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Brooklyn, New York, USA

Es war frustrierend. F-R-U-S-T-R-I-E-R-E-N-D. Ich versuchte jetzt schon seit Tagen dieses eine Sudoku zu lösen, aber es gelang mir nicht. Eigentlich beschäftigte ich mich nie mit Sudokus, nur hatte ich mit Jackie gewettet, dass wenn ich es schaffen würde, dieses Sudoku zu lösen, würde sie eine Woche meine Hausaufgaben machen. Jackie war meine beste Freundin, wir kannten uns seit dem Kindergarten und sie löste gerne Sudokus, um ihr Gehirn zu trainieren. Klang komisch, aber sie hatte einen IQ von 145 und wusste auch etwas damit anzufangen. Kurz gesagt Jackie war super schlau, nur dieses eine Sudoku hatte sie an ihre Grenzen gebracht. Und ich wäre nicht ich, wenn ich nicht behauptet hätte, dass ich das locker schaffen würde, aber was zu erwarten war, trat ein. Dieses Sudoku hatte mich auch an meine Grenzen gebracht, vorallem da ich selbst die einfachsten nicht lösen konnte. Also ich könnte es wahrscheinlich schon, nur war ich viel zu faul um es ernsthaft zu versuchen. Oh, hatten wir schon immer eine so schöne Tapete gehabt?

Als mein Handy klingelte, ließ ich erleichtert vom Sudoku ab und hoffte auf eine Ablenkung, doch als ich sah wer mich anrief, nahm ich schlecht gelaunt ab. ,,Ich weiß.", sagte ich wütend. ,,Zwei Stunden noch.", grinste Jackie ins Telefon und ich sah sie quasi mit ihrem gewinnenden Lächeln vor mir, was ich so hasste. ,,Ich schaff das schon.", log ich und linste auf das Sudoku, wo noch gähnende Leere herrschte. ,,Jaja, ist klar.", lachte sie weiter. ,,Weißt du eigentlich wie sehr ich deine Lache hasse?", antwortete ich, musste aber auch ein Grinsen unterdrücken. ,,Weißt du eigentlich wer nächsten Monat mit mir aufs Festival geht?", gab Jackie zurück. ,,Ich jedenfalls nicht.". Ihr Wetteinsatz war gewesen, dass wenn sie gewann, wir aufs Bonnaroo Music and Arts Festival gingen. An sich hatte ich nichts gegen Festivals, aber dieses Festival war in Tennessee und wir waren in New York. Also mussten wir hinfliegen und ich hatte Flugangst. Außerdem bezweifelte ich, dass meine Eltern mir sowas erlauben würden. Auch kostete sowas Massen an Geld und wie ich meine Eltern kannte, musste ich alles selbst bezahlen und ich war pleite. ,,Ich kann echt nicht mit dir dahin gehen!", jammerte ich ins Handy. ,,Das hättest du dir vorher überlegen müssen!", meinte Jackie nur. ,,Ich bin pleite." ,,Dann gehe arbeiten!", antwortete sie diplomatisch. ,,Haha, wann soll ich das denn machen? Ich muss jeden Tag Mary und Ben abholen, Massen an Hausaufgaben erledigen und nebenbei noch Mittag machen.", erklärte ich ihr. ,,Du hast ja noch zwei Stunden. Ich dachte du bestellst immer was?", entgegnete sie nur gelassen. ,,Manchmal gehen wir auch essen!", informierte ich Jackie. Da meine Eltern beide in der Woche arbeiteten, musste ich immer meine kleinen Geschwister aus der Ganztagsschule abholen. Dort musste ich in genau zehn Minuten sein. Fluchend murmelte ich eine Verabschiedung ins Handy und legte auf. Schnell griff ich nach dem Sudoku, schlüpfte in meine heißgeliebten Turnschuhe, schnappte mir meinen Beutel und verließ unsere Wohnung.

Draußen musste ich nicht lange warten, bis ein Bus an der Haltestelle hielt. Ich sprang gerade noch aus dem Weg, denn hier neigten manche Busse dazu, mitten auf den Bürgersteig zu fahren und dann anzuhalten oder 3 Meilen davon entfernt. Bei mir war Ersteres der Fall. Die fünfzehn Minütige Fahrt, verbrachte ich mit dem Sudoku, doch das Einzige was ich davon hatte, war noch schlechtere Laune. Vielleicht war ja eine Stelle als Busfahrerin frei? 

Ben und Mary warteten bereits am Eingang auf mich. Ben war elf und Mary neun, also noch nicht in der Lage alleine durch New York zu fahren und das würden sie wohl auch nie sein. Ben hatte zwei linke Hände und Mary besaß keinen Orientierungssinn. Ich meine, wie konnte man sich bitte in einem Restaurant verlaufen? War ihr nämlich schon passiert. ,,Wo warst du denn?", jammerte Mary. ,,Ich hab Hunger!", fuhr Ben fort. ,,Ich muss eine Wette gewinnen!", erklärte ich ihnen und meldete die Beiden bei der Erzieherin ab. ,,Was für eine Wette?", erkundigte sich meine kleine Schwester. ,,Eine ziemlich bescheuerte.",  seufzte ich und wir stellten uns an eine Haltestelle. ,,Hattest du mal wieder eine zu große Klappe?", fragte Ben. So ein schlauer Kerl. ,,Eventuell." ,,Du bist ganz schön dumm Evie.", sagte mein Bruder trocken. Er hatte ja soo Recht. ,,Das nächste mal höre ich einfach auf dich, okay?", antwortete ich an ihn gewandt. ,,Dann wird dein Leben demnächst viel einfacher!", grinste er. Das würde vielleicht sogar stimmen, wenn man es von seinen linken Händen absah, gab er echt gute Tipps. ,,Aber wäre es dann nicht zu langweilig?", warf ich ein. ,,Ich hab Hunger!", quengelte Mary zog an meiner Hand. ,,Können wir Schokokuchen essen?", fragte Ben weiter. ,,Nein. Mom wird mich umbringen." ,,Sie wird es nie erfahren.", sagte er geheimnisvoll. Darauf zog ich eine Augenbraue hoch und er verstummte. Wir wussten alle das Mom ALLES erfuhr. Sie kannte gefühlt JEDEN in dieser Stadt und wusste so auch, was wir den ganzen Tag so machten. Als ich sechzehn war, war ich einmal bei einem Typen aus meiner Klasse gewesen, obwohl ich zu hause gesagt habe, dass ich mit zu Jackie gehe. Zehn Minuten später stand meine Mom vor der Haustür und hat mich höchstpersönlich abgeholt. Das war weird und ziemlich peinlich. Laut Mom durfte ich erst einem Jungen näher als einem Meter kommen, wenn ich alt und schrumpelig war. Tatsächlich hatte ich noch nie einen Freund gehabt, oder einen Jungen richtig geküsst. Ich war mit siebzehn wirklich spät dran, aber alle Jungs die ich kannte waren hoffnungslose Idioten mit Kleinkindergehirnen.

Nachdem wir bei einer Burgerbar angehalten hatten und (logisch, was sonst) Burger gegessen hatten, machten wir uns auf den Weg zu unserer Wohnung, dort wartete schon eine böse Überraschung auf mich. Kaum hatte ich die Tür geöffnet, sah ich Jackie auf dem Sofa liegen. Sie streckte mir ihr Handy entgegen und der Timer zeigte die letzten Sekunden an.

,,Drei", rief sie.

,,Zwei!", fuhr Ben begeistert fort und mit

,,Eins.", schloss sich meine kleine Schwester jubelnd an. Verräter. Ich bezweifelte, dass sie wussten worum es ging.

,,Null.", seufzte ich und gab mich somit geschlagen.

,,Wir fliegen nach TENNESEE!", schrie Jackie, sprang vom Sofa hoch und viel mir um den Hals.

Wuhu.

FestivalsommerWhere stories live. Discover now