Wie sie ihren Ehemann so ansah, sehnte sie sich plötzlich danach Henry auf der anderen Seite des Bettes liegen zu sehen. Es war keine romantische oder gar sexuelle Sehnsucht, es war einfach der Wunsch, jetzt seinen besten Freund zu sehen un das vertraute Gefühl zu verspüren, das das mit sich brachte. Sie vergewisserte sich noch einmal, dass Larry wirklich schlief und tapste dann barfüßig erst durch das kühle Schlafzimmer und dann durch den noch kühleren Flur. Am Telefon angekommen, (ein ziemlich altes Modell, noch von vor der Zeit von Tasten und Displays) musste sie nicht einmal überlegen. Sie hätte Daniels Nummer nach all den Jahren noch immer im Schlaf aufsagen können. Es klingelte und für einige Sekunden blieb Maggies Herz stehen, aber es nahm keiner ab. Enttäuscht, aber ebenso auswendig wählte sie Franks Nummer. Dieses Mal ließ sie etwas länger klingeln und tatsächlich nahm er nach einer Weile ab.
"Hallo?"
Er klang ziemlich müde und auch etwas mürrisch; lag vielleicht daran wie spät es war. Daniel hatte deshalb vielleicht auch gar nicht erst abgenommen. Sie hoffte wirklich, dass es nur daran gelegen hatte. "Du klingst echt Scheiße Frank!" Zugegebenerweise war das eine ziemlich plumbe Begrüßung.
"Maggie!"
Er klang genauso wie der Junge von damals, der immer vergessen hatte seine Schuhe zuzubinden und in den unmöglichsten Situationen vor Ihnen im Schlamm gelandet war. Frank Archer, der trottelige, dürre Versager, der außerhalb ihrer Gruppe nie jemand gewesen war und trotzdem, (vielleicht ja gerade deswegen) von ihnen geliebt wurde.
"Was beschert mir das Vergnügen? Gott, es ist ja ewig her, Maggie, bestimmt schon- "
"Monate!"
"Ja...wie geht's dir?"
Sie wollte ihn nicht anlügen, für das kleine Mädchen in ihr war das wie Verrat, aber sie war schon lange kein kleines Mädchen mehr.
"Mir geht's gut, mir geht's doch immer gut, dass weißt du doch. Was ist mit dir?"
Eine kleine Pause folgte und Franks Stimme klang anders, als er weitersprach,irgendwie...verbitterter.
"Ich wohne jetzt wieder Zuhause. Paula hat das Haus und die Kinder."
Tatsächlich wurde er wieder zu diesem Niemand, als er vor der Tür seiner Mutter gestanden hatte, mit Nichts als einem alten Volvo und einem Seesack mit den wenigen Sachen, die Paula ihn mitnehmen hatte lassen. Aber egal in was für einem persöhnlichem Tiefpunkt Frank sich gerade befand, es konnte nicht so schlimm gewesen sein, das es rechtfertigte wieder in diese Gottverdammte Straße zurückzuziehen. Die Nachricht hatte sie wie ein Schlag in die Magengrube getroffen. Sie war plötzlich angespannt, hellwach.
"Du bist zurück gezogen? In unsere Straße?"
Meggie musste gar nichts sagen, dafür kannte Frank sie immernoch zu gut.
"Es ist vorbei Meggie. 23 Jahre und keinem von uns ist seit dem etwas passiert. Wir sind erwachsen und es ist vorbei."
"Keinem? Was ist mit Henry? Nennst du das was ihm passiert ist nichts?"
Ein Schauder jagte ihr über den Rücken und für einen Moment konnte sie wieder die Zeitung in ihrer Hand sehen. Sie hatte den ganzen Morgen nichts mehr runter bekommen und es hatte ihr in den Fingern gekribbelt. Sie hätte damals nichts lieber getan, als zum Telefon zu rennen und die anderen anzurufen. Aber letzendlich hatte sie es gelassen, denn es hätte überhaupt nichts geändert. Hätte sie damals gewusst, was sie heute wusste hätte sie die Idee nicht so leichtfertig abgetan.
"Henry ist rein gar nichts passiert Maggie!"
"Er hat sich vor seinem Badezimmerspiegel mit einem Skapell die Kehle aufgeschlitzt!"
Sie musste sich zusammenreißen um Frank nicht durchs Telefon anzuschreien, Sie durfte Larry nicht wecken. Er würde nur wieder eine endlose Liste an Dingen runter rassel, wieso ein nächtliches Telefonat mit einem anderen Mann sie zu einer schlechten Ehefrau und wenn sie ihn lange genug reden lassen würde, auch zu einer schelchten Mutter machte. Sie konnte jetzt keine weiteren zerschellten Teller und weinende Kinder am Treppenansatz gebrauchen. Wircklich nicht.
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23 Sommer
Misterio / SuspensoVor 23 Jahren überlebten fünf Jugendliche nur knapp einen übernatürlichen Kampf auf einer Brücke. Sie schworen sich nie wieder an diesen Ort zurückzukehren und zu vergessen was sie erlebt haben. Als einer von ihnen sich umbringt und einer wieder in...
