Prolog & Kapitel I

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PROLOG

Manchmal gibt es Menschen, die man nicht kennen lernen will. Manchmal, da will man sich verschließen vor jenen Dingen, die dein unheimlich wissensdurstiger Kopf aber unbedingt zu erfahren versucht. Jene Dinge, die so entfernt scheinen aber immer näher rücken. Egal wie sehr dein Herz versucht sie davon zu stoßen. Doch was verschließt du letztendlich ? Deinen Kopf oder dein Herz?

Letzten Herbst traf ich genau so einen Menschen. Und noch bevor ich es in irgendeiner Weise verstehen hätte können tanzten wir auch schon durch die beste Zeit meines Lebens.Doch letztendlich war es eben dieses Leben, welches wir an den Rand des Abgrunds stießen.

KAPITEL I

Wir schrieben den 18. September des Jahres 2015. Es war unheimlich still, als ich mich auf den Weg zur Schule machte. Langsam stapfte ich durch die leichten Nebelschwaden und genoss die kalte Luft. Die kleine Wohnsiedlung war um diese Zeit wie ausgestorben. Nicht mal die Katzen trauten sich auf die Straße und von denen gab es mehr als genug in unserem Viertel. Als ich an einer kleinen Kreuzung ankam hörte ich leises Geflüster um die Ecke. Die zwei Gestalten waren mit bloßem Auge schwer zu erkennen, schienen aber nicht weiter näher zu kommen, weshalb ich meinen Weg unberührt fortsetzte. Wenn ich mich im nachhinein zurück erinnere hatte ich tatsächlich keinen weiteren Gedanken daran verschwendet.

Unsere Schule lag ein klein wenig außerhalb des Viertels. Es gab zwar auch Schulen, die deutlich zentraler lagen, allerdings waren diese auch wesentlich teurer und das konnten wir uns nicht leisten. Daher war mein täglicher Weg zur Schule relativ lang, das machte mir allerdings nichts. Ich genoss die Ruhe. Die Unberührtheit des Morgens. Es kam schon einmal vor, dass ich mich komplett in meinen Gedanken verlor und mein Körper ganz allein den Weg zur Schule fand während ich meinen Kopf irgendwo auf dem Weg verloren hatte.

Die Glocke klingelte, ich hörte sie schon von weitem und rannte den Rest des Weges. Zu spät war ich trotzdem, so viel stand fest. Leider hatten wir in den ersten beiden Stunden Geschichte und unser Lehrer war sowieso schon nicht sonderlich begeistert von mir. Ich sah es also schon kommen, den Moment in dem ich nach Luft schnappend die Tür aufwarf und alle Blicke auf mich zog. "Natürlich, etwas anderes hätte ich auch nicht erwartet Luna.", würde dann unser Lehrer sagen und ich -im Boden versinken.

Ich rannte die Flure entlang wie ein Leopard, der seiner Beute nachjagte. Der Vergleich war ganz gut.Ich rannte zwar nicht aus Hungertrieb einer Mahlzeit hinterher jedoch verflog meine Variante genauso schnell. Die Zeit.

Zeit ist kostbar, das bekamen sogar die kleinsten Kinder heutzutage schon mächtig zu spüren. Verschwende keinen Tag, keine Minute mit den falschen Dingen. Lerne, sein anständig und ehrgeizig. Nur dann würde etwas aus uns werden.

Während ich rannte und während her über Zeit philosophierte hörte ich die Schritte nicht, welche klar und deutlich im Nebenkorridor zu vernehmen waren. Und so passierte es natürlich, ich flog um die Ecke und knallte geradewegs mit dem Kopf in die Schulter der Person, die mir da entgegen gekommen war. Ich musste mich an der Wand festhalten, so stark war der Aufprall gewesen. Der Gestalt gegenüber schien es nicht besser zu gehen. Wer es war konnte ich nicht erkennen. Genauer hinsehen konnte ich nicht, da die Zeit viel zu knapp war. Also versuchte ich mich aufzuraffen, damit ich weiter in Richtung meiner Standpauke eilen konnte. Ich war eigentlich schon an der Person vorbei, als diese den Kopf hob und mich für einen kurzen Moment ansah. Schlagartig fuhr es mir kalt den Rücken herunter. Ich kannte den Mann nicht, der vor mir stand. So viel wusste ich jetzt. Diese Augen hätte ich nie vergessen. Sie waren strahlend blau. Vielleicht mit einem schwachen Grünstich, so genau konnte ich es dann doch nicht sagen, denn mein Körper hatte sich tatsächlich weiter bewegt, obwohl meine Gedanken noch lange bei diesem Bild hängen geblieben waren.

Dass ich jenes Bild so schnell nicht aus meinem Kopf bekommen würde wurde mir relativ schnell klar.Ständig beschäftigte es mich und ich wusste nicht einmal warum. Die herablassende Strafpredigt meines Lehrers bekam ich nur halb mit,genauso wie den Rest des Unterrichts.
Ständig tauchte erneut dieses Bild in meinen Gedanken auf. Diese unheimlich tiefen blauen Augen. Ich wusste nicht warum ich darüber nachdachte und versuchte mehrmals erfolglos die Gedanken daran komplett zu verdrängen aber dieser Anblick ließ mich einfach nicht mehr los. Mit der Zeit verschwamm er, was die ganze Sache einfacher machte. Ich hatte ja auch schließlich nicht mehr als eine halbe Sekunde in jene Augen geblickt, daher hatte sich das Bild natürlich nicht festigen können.
Ich war erleichtert auf eine Art und Weise, als sich mein Kopf auf dem Heimweg irgendwie leichter anfühlte. Klarer, so als würde sich langsam aber sicher der Nebel lichten, der sich in Schwaden vormein inneres Gedankenleben gesetzt hatte. Dieses Gefühl hielt auch eine ganze Weile an, sodass die Zeit eigentlich wie immer schlichtweg verstrich und ich meinem ganz normalem Alltag folgte.

Erst am Abend als ich mich auf mein Bett setzte und mein Tagebuch unter meinem Kissen hervorholte tauchte es wieder auf. Das Bild. Wenn auch verschwommen, aber es war da.

Unsicher was ich schreiben sollte warf ich einen Blick auf meine beiden Schwestern, die gegenüber in ihrem Hochbett schliefen. Sie waren schon lange in tiefen Träumen versunken. Meine Eltern achteten peinlichst genau darauf, dass die beiden Zwillinge früh schlafen gingen. Sie sagten immer Schlaf wäre neben einer guten Mahlzeit das wichtigste für den Körper und sie hatten Recht.

Ohne ein Wort geschrieben zu haben klappte ich das Buch leise zu und verstaute es zurück an seinen Platz. Schlaf würde auch mir gut tun. Insgeheim befürchtete ich,dass mich das Bild, welches mich den Tag über verfolgt hatte auch in der Nacht heimsuchen würde. Doch sobald ich meine Lider schloss legte sich eine tiefe Schwärze über mein inneres Auge, welche die ganze Nacht anhielt.

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