Mit Ohren und Nase (Teil 1)

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Jimin P.o.V.

Ein Schnitt. Und noch ein Schnitt. Und noch einer. Und noch einer mehr. Noch einer. Noch einer. Noch einer...
Unzählbar viele Schnitte häuften sich an meinem zierlichen Körper und liesen das Blut ohne Halt über den Seziertisch strömen. Wenn ich versuchen würde, die Augen offen zu halten, blendete mich die Lampe über mir und von dem Anblick meines zerschnittenen und mit meinem eigenen Blut besudelten Körpers müsste ich mit höchster Wahrscheinlichkeit meinen nicht vorhandenen Mageninhalt auf den absolut nicht sterilen Fußboden ausleeren.
So bin ich gefangen in der Schwärze, die hinter meinen Augenlidern lauert, und im Schmerz, der durch die vielen Wunden verursacht wird. So ist mein Zustand seit... - keine Ahnung wie lange das schon so geht. Oder warum ich hier bin. Wer die Leute sind, die schon seit Stunden an mir herumschnippeln und mich mit jedem Schnitt einen Schritt näher an die Ohnmacht bringen. Dank sei dem, der endlich den letzten Skalpellansatz macht und mich endlich in die breite Ungewissheit des Unterbewusstsein schickt. Dann muss ich das Ganze nicht mehr spüren.
Ab und zu füllen Schreie und Schluchzer den Raum. Ob sie allerdings von mir oder von anderen, die ein ähnliches Schicksal erleiden, stammen, kann ich nicht sagen. Vielleicht bin ich auch allein in diesem Raum und bilde mir das Alles nur ein. Vielleicht ist das alles nur ein böser Traum.
Noch ein Schnitt. Und noch einer. Wann wache ich denn endlich auf?

~Zeitsprung~

Mit einem schmerzhaften Aufschrei lande ich mitten im Schneehaufen vor der grauenvollen Metalltür. Zwei Hände packen mich und schleudern mich noch ein Stück weiter hinaus in die Kälte des eisigen Winters.
"Hau ab, du hässliches Biest. Du bist doch echt zu nichts nütze. Also VERSCHWINDE ENDLICH!"
Ich bin schon daran gewöhnt, angebrüllt und wie Dreck behandelt zu werden. Allerdings bisher hinter der Metalltür, die sich nun mit einem lauten Quietschen und Krachen vor mir verschließt und mich draußen in einer einsamen Winternacht allein lässt. Als die Tür ins Schloss fällt, muss ich meine Ohren vor dem lauten Grollen schützen, doch bekomme ich das leise Fiepen nicht weg, welches durch die Lautstärke ausgelöst wurde.
Ich beschließe, dass ich meinen Aufenthaltsort lieber verschieben sollte, bevor jemand wieder hinaus kommt und mich sofort totschlägt, weil ich wieder einen Befehl nicht befolgt habe. Also richte ich mich auf, klopfe grob den Schnee von meinem Leinenhemd und mache mich auf den Weg. Wohin weiß ich noch nicht so genau.

~Zeitsprung~

Es ist kalt. Mehr als das. Oder mir fehlt einfach die passende Bekleidung. Mit nackten Füßen watschle ich durch den knöcheltiefen Schnee und klemme meine halb abgefrorenen Hände unter die Achselhöhlen in der Hoffnung auf einen Rest verbliebene Körperwärme. Nahezu vergebens. Meine Ohren sind fest angelegt und in meinen Haaren vergraben und meine empfindliche Nase zuckt von dem frostigen Wind, welcher sie hin und wieder streift.
Wird das das Ende sein? Ich wandere schließlich schon seit Stunden hier im Wald herum ohne nur eine Tier- oder gar Menschenseele entdecken zu können. Meine Hoffnung auf einen Unterschlupf für den Rest der Nacht schwindet mit jedem vorbeiziehenden Baum. Doch vom Weg abweichen will ich nicht. Vielleicht findet mich da doch noch jemand. Sonst werde ich sicherlich nicht überleben. Mein Körper ist wund von den Schnitten, die mir zugefügt, aber nie verschlossen wurden und meine Gliedmaßen schimmern blau vor Kälte. Jeder Schritt erscheint schwerer und kleiner als der andere. Kraftlos lasse ich mich am Wegesrand zusammensacken und meinen Kopf hängen. Mich wird hier niemand finden. Ich bin verloren. Alles völlig umsonst. Mein Oberkörper kippt nach hinten und das Zittern wird weniger. Einen lautes Niesen erhellt kurz den dunklen Wald bevor es ganz still um mich herum wird.

Jungkook P.o.V.

Scheiße! Ich hätte schon vor Stunden zu Hause sein sollen. In Windeseile packe ich alle verstreuten Sachen in meinen Rucksack, bevor ich meine Taschenlampe schnappe und die Strickleiter auswerfe. Ein letzter Blick versichert mir, dass ich nichts liegen gelassen habe und mit der Lampe zwischen den Zähnen klettere ich zurück auf den festen Boden. Als letztes löse ich auch die Leiter von der Plattform meines Baumhauses und stopfe sie ebenfalls in meinen Rucksack.
Mit der Lampe in der Hand stapfe ich durch den Wald in Richtung Heim. Aus dem Grund, dass ich fast schon in diesem Wald aufgewachsen bin, finde ich den Weg vom Baumversteck zum Waldweg ohne Probleme und schlage sofort den richtigen Weg ein. Es ist fast schon eine Routine und es erstaunt mich jedes Mal, dass, wenn ich in Gedanken abschweife, aber dabei weiter laufe, ich trotzdem jedes einzelne Mal daheim ankomme. Als ich über einen Stein stolpere, werde ich in die Realität zurückgebracht. Der aufgewirbelte Staub krabbelt in meiner Nase und bringt mich zum herzhaften Niesen. Sowas hallt in so einem Wald natürlich prächtig nach. Ich greife nach dem Taschentuch in meiner rechten Hosentasche, als mir die Wölkchen auffallen, die mein Atem wirft. Ist denn schon so spät, dass es richtig kalt ist? Mit einem Blick auf die Handyuhr bestätigt sich mein Verdacht. Es ist doch tatsächlich schon nach Mitternacht. Scheiße...ich werde sowas von den totalen Anschiss kriegen.

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