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England

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Erbarmungslos brannte die Sonne auf die unverhüllten Köpfe der Mägde, die am Flussufer nahe der Burg die Kleidung der hohen Herrschaften wuschen. Sie verweilten dort schon seit einigen Stunden und der Stand der Sonne verriet die nahende Mittagsstunde.

Erschöpft strich Amelia sich mit dem Handrücken über die Stirn, um die Schweißperlen hinfort zu wischen. Ihre hellen, blauen Augen wanderten über die anderen beiden Mägde, die neben ihr in der Erde knieten und die Flecken aus den Kleidern der Prinzen schrubbten.

Den gesamten Vormittag waren die drei Frauen bereits mit Waschen beschäftigt, mittlerweile jedoch war der Haufen der zu waschenden Kleidung beträchtlich geschrumpft und kündete das baldige Ende an. Doch Amelia wusste, dass dies nicht das Ende ihrer heutigen Arbeit bedeutete, denn als nächstes würden sie die nasse Wäsche noch zum Trocknen aufhängen müssen, um anschließend sofort zurück in die Burg zu eilen. Dort warteten dann die wohlhabenden Bewohner der königlichen Burg, auf ihr Essen. Dort hatte dann auch Amelia mit ihren beiden Freundinnen zu helfen.

Direkt neben Amelia kniete ihre engste Freundin Olivia Black, sie war nicht irgendeine beliebige Magd, sie war ein Bastard König Henrys. Geboren von einer Magd, die vor sechzehn Wintern das Bett mit dem damals noch jungen König zu teilte. Olivia selbst wusste nicht, ob sie aus einer Zwangsbeziehung entstand, oder ob König Henry ihre Mutter mochte oder gar liebte. Doch ihre Mutter war bei ihrer Geburt gestorben. Zwar wusste König Henry, dass Olivia seine Tochter war, offiziell bekannte er sich allerdings nicht zu ihr.

Dies war wohl dem Umstand geschuldet, dass auch die Königin zu diesem Zeitpunkt ein Kind erwartete. Allerdings sollte das dritte Kind des Königs nicht lange auf dieser Welt bleiben. Des Königs einzige offizielle Tochter, die er nach seinen beiden Söhnen bekam, starb bereits im Alter von fünf Wintern bei einem Unfall. Amelia wusste nicht genau wie, da der König verboten hatte darüber zu sprechen, aber es wurden die Gerüchte gestreut, dass die Königin selbst daran Schuld trug. Sie war wohl mit der jungen Prinzessin im angrenzenden Wald spazieren, und als sie kurz nicht auf ihre Tochter achtete, fiel diese in genau den Fluss, an dem Amelia und die beiden anderen Mägde nun knieten. Es konnte nur noch der tote Körper der kleinen Prinzessin gefunden werden.

Der König soll getobt und gewütet haben und die Königin soll daraufhin an gebrochenem Herzen zu Grunde gegangen sein. Seit diesem Tag, hatte der König keine Frau mehr erwählt an seiner Seite über Mercia zu herrschen.

Olivia jedoch war dazu verdammt, als Magd zu dienen und bekam keinerlei bessere Behandlung als Amelia und Charlotte. Diese war ebenfalls Amelias Freundin. Zu dritt gaben sie sich gegenseitig Halt und Liebe. In gewisser Weise waren sie eine kleine Familie, denn keiner von ihnen hatte hier in der Nähe noch Verwandte.

Charlotte wurde von einer Bauernfamilie in einem Korb vor die Burg gelegt, da sie es nicht schafften, noch einen zusätzlichen Mund satt zu bekommen. Sie mussten wirklich Verzweifelt gewesen sein, dachte Amelia bei sich, denn wer sonst konnte schon sein eigenes Neugeborenes einfach so vor eine Burg stellen.

Niemand wusste genau, welche Bauernfamilie es war, denn es wurde zwar eine Person beobachtet, wie sie das Bündel vor die Tore legte, war aber zu schnell im angrenzenden Wald verschwunden, als dass sie jemand befragen konnte. Und so wurde Charlotte in die Obhut einer alten Magd gegeben und wuchs zusammen mit Olivia am Hofe des Königs auf.

Amelia sah auf ihre eigenen Hände, die Finger waren mittlerweile schon ganz blau gefroren und ließen sich nur noch unter Schmerzen bewegen. Zwar spendete die Mittagssonne der jungen Frau etwas Wärme, konnte allerdings dem kalten Wasser des Flusses nicht trotzen. Der Winter war gerade vorbei und es nahte der Frühling. Amelia war sehr froh darüber, denn im Winter war es noch schmerzhafter und kälter beim Waschen, aber noch war der warme Sommer weit entfernt.

Im Auge des Wikingers - Ivar EiriksonGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt