Prolog

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Das Meer. Die Sonne reflektierte auf den sich leicht wiegenden Wellen. Der Anblick war atemberaubend. Alle waren begeistert, ausnahmslos. Das Glänzen in Ryujis Augen konnte Bände sprechen. Makoto lehnte sich leicht vor, um das Radio einzuschalten. Die Fahrt war ohnehin bereits so still, vielleicht tat jene Abwechslung recht gut – bis zu jenem Augenblick, in welchem Ryuji noch einmal zu Worten ansetzte.

„Irgendwie ist das schon komisch... Das alles fühlt sich noch nicht real an."
Er hatte recht, keine Frage. Wenn Ren auf das zurückblickte, was in der ganzen Zeit passiert war; sie hatten die Phantom Thieves gegründet, hatten ihre Leben riskiert, wären fast im Knast gelandet und hatten... Einen Freund verloren. Ja, es fühlte sich nicht real an und in diesem Augenblick verstärkte sich das Gefühl nur noch einmal.

„Es fühlt sich ein bisschen an als wären wir noch in einem Traum.", führte Ryuji seine Worte fort.

„Würde mich nicht stören.", folgte augenblicklich die Antwort von Yusuke.
Er lächelte leicht und wahrscheinlich hatte er recht. Ren würde es auch nicht stören, wenn er einfach aufwachen konnte. Sie hatten ihr Ziel immerhin erreicht, sie hatten es überstanden. Es war vorbei. Irgendetwas fehlte. Im Grunde war es immer wieder das Gleiche, auf was es hinauslief.

„Wir können eben doch machen, was wir wollen.", warf Morgana ein.
Nicht ganz.

Doch es schien den Effekt auszulösen, welchen es auslösen sollte und lenkte Ryuji von seiner Nachdenklichkeit ab. Ren konnte nicht einmal richtig zuhören, war noch immer ein wenig in seinen eigenen Gedanken gefangen. Selbst wenn er recht schnell realisierte, dass ihm dies nichts nutzte. Ryuji hatte ihn leicht angestoßen, verlangte anscheinend eine Antwort, doch mehr als ein ‚Ja' konnte er ihm in diesem Moment nicht entgegenbringen, lächelte einfach nur selbst leicht, wollte niemanden damit verunsichern, dass er dachte, das sich jene Worte einfach nur merkwürdig angehört hatte. Sie waren bald beim Meer angekommen, vielleicht sollte er all das aus genau jenem Grund erst einmal vergessen. Es war ohnehin vorbei, er hatte sich im unpassendsten Moment derart machtlos gefühlt, dass ihn dieses Gefühl ohnehin verfolgte. Davon mussten die anderen jedoch nichts wissen. Vielleicht sollte er versuchen, durchatmen.

Ohne weiter darüber nachzudenken, öffnete er das Schiebedach des Vans, in welchem sie fuhren; schon ein wenig nostalgisch – beachtete man den freien Platz nicht. Wahrscheinlich war genau das der richtige Moment, um abzuschließen; damit und mit allem anderen auch. Langsam erhob sich der Schwarzhaarige und lehnte sich aus dem offenen Dach. Die Straße war ruhig genug, um das er sich dieses Risiko leisten konnte. Vor ihnen war die Fahrbahn frei, hinter ihnen fuhren in jenem Moment auch keine anderen Autos, nur der Gegenverkehr wirkte nicht so ruhig. Der Wind in seinen Haaren ließ ihn für einen Moment aufatmen. Für wenige Sekunden waren seine Gedanken vollkommen leer, dennoch konnte er sich von einem kurzen Blick in den Himmel nicht abhalten.

Schließlich konnte er Makoto von unten etwas rufen hören, die Worte hatte er jedoch nicht verstanden, wollte sich noch im gleichen Moment wieder setzten, um nachzufragen, als er ein lautes Geräusch hörte, ohrenbetäubend laut. Danach wurde das Lenkrad anscheinend von Makoto und Ann herumgerissen und der Van kam ins Schleudern. Alles schien sich für einen Moment in Zeitlupe abzuspielen. Ren hatte sehen können, dass ein Auto durch die Leitplanke der entgegengesetzten Fahrbahn gebrochen war. Lautes Hupen ertönte, doch er konnte nicht mehr ausmachen, von welchem Wagen dieses überhaupt ausging, bevor ein weiteres, lautes Geräusch folgte und er selbst heftig mit dem Rahmen der Dachluke kollidierte. Seine Rippen begannen zu schmerzen, das Quietschen von Reifen war das letzte, was er vernehmen konnte, bevor der Schmerz, welcher sich auch noch von seinem Magen ausbreitete, alles vor seinen Augen schwarz werden ließ. Sekunden lang fühlte er sich schwerelos, spürte nur noch den Schmerz durch seinen Körper fahren. Alles an ihm fühlte sich gelähmt und die Geräusche schienen sich zu entfernen. Aus der Ferne konnte er irgendetwas hören, doch es nicht verarbeiten. Noch immer lief für ihn alles wie in Zeitlupe ab, während der Schmerz all seine Sinne abtötete. Für einen Moment hatte er sogar geglaubt, einen blauen Schmetterling gesehen zu haben.

Das Echo kam näher, hallte jedoch so sehr, das Worte nicht einmal auszumachen waren. Bis es ihm endlich klar wurde; die hallenden Stimmen, stammten von Justine und Caroline.

Aber waren die beiden nicht...?

Nur langsam schienen die Stimmen klarer zu werden. Ren fühlte sich als hätte er nicht einmal atmen können. Allein der versuch schmerzte bereits. Nichts sehen zu können, verunsicherte ihn in jenem Augenblick mehr als es sollte.

„Es gibt einen anderen Weg. Gibst du auf, Gefangener?"

Ren versuchte Luft zu holen, eine Antwort aus seiner Kehle zu pressen, doch konnte es nicht. Er fühlte sich als würde er gegen eine unsichtbare Macht ankämpfen, welche ihn würgte, auf seinen Brustkorb drückte und damit ganz sicher verhindern wollte, das er atmete. Nicht einmal seine Gedanken konnten dem Schmerz noch Herr werden. Alles begann sich abgeschwächt und taub anzufühlen. Er spürte weder seine Arme noch irgendetwas anderes über die brennenden Schmerzen.

Diese Frage...

Es machte keinen Sinn.

☞ JA.
NEIN.

„Willst du in Reue sterben?"

Sterben?

Würde er wirklich sterben?

Natürlich wollte er das nicht. Er konnte nicht, er hatte ein Versprechen gegeben, doch im Anbetracht der Situation...

Und was wurde dann aus seinen Freunden?
Allmählich wurde ihm bewusst, was vor wenigen Sekunden geschehen war. Er hatte einen Blick auf den Fahrer erhaschen können, bevor er mit ihrem Van kollidiert war.

JA.
☞ NEIN.

„Es gibt mehr als du gesehen hast. Das Schicksal kennt andere Wege. Willst du das Geheimnis lüften? Ich nehme dir die Entscheidung ab."

Igors Stimme. Ren war sich mehr als sicher, die Stimme des Meisters des Velvet Rooms vernommen zu haben, doch er verstand es nicht. Kraft für eine Entscheidung hatte er jedoch ohnehin nicht. Er fühlte sich als würde er fallen, unendlich in eine unermessliche Tiefe – zwischen Zeit und Raum. Wenn Igor entschied, gab es ohnehin keine Wahl und dennoch blieb die Frage:

Würde er leben oder sterben?

☞ RESTART.
☞ RESTART.

NG+Where stories live. Discover now