Mein Blick ruhte auf der grünen Vase, ihre Farben waren kräftig und schillerten in der Sonne, diese Farbe strahlte pure Macht aus, jedoch auch irgendwie Aggressionen und Wut.
„Hören Sie mir überhaupt zu?", die grelle Stimme durchbrach meine Ruhe und ich richtete den Blick langsam auf die Frau vor mir.
Sie war klein und rund, hatte nichts mit der Farbe ihrer Vase gemeinsam.
Ich nickte kurz während mein Vater neben mir unbehaglich auf seinem Stuhl hin und her rutschte.
„Wir haben hier bei uns eine null Toleranz Haltung was Gewalt, Aggression und Drogen angeht, daher können wir das einfach nicht mehr zulassen.
Die Aktion heute hat das Fass zum Überlaufen gebracht!", sie war wütend und lief etwas rot an was mich zum Schmunzeln brachte, jedoch verkniff ich es mir als ich das Räuspern meines Vaters hörte: „Ich möchte mich, im Namen meiner Tochter und mir, aufrichtig entschuldigen und ich kann verstehen dass sie konsequent bleiben müssen.
Aber sehen sie keine Möglichkeit wie Grace ihre Fehler wiedergut machen könnte?", er knibbelte nervös an seiner Uhr und ich musste mir ein genervtes Augenrollen verkneifen, ich wollte nicht dass er für mich um eine zweite, Okey fünfte Chance bettelte.
Er sollte sich nicht vor dieser lächerlichen Frau zum Idioten machen.
„Nein, es tut mir leid Mr. Webber, aber das kann ich einfach nicht dulden.
Wiederholte gewalttätige Angriffen gegenüber Mitschülern und Lehrern, diese respektlose Art die sie an den Tag legt und natürlich der Drogenhandel sind Faktoren die zu einer sofortigen Suspendierung führen."
Er nickte und ich richtete meinen Blick wieder auf die Vase.
„Gut, da Mrs. Webber offenbar keine Aufmerksamkeit aufbringen kann und lieber meine Blumenvase anstarrt würde ich das Gespräch an der Stelle gerne beenden.", sagte sie und mir entging nicht wie giftig ihr Tonfall war.
Jetzt erkannte ich doch eine Ähnlichkeit zu ihrer grünen Vase, denn wenn sie könnte wäre sie wohl grün angelaufen vor Wut.
Ich biss mir auf die Zunge und stand auf, ohne ihr die Hand zu reichen stürmte ich aus dem Büro, wäre ich geblieben hätte ich ihr womöglich die Hand auf die Hand gespuckt wegen ihres frechen Kommentars.
Die Rückfahrt war still und ich war froh dass mein Vater sich seine Rede für später aufzuheben schien, so hatte ich Zeit um aus dem Fenster zu gucken und die Landschaft zu beobachten.
Dinge zu beobachten war für mich Entspannung, ich war gut darin und es beruhigte mich meistens wenn ich mich auf etwas konzentrierte, am liebsten fokussierte ich Farben.
Dad lenkte den Wagen in unsere Auffahrt und ich stieg schnell aus um im Haus zu verschwinden.
Ich erwartete dass es jetzt losging mit seiner Ansprache, aber er verschwand einfach in seinem Büro.
Verwundert sah ich die geschlossene Türe an und versuchte mir sein Verhalten zu erklären.
Ich war schon oft suspendiert worden, hatte mehrere Schulen besucht und auch mehrere Kurse.
In den letzten 4 Jahren hatte ich jedoch 3 mal die Schule wechseln müssen und die Kurse hatte ich auch nicht mehr besuchen dürfen.
Jedoch war dad immer nur kurz sauer und er organisierte immer schnell was neues für mich, aber das hier war irgendwie anders.
Ich setzte mich auf das alte Sofa und zog mein Handy aus der Tasche.
Ich hatte mehrere Nachrichten von verschiedenen Kunden die wissen wollten, wann sie endlich ihr Zeug bekommen.
Genervt scrollte ich durch die Chats und fing an mir eine Liste in den Notizen zu schreiben was ich alles besorgen müsste.
In dem Moment öffnete sich die Bürotür und mein Vater kam langsam zu mir, setzte sich auf den Sessel gegenüber und sah lange nur auf seine Hände.
Angst packte mich und ich steckte mein Handy zurück: „Ist etwas passiert dad?"
„Ja, du bist suspendiert worden."
„Das war doch nicht das erste mal, wir lassen uns schon was einfallen, wie immer."
Er sah mich lange an und schüttelte langsam den Kopf: „Nein, ich glaube wir müssen diesmal mehr ändern als die Schule."
Verwundert sah ich ihn an und wartete darauf dass er es mir erklärte.
„Du weißt das Carol und ich heiraten möchten, das ist ja schon lange so", begann er und ich nicke langsam.
Carol war seine Freundin seit 5 Jahren, ich mochte sie nicht, aber das war wohl nichts ungewöhnliches.
Ich freute mich das mein Dad jemanden hatte, aber ich wäre glücklicher wenn es jemand anders wäre.
„Carol ist schwanger, sie bekommt mein Baby und ich-„ er brach ab und atmete kurz durch: „Wir möchten nicht dass unser Baby in deiner Gegenwart aufwächst, dass es mit Drogen und Gewalt in Kontakt kommt".
Ich sah ihn an und mein Kopf war so leer dass ich nicht mal eine Reaktion zeigen konnte.
„Ich liebe dich, das weißt du, und ich denke dass du mich auch liebst, aber ich liebe dieses Baby auch und ich will das beste für dieses kleine Geschöpf.
Deshalb habe ich grade mit deiner Mutter geredet, sie versteht meine Situation und hat eingewilligt dass du zu ihr nach New York kommen kannst."
Mein Kopf arbeitete auf hochtouren, trotzdem hatte ich Schwierigkeiten das Gesagte zu verstehen.
Mein Vater wollte mich nicht mehr, er bekam ein Baby mit Carol, ich soll nach New York.
Aber das unbegreiflichste war, dass ich zu meiner Mutter sollte.
„Es tut mir leid Grace, wirklich das war nicht leicht für mich zu-„
„Nein, mach dir keine Sorgen, ich verstehe das."
Ich stand auf und sah ihn von oben herab an.
Ich konnte ihm nie meine Gefühle zeigen, ich konnte nie seine Liebe erwidern und ihm zeigen dass er für mich der wichtigste Mensch der Welt war.
Trotzdem war es so und ich fühlte mich so einsam wie noch nie.
„Grace bitte, sei jetzt nicht so, wir können doch darüber reden!" seine Augen füllten sich mit Tränen und er griff nach meiner Hand, aber ich zog sie schnell weg und lächelte: „Dad das ist Okey für mich. Ich gehe meine Sachen packen, wie und wann komme ich nach New York?"
Der Kloß in meinem Hals wurde größer und ich merkte wie Panik mich überkam.
Er sah mich an und ich merkte wie müde und traurig seine Augen waren: „Ich habe dir ein Flugticket gekauft, der Flug geht in 5 Stunden."
Ich nickte und lief mit schnellen Schritten in mein Zimmer.
Ich schloss die Türe und blieb mitten im Raum stehen.
Ich sah nichts, ich hörte nichts und ich fühlte nichts.
Mein Körper war wie betäubt und mein Kopf wie leer.
Ich war ganz alleine und ich konnte niemand
anderem die Schuld geben als mir selbst.
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Meine Farben
Novela JuvenilEs liegt mir wohl im Blut, ich hätte meinem Schicksal nicht entkommen können, egal wie sehr ich es gewollt hätte. Auch wenn ich es nie darauf angelegt hatte mich dagegen zu wehren, im Nachhinein wäre ich womöglich glücklich wenn ich es doch getan h...
