilflich sein kann?»

«Nein, Herr Baker. Bewahren Sie Ruhe und lassen Sie den Kopf nicht hängen. Ihre Schwester wird schon wiederauftauchen. Wir versuchen zwar, sie über ihr Handy zu orten, jedoch hat Ihre Schwester es ausgeschaltet. Es gestaltet sich als etwas schwierig. Aber wir werden alles tun, um Ihre Schwester zu Ihnen zu bringen.»

Ayden nickte erneut und reichte dem Beamten zum Abschied die Hand. «Vielen Dank für Ihre Hilfe.»

«Keine Ursache. Wir helfen, wo wir können.»

Nachdem sich der Polizeibeamte umgedreht hatte, schloss Ayden resigniert die Tür und ging ins Wohnzimmer.

------.'------

MELEK GÜL

«Ich fasse es nicht!», rief ihr Vater und schlug mit der flachen Hand auf den Tisch. «Das hätte ich von Cem nicht erwartet. Dass er ab und an über die Stränge schlägt, war mir bewusst. Aber dass er...»

«Können wir nicht über etwas anderes reden?», beteiligte sich Melek am Geschehen und rollte mit den Augen. «Der Prozess ist erst in drei Monaten.»

«Du willst also auf heile Welt machen?», fragte Melissa und legte eine Hand auf den Arm ihrer älteren Schwester. Diese schob sie genervt von sich.

«Wer hat denn gesagt, dass wir auf heile Welt machen sollen?»

«Du.»

Melek stand auf. «Dann ist es wohl besser, wenn ich jetzt gehe!»

«Warte. Melek, ich...»

Bevor sie ihren Satz beenden konnte, war Melek aus dem Wohnzimmer getreten und schnappte sich ihre Sachen. Draußen war es kalt, jedoch fiel kein Schnee.

Das tut es so oder so nicht. In...

Gereizt schob sie ihre innere Stimme fort und öffnete die Tür. Als sie aus dieser laufen wollte, legte sich eine Hand auf ihre Schulter.

«Deine Schwester hat es nicht so gemeint», sprach ihre Mutter auf Türkisch.

Melek lachte abfällig. «Wie hat sie es denn sonst gemeint, wenn nicht so?»

Darauf wusste sie nichts zu erwidern und ließ ihre Tochter mit einem Seufzer ziehen. Melek wusste, dass sie nicht gerade nett zu ihnen war.

Dann ändere dein Verhalten doch, schlug ihre innere Stimme vor. Melek schüttelte den Kopf und lief über eine grüne Ampel. Als sie auf den Bus wartete, stellte sich jemand zu ihr. Kurz sah sie herüber und stockte. Ihn hatte sie völlig vergessen. Monate war es her, als sie ihn das letzte Mal gesehen hatte. Und nun stand er neben ihr und musterte sie besorgt. Seufzend wandte sie ihren Blick ab und verschränkte die Arme vor der Brust. Sie versuchte das Zittern zu unterdrücken. Vergeblich. Als er es bemerkte, legte er ihr seine Jacke um die Schultern. Verwundert sah sie zu ihm auf.

«Wieso tust du das?», wollte sie wissen und versuchte sich die Jacke abzustreifen.

Doch er schüttelte nur den Kopf. «Behalt sie. Dir ist kalt. Ich will nicht, dass du krank wirst.»

«Aber was ist mit dir? Wird dir nicht kalt?»

Er lachte. «Keine Sorge. Ich steige gleich in meinen Wagen.»

Sie nickte und ärgerte sich darüber, dass sie keinen Führerschein gemacht hatte. Zwar konnte sie es nachholen, doch dafür fehlte ihr momentan die Kraft.

«Wenn du magst, kann ich dich nach Hause fahren», riss er sie aus ihren Gedanken.

«Das ist viel zu weit», protestierte sie und lief gemeinsam mit ihm über die Straße.

Wieder lachte er sein glockenhelles Lachen. «Für dich mach ich das doch gerne.»

«Ich habe dich wie Dreck behandelt, dich angeblafft und du kommst mir damit?»

«Das ist doch lange her und du hast die Worte ja nicht direkt gemeint.»

«Konnte man es so deutlich sehen, dass ich in Gedanken war?»

Er nickte und schloss das Auto auf. «Jetzt steig schon ein, bevor ich es mir anders überlege!»

Zögernd glitt sie auf den Beifahrersitz und schob sich die Jacke von den Schultern. Mit einem Grinsen nahm er diese an sich, schloss ihre Tür und ging auf die andere Seite.

«Wo wohnst du?», wollte er wissen, nachdem er den Motor gestartet hatte.

«Eigentlich soll man ja nicht in fremde Autos steigen. Vielleicht bist du ein Entführer und...»

«Wenn ich dich hätte entführen wollen, dann hätte ich anders reagiert», unterbrach er Melek gereizt und legte den Gang ein. Geschmeidig fuhr er aus der Parklücke und lenkte den Wagen über die Straße.

Wenn du weiter so machst, dann wird er dich vermutlich aus dem Auto werfen und du kannst gefühlt hundert Jahre auf den nächsten Bus warten. Willst du das?

Seufzend gab sie nach und schilderte ihm den Weg zu ihrer Wohnung. Er grinste und tätschelte ihr Bein. Augenrollend schob sie seine Hand fort.

«Jetzt musst du da rein», wies sie ihn an. Stumm folgte er Meleks Anweisungen und bog nach rechts. Nachdem der Motor aus war, öffnete Melek die Tür. «Danke fürs Nachhause bringen.»

Er lächelte. «Immer gerne doch.»

Kurz winkte sie ihm zu und lief hastig davon. Als sie sich sicher war, dass er davongefahren war, lief sie in die andere Richtung und auf ihren Wohnblock zu. Flink schloss sie die Tür auf und legte ihren Mantel ab. Anschließend lief sie ins Bad und ließ das heiße Wasser über ihren Körper prasseln.

------.'------

Mit einer dampfenden Tasse saß Melek im Wohnzimmer und zappte durch die Kanäle. Immer zu zeigten sie die Bilder ihres Bruders. Immer lief es gleich ab, wenn sie das Gesicht ihres Bruders sah.

«...Der Gerichtsprozess um Cem Gül findet in drei Monaten statt. Was hat der Schauspieler verbrochen, dass ein Prozess auf ihn wartet?», sagte einer.

«...wird angeklagt. Was hat der vierundzwanzigjährige Schauspieler verbrochen, dass in drei Monaten ein Prozess stattfindet?», berichtete die nächste.

«...Wir sind zu tiefst erschüttert», hieß es in einer Zeitung, die Melek vor sich zu liegen hatte. «Der vierundzwanzigjährige Schauspieler Cem Gül wird in drei Monaten zu einem Prozess geladen. Was hat es auf sich? Stimmen die Gerüchte, dass er seiner gleichaltrigen Schwester körperliche Verletzungen zugezogen hat?»

Auch in den Radionachrichten gab es kein anderes Thema mehr. Seufzend schaltete Melek den Fernseher aus, zerknüllte die Zeitung und verbrannte sie in ihrem Kamin. Sie wollte nicht daran denken. Jetzt gab es andere Dinge, um die sie sich kümmern musste. Dass alle über ihren Bruder spekulierten, nervte sie. Wieso dachte keiner an Bella? Wussten die Pressemenschen nicht, dass sie verschwunden war? Oder hatte sie es so angestellt, dass niemand davon erfahren würde? Seufzend schüttelte sie ihren Kopf und stand auf. Sie brauchte einen weiteren Tee. Dann würde ihr bestimmt etwas einfallen.

Und wenn nicht, musst du es erst einmal ruhen lassen.

Das sagte sich so leicht!

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