Die Suchenden

By Maveth_

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Nach der Schule bricht sie von zuhause aus. Eine Reise durch Deutschland beginnt - durch schöne und nicht gan... More

Vorwort
Prolog
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
Kapitel 14
Kapitel 15
Kapitel 16
Kapitel 17
Kapitel 18
Kapitel 19
Kapitel 20
Kapitel 21
Kapitel 22
Kapitel 23
Kapitel 24
Kapitel 25
Kapitel 26
Epilog
Dankaussagung

Kapitel 27

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By Maveth_

„Salina?", meldete sie sich, ohne überhaupt ihren Namen zu nennen. Sie wusste, dass ich wusste, dass sie es war. Ihre Stimme klang seltsam verzehrt durch den Lautsprecher in mein Ohr, dennoch meinte ich zu hören, dass sie müde und erschöpft war.

„Mara", flüsterte ich zurück. „Gott, Mara, es tut mir so leid. Ich hätte dich nicht einfach so zurücklassen sollen und es tut mir so leid, dass ich es getan habe, aber ich..."

„Warum hast du das getan?", fragte Mara mich. „Was habe ich getan? Denn was auch immer es ist, ich werde er versuchen, zu ändern."

„Du hast gar nichts getan, hör sofort auf, dir das einzureden. Du bist der tollste Mensch, den die ganze Welt je gesehen hat und du kannst nichts dafür, dass ich weggefahren bin. Das ganze ist auf meinen Mist gewachsen also trage ich auch die Verantwortung und die Schuld dafür", sagte ich sofort.

„Aber warum bist du dann abgehauen?"

„Weil mir meine eigenen Gefühle und Gedanken Angst gemacht haben", antwortete ich ihr leise. „Ich hatte das Gefühl, dass ich mich nicht an eine Person binden darf, weil ich dann meine eigentliche Suche aus den Augen verliere. Aber ich glaube, ich habe gefunden, wonach ich gesucht habe."

„Was meinst du damit?", fragte Mara mich.

„Lass mich dir das persönlich sagen, nicht über das Telefon", bat ich sie.

„Das heißt, du willst mich wiedertreffen?", fragte Mara mich und ich bildete mir ein, so etwas wie Hoffnung in ihrer Stimme zu hören.

„Ja, Mara", sagte ich. „Ja, das will ich. Vorausgesetzt du willst noch etwas mit mir zu tun haben, nachdem was ich getan habe."

„Natürlich will ich", sagte sie sofort. „Gott, natürlich will ich das, Salina. Du glaubst gar nicht, wie langweilig es ohne dich war. Ich bin noch zwei ganze Tage in Cuxhaven geblieben, in der Hoffnung, dass du wiederkommst, aber du kamst nicht, also bin ich auch weitergezogen. Und habe mir ein Zimmer in einem Kaff namens Ocholt genommen. Ich schwöre dir, dass es hier nichts gibt, abgesehen von der Jugendherberge, in der ich bin."

„In Ocholt?", hakte ich nach und überlegte, warum mir der Name etwas sagte. „Nein oder?"

„Doch", sagte sie. „Du kennst das?"

„Ich wollte da aussteigen", stellte ich fest. „Meine Güte Mara, wir haben uns gerade eben verpasst."

„Echt?", fragte sie begeistert und dann lachten wir beide. „Das ist ja cool."

„Ja", bestätigte ich und dann war es eine Weile einfach nur still zwischen uns. Aber es war schön. Angenehm. Ich hatte ein Lächeln auf meinem Gesicht.

„Was hältst du davon, wenn wir uns morgen in Norddeich treffen?", fragte Mara mich. „Dahin gibt es eine direkte Zugverbindung von hier aus und außerdem wollte ich da schon immer mal hin."

„Klingt gut", antwortete ich ihr. „Ich vermisse dich Mara."

„Ich vermisse dich auch, Salina. Aber es ist nur noch eine Nacht."

„Ja, nur noch eine Nacht", bestätigte ich.

„Bis morgen, Salina."

„Bis morgen, Mara."



Da Mara und ich keine Zeit abgemacht hatten, wann wir uns in Norddeich treffen wollten, fuhr ich einfach los, sobald ich aufgewacht war – was erstaunlich früh dafür war, dass ich eigentlich müde war – meine Sachen gepackt und gefrühstückt hatte und natürlich mich von Bob verabschiedet, der mich zum Bahnhof gebracht hatte, wieder in seiner Anzug-Dreadlocks-Kombination.

Und als ich in Norddeich angekommen war, sah ich mich erst einmal am Bahnhof um, um zu schauen, ob Mara schon da war, oder sogar mit mir in einem Zug gesessen hatte. Hatte sie nicht. Und so kam es, dass ich mich auf eine Bank ans Gleis setzte und auf Mara wartete. In meiner Hand hielt ich meine Kamera, mit der ich Fotos von den Zügen machte, wenn welche kamen und von den Menschen, die sich am Bahnhof befanden– dem vermutlich Obdachlosen, der schon zum sechsten Mal kontrollierte, ob nicht in der Zwischenzeit jemand eine Pfandflasche in den Mülleimer geworfen hatte, die gestresste Mutter, die mit einer Hand den Kinderwagen, den sie vor sich stehen hatte vor und zurück wiegte und sich mit der anderen Hand ihr Handy ans Ohr hielt und gestresst telefonierte. Zugegebenermaßen waren das alle Menschen, die hier waren, es sei denn, ein Zug kam gerade an, dann waren es mehr. Aber dafür waren Möwen da, die ich fotografierte und die sich teilweise als wahre Models entpuppten.

Trotzdem fing ich irgendwann damit an, mich zu fragen, ob Mara wirklich noch auftauchen würde oder ob sie sich umentschieden hatte.

Als irgendwann mein Handy klingelte und mir Maras Nummer angezeigt wurde, ging ich sofort dran. Sie ließ mich gar nicht erst anfangen zu sprechen, da fing sie schon an zu sprechen.

„Man,Salina, ich weiß ja, dass du lange schläfst, aber könntest du mir vielleicht mal verraten, wo du bleibst?! Ich warte schon seit drei Stunden und langsam wird es langweilig. Hast du überhaupt noch vor, aufzutauchen?!"

„Warte was?", fragte ich erschrocken. „Du bist doch diejenige, die noch nicht da ist!"

„Gar nicht wahr", sagte sie. „Ich sitze am Bahnhof und hier kommen zehntausend Menschen aus den Zügen geströmt aber du bist nicht dabei."

„An welchem Bahnhof sitzt du?", hakte ich nach, nachdem ich mich versichert hatte, dass ich richtig war.

„Norddeich Mole", antwortete sie mir.

„Fuck", fluchte ich. „Warte da, ich bin sofort bei dir, hier kommt gerade ein Zug an."

„Hä", machte sie verwirrt. „Wo bist du denn?"

„Norddeich", antwortete ich nur und legte dann auf, um den Zug, der gerade vor mir zum Stehen kam, zu besteigen.

Ich war die erste, die den Zug verließ und sah mich nach Mara um.

„Hey", begrüßte sie mich, als sie schließlich vor mir stand. „Erkennst du mich schon nicht mehr wieder?"

„Mach dich nicht darüber lustig", beklagte ich mich bei ihr, lächelte sie aber breit an. „Die Frisur steht dir, ich hatte nur nicht damit gerechnet", kommentierte ich ihre Glatze, die sie sich anscheinend in den letzten Tagen hatte schneiden lassen.

„Danke. Die Haare haben genervt", meinte sie grinsend und schlang dann ihre Arme um mich. Ich umarmte sie zurück und drückte sie noch fester an mich.

„Gott, Mara, ich habe dich vermisst", flüsterte ich leise.

„Ich dich noch viel mehr, Salina", antwortete sie.

Und endlich hatte ich das Gefühl, genau da zu sein, wo ich sein sollte. Zuhause.  

Es war bereits Samstag, als Mara und ich uns dazu entschieden, mit der Fähre nach Norderney überzusetzen. Zwei Tage waren seit unserem Wiedersehen vergangen und wir hatten immer noch nicht richtig über meine Flucht geredet. Und ich hatte ihr auch immer noch nicht meine Gefühle für sie offenbart. Stattdessen hatten wir unendlich viele Fotos geschossen, weitere Lieder aufgenommen und waren Joggen gegangen, womit Mara die Wette, die wir vor gefühlten Ewigkeiten in Wahrheit aber vor gerade einmal zweieinhalb Wochen in Lübben geschlossen hatten, gewonnen hatte. Und Mara hatte mir sogar ein paar Griffe auf der Gitarre beigebracht, wobei während ich sie weiter in die Welt der Fotografie eingeführt hatte. 

Eigentlich sollte alles so sein wie es immer war, trotzdem stand etwas zwischen uns. Eben, dass ich abgehauen war. Dass wir uns immer noch nicht wieder ausgesprochen hatten. Und dass wir beide unsicher waren, wie wir uns dem anderen gegenüber benehmen sollten. Und genau das musste ich ändern, stellte ich fest, als wir auf dem obersten Deck der Fähre saßen und uns die Sonne ins Gesicht schienen ließen.

„Mara", fing ich an.

„Salina", sagte sie und hob ihre Stimme fragend an.

„Ich habe dir gesagt, dass ich mein Zuhause gefunden habe", sagte ich und sie nickte, öffnete ihre Augen und sah mich ernst an. „Ich glaube, dass ein Zuhause nicht zwangsweise ein Ort sein muss", erklärte ich ihr und machte dann eine Pause, um ihre Reaktion zu beobachten. Sie nickte. „Ich glaube, dass ein Zuhause in den meisten Fällen eine Person ist." Dass es erst Bob war, der mich auf diesen Gedanken gebracht hatte, verschwieg ich vorerst. Dafür wäre an anderen Momenten immer noch Zeit. „Und ich glaube...", sprach ich weiter, unterbrach und verbesserte mich dann aber selber. „Nein, ich weiß, dass ich diese Person gefunden habe. Sie ist wunderschön und immer für mich da und wir sind so gleich und gleichzeitig so unterschiedlich und es macht einfach Spaß, mit ihr Zeit zu verbringen. Und irgendwann ist es dazu gekommen, dass ich mich in sie verliebt habe. Und das wollte ich dir sagen."

Ich stoppte und sah wieder zu Mara, die mich immer noch fragend ansah.  „Wie heißt sie? Darf ich sie kennenlernen irgendwann? Und warum hast dusie nicht mitgenommen? Ist sie noch in Leer? Hat sie dich verletzt?", fragte sie mich und ich bildete mir ein, so etwas wie Schmerz in ihren Augen zu erkennen. 

Anscheinend hatte ich mich nicht deutlich genug ausgedrückt.

„Diese Person bist du, Mara", flüsterte ich also, da mich mein Mut mit einem Mal komplett verlassen hatte. „Ich habe mich in dich verliebt, Mara."

„Also darf ich dich jetzt küssen und du rennst nicht weg?", fragte sie schüchtern nach und ich lächelte vorsichtig und nickte.

„Dann ist ja gut", sagte sie, beugte sich vor und küsste mich dann. „Denn mir geht es genauso."  

________________________
__________
Morgen folgt dann noch der Epilog C:
Ich hoffe wirklich, ea hat euch gefallen aber da ihr am Ende angekommen seid, denke ich mal, dass es das hat(: Falls nicht, sagt mir gerne, woran es gelegen hat(:
~Rony

1538 Wörter
15.04.2018

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