Prolog

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Die Sonne bahnte sich ihren Weg durch die Wolken, ließ sie schneller verschwinden, als es ein Windtoß hätte bewerkstelligen können. Sie brannte unnachgiebig auf die Erde, entfernte jeden noch so kleinen Regentropfen, der sich zuvor niedergelassen hatte und entlockte denMenschen den ein oder anderen Klagelaut.

Sie suchte sich ihren Weg in die hintersten Winkel, erleuchtete die dunkelsten Gassen und vertrieb jeden dunklen Gedanken.

Ebenso brach sie sich ihren Weg in einen ohnehin schon hellen Raum, abseits der Hauptstraßen, in einem eher altbackenen Gebäude, an welchem man normalerweise vorbeigehen wollte. Die Sonne drang regelrecht und unbefugt in den Raum ein, auf der Suche nach einem neuen Platz zum scheinen. Der eigentlich recht dunkel Parkettboden glänzte nun fast schon weiß.

Lampen waren nun absolut unnötig und hätten jede Atmosphäre zerstört, allein ihre bloße Anwesenheit gab dem Raum etwas reales und zerstörte damit die Illusion die durch die Sonne zustande kam.

Nur leichte Schatten ließen erahnen das der Raum begrenzt war, durch klare Wände abgegrenzt war anstatt sich unendlich weit auszudehnen.
Alles was man in diesem Raum finden konnte war ein Recht altmodischer Plattenspieler, jedoch war gleich darunter, hinter der Tür des Schrankes verborgen, noch ein alltäglicher CD-Spieler zu finden so, dass man auch neuere Musik hören konnte. Nichts sonst ließ auf Leben schließen. Nur der leichte Staub tanzte im Licht der Sonne und führte seine eigene Vorstellung auf, versunken in seiner eigenen Welt, seiner eigenen Fantasie. Unangetastet, unbelastet und unbeschwert schwebte er in der Luft, wirbelte aufgeregt, wenn er in einen Luftstoß geriet, doch er ließ sich nicht aus der Ruhe bringen und vollbrachte den hypnotischen Tanz in seiner eigenen Geschwindigkeit.
Sekunden später hallten Schritte durch die Stille, durchbrachen sie mit solcher Gewalt wie es sonst nur ein Donnerschlag zu schaffen vermochte. Doch gleichzeitig waren die Schritte so leise und leichtfüßig das man sie überhören konnte. Fast schon katzenähnlich schien der Besitzer über das Parkett zu schweben und sich Zugang zu den Räumlichkeiten zu verschaffen.

Nur wenige Augenblicke später war ein leises knacken zu vernehmen unddie Stille wurde abermals durchbrochen. Diesmal jedoch nicht durch Schritte, sondern durch Töne, durch Musik.

Die Instrumente griffen ineinander über, vertrauten sich blind undließen sich gegenseitig leiten, ließen sich lenken und führen. Es entstand eine fließende, nahezu gleitende Musik die einen in andere Welten entführte. Die sanften Töne wiegten den Hörer in einen traumlosen Schlaf seiner Gedanken, nahmen seine Seele mit sich und setzten sie in einem Wald wieder aus.

Der Hörer ließ es geschehen, wehrte sich nicht, fügte sich der Musik. Er schien sich zurück zu lehnen, in die Melodie zu legen und sich davon tragen zu lassen, seiner Seele zu folgen.
Der Wald um ihn herum war angenehm. Weder drang zu viel Licht durch das dichte, grüne Laub noch traf zu wenig des hellen Scheins auf den Waldboden. Winzige Flecken ließen die Erde lebendig wirken, sie tanzten umher und blieben nicht still, viel zu unruhig und aufgeregt über den überraschenden Besuch, der ihnen zuteil wurde.

Der Wind, welcher es durch die dichten Baumkronen schaffte, brachte eine angenehme Kühle mit sich, stellte einen Kontrast zur vorhandenen Wärme dar, bewegte die Blätter sich dem stummen Tanz anzuschließen.
Der Hörer stand inmitten von alldem, lauschte der Musik und bewegte sich, ohne sein zutun. totes Laub raschelte unter seinen Füßen, gaben der nackten Haut einen weichen Untergrund. Gedankenverloren flogen seine Füße durch das Laub, wirbelten es auf, zwangen es dazu, sein eigenwilliger Tanzpartner zu werden. Sie vollbrachten Drehungen und leichte Sprünge bevor sie wieder mit der Musik verschmolzen und weiter über den erdigen Boden flogen. 

Doch jede noch so schöne Fantasie verflog einmal, tat diese es doch als ein schmerzhaftes Kreischen erklang und der Hörer fast schon panisch aus seiner Traumwelt erwachte. Durch den Schreck unachtsam geriet er ins Stolpern, versuchte sich noch abzufangen doch er fand sich unweigerlich auf den Boden wieder. 

Nur ein wütendes Schnauben verließ seine Lippen, welche er kurz darauf zusammenkniff, um sich selbst von den eigenwilligen Schmerzabzulenken, welcher sich unnachgiebig in seinem Inneren ausbreitete.

Nun hatte der Plattenspieler anscheinend endgültig entschieden ihn zu verlassen und seine Melodie im Himmel weiter zu spielen.
Wieder zuckten die Muskeln des Hörers zusammen und ließen ihn zurückschrecken, als er eine Hand an seiner Schulter spürte."Hatten wir nicht ausgemacht das Du nicht allein verschwindest?"
Normalerweise war der Hörer nicht schreckhaft, ganz und gar nicht. Die Menschen hatten Respekt vor ihm, würdigten ihn und seine Ausstrahlung doch seit seine Augen beschlossen hatten ihn, ebenso wie der Plattenspieler kurz zuvor, zu verlassen musste er um Beherrschung kämpfen.



Blind DanceWhere stories live. Discover now