Kapitel 1

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Ein Scheppern hallte durch den - mit Ausnahme von mir - bislang menschenleeren Gang. Es war die alte verrostete Tür meines Spindes, die mit Schwung in das Schloss eingerastet war. Noch ehe ich mich von dem lauten Geräusch des alten Metalles direkt neben meinem Ohr erholen konnte, wurde ich auch schon an der Hüfte gepackt und mit eine Ruck umgedreht. Ein Zischen entwich zwischen meinen zusammengebissenen Zähnen und meine Augen kniff ich reflexartig zusammen. Ich zitterte nicht. Stattdessen zog sich jeder Muskelfaserriss meines Körpers zusammen, sodass ich es mir nicht vorstellen konnte, dass es sich um die gleichen Muskeln handelten, mit denen ich mich Mittags für mein Leben gerne bewegte.
Der schlimmste Moment des Schreckes war schnell vorbei. Es dauerte nicht lange, bis sich meine Atmung wieder normalisiert und meine Muskeln entspannt hatten. Auch meine Lider öffneten sich nur wenige Sekunden, nachdem ich sie zugekniffen hatte. Dennoch sah ich nicht viel. Den Boden. Den hellgrauen, gummiartigen Boden. Und ein Paar schwarze Sneaker, die meinen deutlich zu nahe standen. Ich musste wohl unbemerkt meinen Kopf gesenkt haben. Und der plötzliche Atem an meinem rechten Ohr, half auch nicht dazu bei, dass ich ihn wieder in Ausgangsstellung brachte.
"Na, Baby. Ich muss schon sagen, über das Jahr bist du noch heißer geworden, als davor." Innerlich lief mir ein Schauer über den Rücken und ich hatte das Gefühl eine einzelne Zitterwelle breitete sich auch durch meinen restlichen Körper aus. Doch konnte ich von Glück reden, dass ich es schaffte, diese Reaktion nach außen hin zu verstecken. Anstatt meine Nervosität zu zeigen, setzte ich einen genervten Blick auf und zeigte diesen auch endlich dem vermutlich größten Arsch der Schule. Erst erwiderte er dies mit einem schiefen Grinsen. Als ich ihn jedoch auf einmal von mir stieß, verflog ihm auch sein dämlicher Gesichtsausdruck. Jedenfalls für einen Moment. Denn kaum hatte er sich wieder einigermaßen gefasst, dauerte es keine zwei Schritte und mein absoluter Lieblingsmensch stand wieder vor mir.

„Na da freut sich aber jemand, mich zu sehen." Ich lachte kurz auf. „Wie ich sehe hast du dich auf deiner Intelligenzskala im letzten Jahr nicht gerade hochgearbeitet. Warum sollte ich also meine Meinung über dich verändern?" Zu meiner Verwunderung erschuf mein Gegenüber erneut sein selbstgefälliges Grinsen. Wie ich ihn eingeschätzt hätte, würde er schon jetzt wenigstens mit dem halben Körper an der Decke kleben. „Du hast dir ja nie die Chance gegeben, mich kennenzulernen. Woher willst du also wissen, dass ich mich nicht verändert habe. Ein Jahr ist jedenfalls eine ganz schön lange Zeit, nicht wahr, Kleines?" „Nenn mir eine Sache an dir, die sich verändert hat." Mein Lächeln hatte ich wieder zurückgezogen. Ein kühler Blick dominierte nun stattdessen mein Gesicht, sowie Körperhaltung, wobei ich meine Arme vor der Brust verschränkte. „Als ob dir das noch nicht aufgefallen ist?!" Ein spaßiger Ton aus Beleidigung war aus seiner Stimme zu hören. Allerdings war alles, was ich für die kleine Provokation übrig hatte, zusammengezogene Augenbraun und ein Gehirn, welches nicht verstand, worauf mein Gegenüber hinaus wollte.
Für ein paar Sekunden grinste mich der Typ vor mir nur weiter dämlich an, bevor er sich schlussendlich abermals ein wenig vorlehnte. Da mir die versiegelte Wand einen fetten Strich in Bezug auf eine Ausweichmöglichkeit machte, beließ ich es dabei, wenigstens ein Stückchen nach links zu rücken. Hauptsache weg von Mr.Nervensäge. „Ach komm schon, du findest silber an mir doch genau so heiß, wie ich."

Silber?

Verwirrt musterte ich den Jungen vor mir und tatsächlich: Seine früher schwarzen Haare hatten die Farbe geändert. Scheiße sah es im Prinzip nicht aus. So wirklich schlecht vielleicht auch nicht. Der ein oder andere würde es ganz eventuell sogar als ganz In Ordnung betiteln. Und es war natürlich auch möglich, dass es Leute gab, die die neue Frisur als gutaussehend oder stylisch betiteln würden. Aber ich gehörte definitiv nicht zu dieser merkwürdigen Gruppe an Personen. Jedenfalls nicht vor der Untersuchungsobjekt selber. Wahrscheinlich nicht einmal vor meinen Freunden. Und eigentlich überhauptnicht.

Be my Babygirl - BTS FFStories to obsess over. Discover now