Asgard, Odins Thronsaal.
Odin blickte stirnrunzelnd auf. Der Tumult draußen wurde lauter, bis die Türen aufgestoßen wurden und zwei Leute in den Saal platzten, gefolgt von seinen Wachen.
Der Gott erhob sich rasch von seinem Thron als er erkannte wer dort vor ihm stand.
Er hob seine rechte Hand und rief die Neuankömmlinge zur Ordnung. Sofort erstarrten seine drei Männer und neigten ehrfurchtsvoll den Kopf vor ihrem Herrscher. Die vierte Person aber, eine glatzköpfige Frau in einem goldgelben Gewand, blieb unverändert ruhig mit gestrafften Schultern vor ihm stehen. Der Tumult schien sie nicht im Geringsten zu beeindrucken, im Gegenteil, ihr Blick blieb stumm auf den König von Asgard gerichtet. Fast konnte er ein Lächeln auf ihren Lippen erahnen.
Odins Aufmerksamkeit verweilte einen Augenblick auf ihr, bis er sich seinem obersten Wächter der Welten zuwandte.
„Sprich, Heimdall." forderte er ihn mit ruhiger Stimme auf.
„Mein König, diese Kreatur" Sein Diener schien etwas außer Atem zu sein und deutete mit ausgestrecktem Arm auf die Frau, „hat sich auf unbekanntem Wege Einlass nach Asgard verschafft. Meine Männer haben sie ergriffen und wollten sie zurück nach Midgard schicken, doch sie behauptet dass ihr sie sprechen wollt."
„Behauptet sie das?" donnerte Odin schneidender als beabsichtigt zurück.
Er sah wie sich Heimdalls Augenbrauen hoben und besann sich augenblicklich zur Ruhe.
„Dann erklärt mir, Heimdall, weswegen ihr sie nicht ergriffen habt nachdem sie sich ungebetenen Zutritt zu meinem Palast verschaffen wollte."
Sein oberster Wächter wirkte recht nervös und tauschte einen Blick mit den Wachen.
Er ahnte bereits die Antwort zu kennen.
„Niemand.. Niemand kann sie berühren. Sie gleicht einer Lichterscheinung." Er ließ sich geschlagen auf die Knie sinken.
Odin drehte sich langsam zu ihm um.
„Nehmt die Wachen und geht." sagte der Gott ruhig.
Der Wächter des Bifrösts hatte große Mühe seine Verwunderung nicht zu zeigen und mit neutraler Miene den Saal, mit den anderen beiden Bewaffneten, zu verlassen. Die Türen schlugen hinter ihnen mit einem dumpfen Geräusch ins Schloss.
Die ganze Zeit über hatte die Frau kein Wort gesagt, und auch jetzt, da sie allein waren, sah sie den Gott nur weiterhin mit Ausdruckslosigkeit an.
Odin schritt langsam auf sie zu bis er einen Meter vor ihr zum Stehen kam.
Er hob an etwas zu sagen, doch nachdem er ihre Augen gesehen hatte überlegte es sich im letzten Moment anders. Er schnaubte entrüstet auf.
„Ihr wisst es." stellte er leicht eingeschnappt fest. „Was hat mich verraten? Keiner hier hat es bemerkt! Wieso dann ihr?"
„Unser letztes Treffen ist schon lange her." sagte sie, ohne auf seine Fragen einzugehen. Er seufzte.
„Und ich wünschte, es wäre unser Letztes gewesen!"
Die Glatzköpfige schien sich davon nicht beeindrucken zu lassen. „Ihr kennt den Grund meines Besuches."
Loki, in Gestalt von Odin, warf ihr einen drohenden Blick zu, bei dem jeder andere zusammengezuckt wäre.
„Wie könnt ihr es wagen?" zischte er wütend. Ihre Ruhe ließ die Wut in seinem Inneren weiter aufkochen.
Er kam ihr bedrohlich nahe, doch sie zeigte sich unbeeindruckt und zuckte nicht einmal mit der Wimper.
„Wir haben einen Pakt geschlossen."
Er lachte laut und höhnisch auf. „Einen Pakt der auf Lügen beruht."
Die hellhäutige Frau musterte ihn mit schiefgelegten Kopf.
„Ich habe nie die Unwahrheit gesprochen, ihr wisst es, sonst hättet ihr es gemerkt. Ihr dagegen habt euer Wort gebrochen."
Er wankte einige Schritte vor ihr zurück. „Das ist eine unverschämte Anschuldigung!"
Die Frau im goldgelben Gewand mit dem schwarzen Band hob kühl die Augenbrauen. „Ich habe euch das Schicksal des Universums gezeigt und eurem Schutz anvertraut." wurde sie deutlicher. „Wo wart ihr die letzten Monate?"
„Genau genommen, in einer Zelle." gab er zähneknirschend zu.
Es war das erste Mal dass sich kurz ihre Mundwinkel hoben.
„Und ihr wollt mir sagen, dass ihr keine Möglichkeit, keine List, gefunden hättet, um eure Aufgabe trotzdem zu erfüllen?" fragte sie und sah ihn herausfordernd an.
Am liebsten hätte er ihr seinen Dolch an den Hals gehalten, doch er wusste dass es nutzlos war und sie es sowieso nicht im mindesten beeindrucken würde.
„Sie.." hob er zischend an und brach sofort wieder ab.
Die Augen der Frau musterten ihn abwartend. Er drehte sich genervt um.
„Sie hat sich für die Menschen entschieden. Immer wieder!" brüllte er voller Zorn dem leeren Saal entgegen und schritt zurück in Richtung des Thrones. Nicht mal als er gestorben war hat es sie in irgendeiner Weise gekümmert.
Er konnte den stummen, vorwurfsvollen Blick im Rücken beinahe spüren. Loki schnellte zu der Frau herum. Was erdreistete dieses Weib sich überhaupt? Hatte er nicht genug Scherereien wegen des Phönix gehabt? Er hatte so vieles für sie riskiert! Man sollte ihm dankbar sein!
„Was wollt ihr von mir? Ich habe ihr jedes Mal geholfen wenn sie zu mir kam!" schmetterte er ihr voller Zorn entgegen und schritt schwer atmend zurück in Richtung des Thrones. Sie antwortete nicht, sondern wartete bis der Gott des Chaos sich beruhigt hatte und nur noch seine grünen Augen aufgebracht zu ihr herüber blitzten.
„Wir wissen beide dass es einen großen Unterschied gibt zwischen ,Hilfe' und ,Schutz'. Kann ich mich in Zukunft darauf verlassen, dass eure Eitelkeit euch nicht noch einmal im Wege stehen wird?"
„Eitelkeit?" sagte Loki verächtlich. „Weshalb Eitelkeit? Hätte ich sie jemals wirklich begehrt, wäre sie schon lange mein. Aber ein Wesen das so schwach ist.. Das nur angekrochen kommt um seine Erinnerungen zu vernichten, um einen einfachen Ausweg aus der Geschichte zu nehmen... Nein, da müsst ihr euch täuschen. Ich hatte genug Geduld mit ihr, und nun da ich den Thron habe sehe ich es auch ein. Sie war von Anfang an meinem Schutze unwürdig."
Er stieg die Stufen mit dem roten Teppich empor und ließ sich gebieterisch auf dem Platz seines Vaters nieder.
Seinem rechtmäßigem Platz.
Stolz reckte er herausfordernd das Kinn und sah ihr fest in die Augen.
„Sie war nie das Schicksal des Universums."
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Der Aufstieg
Fanfiction„Ich habe die Zukunft gesehen, und sie ist nicht schön. Sie ist alles andere als schön." flüsterte er rau. Seine Halsvenen pulsierten deutlich sichtbar durch die Anstrengung die es ihn kostete ruhig zu bleiben. Ich versuchte mein Handgelenk zu befre...
