Einst so wunderschön und perfekt standest du dort, nicht wissend was du tun solltest. Ich beobachtete dich und du schautest um dich, aber du bemerktest mich nicht. Ich dachte, dass du perfekt wärst, aber anscheinend warst du es nicht. Meine Blicke hingen immer an dir, wie hartnäckiger Kaugummi an der Schuhsohle. Du besaßt eine Aura um dich, die wunderschöne Gefühle in mir auslöste, die immer Gänsehaut auf meinem ganzen Körper verbreiten ließ, wenn ich dich nur sah oder deinen vertrauten Geruch einatmete.
Aber du warst gebrochen und ich nahm es mir zur Aufgabe dich wieder zusammen zu flicken, wie die Asiaten ihre gebrochenen Schüsseln, Tassen und Teller mit Gold reparierten und zusammen klebten.
Jeder sieht die Narben wie sie so wunderschön deinen Körper zieren aber nur die, die du sie sehen hast lassen. Und zwar die, die du dir als Kind zugezogen hast als du vom Rad gefallen bist oder als du einen Ast beim Klettern auf einen Baum gestriffen hast. Nur diese Narben, nicht die, die tiefere Bedeutungen haben, wie die an deinen Armen oder wie die tiefen Schnitte am Bauch und Rücken. Niemand kennt diese.
Niemand weiß was dahinter steckt. Hinter jeder einzelnen Narbe steckt eine Bedeutung.
Jeder Goldriss hat seine Geschichte. Jeder Schnitt auf deinem Körper verglichen mit Goldrissen. Doch deine Narben interessierten mich mehr, als die Goldrisse. Du und deine Narben hatten für mich mehr bedeutet als diese besagten Goldrisse, der Asiaten.
Mehr Bedeutung als alles andere auf dieser abscheulichen und grausamen Welt.
Mehr als meine verstorbene Familie.
Mehr als mein Hab und Gut.
Mehr als ich mir selbst wichtig war.
Doch Anfangs wollte ich alles nicht wahr haben. Ich habe alles verleugnet und nur beobachtet. Dich mit deinen Narben. Für jeden scheintest du perfekt nur niemand bemerkte deine gebrochene Seite. Niemand. Außer ich. Als du mir Einblick gewährtest. Unabsichtlich.
Ich fand dich weinend in einer Gasse mit blutender Lippe, einem blauen geschwollenen Auge und Blut über deinem weißen Shirt, welches vom Regen ganz durchnässt war, so habe ich auch deine Narben entdeckt. Ich habe dich aber nicht darauf angesprochen, denn ich wollte dir nicht zu nahe treten.
Ich habe dich damals das erste mal weinen gesehen, es ist auch nicht typisch für einen Jungen zu weinen und vor allem nicht für einen vermeintlichen Bad Boy. Genauso ist es untypisch für jemanden wie dich Angst zu zeigen, was du aber getan hast.
Das war der schlimmste Moment in dem ich dich gesehen habe. Du warst Anfangs nicht sonderlich erfreut das ich dich zufällig gefunden habe. Du wolltest erst das ich verschwinde. Du hattest dich aufgerichtet und schautest mich von deinen 2 Metern Größe von oben an und hast dir unauffällig deine Tränen weggewischt, doch ich bemerkte es und habe dich wieder nicht darauf angesprochen.
Du warst so gebrochen und ich wollte wissen warum und doch habe ich dich wieder nicht gefragt, ich wollte dich nicht verletzen oder etwas falsches sagen, deswegen war ich still und sagte nichts. Du schautest mich nur an und hast gewartet das ich gehe, so dass du wieder alleine sein konntest, doch das wollte ich nicht zulassen.
Ich schaute dich nur still an und überlegte was ich tun soll. Bis du dich leicht bewegtest und die Anstalten machtest zu gehen, doch ich griff schnell nach deiner Hand und zog dich wieder zurück. Eigentlich hatte ich mit Widerstand deiner seits gerechnet und das ich mit meiner wenigen stärke die ich als Mädchen besitze, nicht zu mir bekam und doch schaffte ich es.
Ich zog dich also zu mir und du landest in meinen Armen und warst erst überfordert und doch hast du es zugelassen. Dein Kinn hast du auf meinem Kopf abgelegt und umarmtest mich fest zurück. Und wieder flossen deine Tränen, die sich mit dem Regen vermischten.
Es fühlte sich so vertraut an und doch kannten wir uns nur vom sehen. Ich habe vermutet das du nicht mal wusstest das ich in deinem Kurs war, denn ich bin wie ein Schatten der immer unauffällig überall ist. Und doch wusstest du es. Das ich das stille Mädchen bin, das über das es Gerüchte gab die gar nicht stimmen.
Niemand wusste wer das Mädchen war über das das Gerücht rumging, ihre Eltern und ihren Bruder getötet zu haben. Man sagte nur das es auf diese Schule ging und niemand wusste wer es sein sollte, dadurch sind auch zahlreiche Freundschaften kaputt gegangen da viele ihre Freundinnen die keine Familie mehr hatten verdächtigt worden waren.
Doch niemand kam auf mich. Das Gerücht stimmte aber nicht. Ich hatte meine Familie nicht getötet. Ich habe auch nicht das Feuer damals gelegt. Es war ein Unfall im Urlaub vor 3 Jahren.
Deswegen habe ich auch solche Narben, wie du.
Solche die niemand sehen darf.
Doch aus einem anderen Grund als du.
Unsere Umarmung dauerte gefühlte Sekunden, obwohl es mehrere Minuten waren.
Du wolltest mich nicht los lassen, genauso wenig wie ich dich. Doch mussten wir das irgendwann. Langsam lösten wir uns voneinander und ich schaute in deine tief dunklen Augen, welche etwas rot vom weinen waren. Wir schauten uns einfach nur an und bewegten uns nicht von der Stelle. Ich sah alle deine Emotionen, deswegen beschloss ich auch meine Mauer fallen zu lassen und dich alles in meinen Augen sehen lassen jedes Gefühl das in mir tobte, alles lasse ich dich sehen, wie ein Buch ließt du mich, genauso wie ich dich.
Dann senkte ich meinen Kopf, da ich schon lange niemandem mehr meine wahren Gefühle gezeigt habe. Alle Emotionen die ich jemanden zeigte sind gespielt. Nie weinte ich. Auch lachen tat ich nicht und wenn, dann nur wieder gespielt, wie alles das ich von mir zeigte.
Ich hob meinen Kopf leicht, sah dich wieder an, lächelte leicht, ein Lächeln das nicht gespielt war. Dann nickte dir kurz zu, wandte dir meinen Rücken zu und ging mit kleinen und langsamen Schritten wieder, mit den Händen in den Jackentaschen meiner Lederjacke vergraben, zurück zu meinem kleinen Haus das ich geerbt habe und vor kurzem erst eingezogen bin.
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CRY || GERMAN
Historia CortaDu wirktest so perfekt und doch warst du es nicht. Du warst gebrochen und ich nahm es mir zur Aufgabe dich wieder zusammen zu flicken, wie die Asiaten ihre gebrochen Teller, Tassen und Schüsseln mit Gold. Doch ich besaß kein Gold und doch versuchte...
