Merry crisis

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Langsam atmend sah Mike aus dem Fenster. Zwischendurch seufzte er genervt, da seine Musik aufgrund der beschissenen Internetverbindung immer wieder aussetzte, doch die Regentropfen führten ihre Rennen an der Fensterscheibe weiter. Es war warm in seinem Zimmer und die Luft war stickig. Nicht gerade das, was andere als ein schönes Weihnachtsfest bezeichnen würden... für ihn war es das einzige, was gerade ertragbar war. Er war lieber hier, alleine, als dort, wo es seinen Namen nicht gibt und seine Worte nichts wert sind. Die anderen Kinder waren gern dort, da sie dort hin passten. Sie konnten sich anpassen, ihre Existenz so weiter führen. Gelebt von der Gesellschaft und trotzdem hinter aller Rücken zerbrochen. So war er nicht, er war ganz offensichtlich nicht glücklich. Die anderen hielten das für einen Schrei nach Aufmerksamkeit, nur weil sie es versteckten. Aufmerksamkeit? Ja, vielleicht suchte er sie, denn sonst schenkt niemand seinen Problemen Aufmerksamkeit.
Und obwohl er es nicht mochte bemitleidet zu werden, hatte er doch was beruhigendes zu wissen, dass es jemanden interessiert.
Die Musik setzte sein. „Please don't jump (it's christmas)" schallte aus seinen Lautsprechern und er zog noch einmal an seiner Zigarette ehe er sie, obwohl noch mehr als die Hälfte vorhanden war, neben sich legte.
Zusammen mit der Musik und der Stille, die das Haus seiner Großmutter umgab, wirkte es fast schon friedlich. Wenn nicht schon... weihnachtlich. Ihm gegenüber saß Ginger, sein Kater. Ginger sah ihn hungrig an. Er lächelte ihn leicht an und strich über sein oranges Fell, was Ginger zum Schnurren brachte.

Das rufen seiner Mutter störte die Harmonie. „Melanie! Melanie, hilf mir mal!", schrie sie von unten. Er seufzte. Melanie, dachte er, Melanie.
Er stand auf und drückte seine Zigarette in die eiserner Schreibtischlampe, die schon lange als improvisierter Aschenbecher diente.
„Bin gleich da", sagte er. Er atmete einmal tief durch. „Melanie...", flüsterte er und öffnete die knarzende Tür.
Ginger setzte sich auf seinem Bett nieder und schloss schnurrend seine Augen.
Er mochte zwar fett sein, aber verdammt, Mike liebte diesen Kater. Er liebte ihn mehr als jeden anderen, doch das war nicht verwunderlich. Denn zu jenem Zeitpunkt hatte er keine Freunde mehr. Da war niemand außer dieser fette, müde und mittlerweile auch alte Kater, doch der reichte ihm.
Tiere wissen nicht, ob ich ein Junge oder ein Mädchen bin, dachte Mike.
Selbst wenn, sie würden keine Interesse daran zeigen.
„Melanie...", wisperte Mike ein letztes Mal und wischte sich die Tränen aus dem Gesicht ehe er zu seiner Mutter lief.

Emotional bis Emotionslos  (Transgenderstory)Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt