Sheyla
Der Maskierte gab mir einen unsanften Stoß und ich flog nach unten in die Zelle, wo ich mir unter Zischlauten die Knie aufschürfte. Pure Angst jagte durch meinen Körper und ließ mich herumfahren.
Auf den Händen abgestützt lag ich mit dem Rücken zum Boden auf einem harten Untergrund, der mit kleineren Steinchen übersäht war, die sich schmerzhaft in meine Haut drückten.
Mein Herz hämmerte gegen meinen Brustkorb. Ich musste mich beruhigen. Innerlich verwünschte ich ihn von A bis Z. Ich hätte ihm auch mehr als nur die Hälfte davon an dem Kopf geschmissen und ihn angeschrien, wäre da nicht diese kleine Stimme der Vernunft in meinem Kopf, die mir das seltsamerweise abriet.
In seinen braunen Augen lag purer Ekel und Kälte, als er die Zellentür zuschlug. Die Gitter hinter seinem Rücken erzitterten, er wandte sich ab und ging.
Das letzte Licht seiner schwachen Taschenlampe verblasste und ich fühlte mich das erste Mal in meinem Leben wirklich blind. Trotzdem war ich froh, dass er weg war.
Ich hatte Angst mich zu bewegen, schloss aber die Hände um meinen Körper, als sich eine Eiseskälte bemerkbar machte. Ich drehte meinen Kopf und kniff die Augen zusammen, es war stockdunkel.
Gab es hier keine Fenster oder lag es nur daran, dass es mitten in der Nacht war? Mein Kieferreihen schlugen immer schneller aufeinander und ich versuchte diesen Impuls zu unterdrücken, der alles daran setzte die Kälte auszusperren. Aber es half alles nichts, sie knallten unkontrollierbar gegeneinander, sodass es fast weh tat. Wie konnte man es hier drin aushalten?
Aber das war wahrscheinlich Sinn der Sache, man sollte es nicht aushalten. Wie gingen die anderen damit um? Und gab es überhaupt andere? Ich konnte mir nicht vorstellen, dass eine so, doch recht mächtige Terrororganisation, nur eine Gefangene hielt.
Ich lauschte verzweifelt nach anderen Lebenszeichen, was mir mein lauter Kiefer aber nicht einfach machte. Genervt schnellte meine Hand zu meinem Kinn, das konnte doch nicht wahr sein. Ich drückte meinen Unterkiefer nach oben und bekam das ganze mit einer mächtigen Portion Willenskraft in den Griff.
Ich schloss die Augen, auch wenn ich sowieso nichts hätte sehen können, was mich hätte ablenken können. Aber nichts. Irgendwas knartschte ganz schön, man hörte alle möglichen kleinen Geräusche, aber keine, die ich mir erhofft hatte und irgendwie auf andere Menschen hinwiesen.
Ich schrie kurz auf, als ich etwas weiches an meinem Arm spürte. Ein panisches Kribbeln schoss durch meinen Körper, was sich durch das leise, angenehme Lachen und die urplötzlich einkehrende Wärme aber schnell verzog. "Was?", dankbar und sehr verwirrt murmelte ich mich ein wenig mehr in den Stoff ein und genoss seufzend das schöne Gefühl der abwesenden Kälte. Jetzt hab ich 'ne Decke von nem dunklen Mann. Und wenn er jetzt noch Afroamerikaner ist, steh ich als Rassist da.
Das raue Lachen verstummte. "Schlaf erstmal, die Vorstellung machen wir morgen, wenn wir wenigstens ein bisschen was sehen." Angestrengt starrte ich in die Dunkelheit aus der die Stimme kam, aber ich konnte nichts erkennen. Scheiße, ist das geuselig.
Ich murmelte leise etwas vor mich hin, dessen Inhalt ich mir nichtmal selbst bewusst war, weil ich einfach nicht wusste was ich sagen sollte. Ein 'danke' wäre nicht schlecht. Vielleicht würde es ihn davon abhalten mir blse Sachen anzutun, wenn ich ein bisschen Erziehung aufweisen würde. Aber das konnte auch bis morgen warten, ich wollte wenigstens wissen, bei wem ich mich bedankte.
Ich sah mich reflexartig um und musste feststellen, dass ich keine Ahnung hatte wo ich hin sollte. Die Zelle war höchstwahrscheinlich nicht wirklich groß, aber direkt vor dem Eingang wollte ich auch nicht schlafen, ich seufzte. "Aber wo...?", ich wurde sanft unterbrochen. "Am besten einfach in einer der Ecken, da kann man sich anlehnen, warte ich zeig dir einen Platz. Würde mich wundern, wenn du was siehst, man muss sich tatsächlich erstmal an diese hervorragenden Lichtverhältnisse gewöhnen.", eine warme Hand platzierte sich auf meiner Schulter und ein Arm zog mich hoch und setzte mich etwas weiter hinten ab.
Die Ironie in seiner Stimme heiterte mich ein wenig auf, auch wenn ich mich bei der Berührung erst ein wenig versteifte.
Ich kam vorsichtig auf dem harten Boden auf und rieb mir bei der Bewegung über das abgeschürfte Knie. Es war seltsam nicht zu wissen wer mir half, aber gerade war ich für alles dankbar.
Meine Gliedmaßen wurden schwer, als ich mich gegen die kalte Wand lehnte. In meinem Kopf ließ ich den Tag nochmal Revue passieren: Ich war heimlich feiern, wurde fast vergewaltigt, von meinem 'Retter' gekidnappt, verschleppt, geschlagen, ausgelacht, in eine dreckige, kalte Zelle verfrachtet und mein Vater würde mir den Kopf abhacken, falls ich hier je wieder rauskommen sollte.
Lief doch alles wie am Schnürchen.
Gott, wär ich nur nicht mit Jess feiern gegangen, das war wahrscheinlich die bisher dümmste Entscheidung meines Lebens. Man achte auf das Wort bisher, ich würde das in den kommenden Tagen schon noch irgendwie toppen.
Die Lippen aufeinander gepresst, unterdrückte ich ein verbittertes Auflachen und versuchte tief durch die Nase zu atmen, in der Hoffnung nicht in Selbstmitleid zu verfallen.
Ich rückte ein wenig nach vorne und ließ den Kopf an der kalten Mauer in den Nacken fallen und fing stark an zu blinzeln. Wie sehr wollte ich jetzt nach Hause in mein Bett und in Ruhe, friedlich schlafen gehen, anstatt hier mit einem halben Nervenzusammenbruch im Vorstadium von flennend im Top hinter fetten Gitterstäben zu hocken. Aber ich würde nicht weinen. Nicht deswegen. Das ließ mein Stolz einfach nicht zu.
Ich sollte mich wahrscheinlich fragen, warum ich hier saß, aber meine Hauptpriorität war jetzt erstmal nicht zu einrm Eisböock zu mutieren oder zu verhindern, dass mir plötzlich Winterfell wuchs.
Mein Kopf dröhnte und irgendwie kam mir die Kälte im Gesicht jetzt gar nicht so schlimm vor. Ich biss mir auf die Unterlippe.
Da beschaffte mir mein Vater sogar Bofyguards und ich schaffe es trotzdem mich richtig tief in die Scheiße zu reiten, da sollte mal einer sagen, ich konnte gar nichts. Denn das stimmte so gar nicht, ich konnte nämlich auch noch eine riesige Last für meine Angehörigen werden.
Seufzend schloss ich die Augen und wurde mir wieder meinem unbekannten Gehilfen bewusst. Sofort fühlte ich mich beobachtet. Das ganze war schon ziemlich unangenehm.
Aber er hatte recht, was besseres als schlafen konnte ich nicht tun. Zitternd lehnte ich mich stärker an die Wand und versuchte das Stück Stoff ganz um mich zu schlingen, da hin und wieder ein kalter Luftzug meine Haut streifte.
Ich schloss meine Augen, sofort trat das Gesicht meines fast-Vergewaltigers vor mich. Ein Schauer durchlief mich und.ich zwang mich an etwas anderes zu denken.
Was dachte Jess sich jetzt? Hatte mein Vater schon etwas mitbekommen? Hatte er vielleicht schon Leute losgeschickt um mich zu suchen? Oder schlief er? Wer war dieser Typ hier drin? Ich hatte keine Ahnung von irgendetwas, aber eine Sache stand fest:
Ich würde hier niemals einschlafen.
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Dayges
General FictionHi. Ich bin Sheyla Carsen, 17 Jahre alt, hochpubertär, der größte Tollpatsch auf Erden und in das fetteste Fettnäpfchen getreten, was ich finden konnte. Jetzt sitze ich hier mit einem Ninja-Turtle in einer kleinen, fast gemütlichen Zelle und atme g...
