Aufgeregt drückte ich mein Gesicht gegen die Fensterscheibe.
Vor meiner Haustür war alles weiträumig mit den gelben Abspeerbändern des NYPDs abgegrenzt.
Ich hätte nie gedacht, dass jemals ein Mord in meiner Nachbarschaft vorkommt.
Noch spannender wird das ganze durch die Tatsache, dass der Star-Gerichtsmediziner Henry Morgan an den Fall beteiligt ist.
Mein alter Medizin Professor von der Uni hat einmal von ihm erzählt. Für mich klang die Erzählung von ihm immer wie eine Legende. Doch im Internet konnte ich nicht viel über Dr.Morgan herausfinden. Als würde er nicht existieren.
Da es auch keine Bilder von ihm gab, stellte ich ihn mir immer wie meinen Uni-Professor vor. Viel älter als ich, kaum Haare auf dem Kopf, aber ein enormes Fachwissen. Fast so wie die alten Meister in meinen Comics.
Vielleicht konnte ich mich ihm beim Tatort vorstellen und mit etwas Glück sogar in seiner Abteilung arbeiten. Ich hatte bereits unzählige Bewerbungen dort hin geschickt, doch bis jetzt kam keine Antwort. Ignorieren sie mich.
Ich joggte durch meine Wohnung zur Wohnungstür und warf mir schnell meine Jacke über.
Hektisch ließ ich die Tür hinter mich zufallen und trabte die Treppen runter bis ich aus dem Haus trat.
Mein Blick ging gleich zum Tatort und zu den dort arbeitenen Polizisten.
Ich versuchte die Aufregung hinter meinen typisch lockeren Gang zu verstecken und lief nun zu dem Tatort.
Bevor ich das Abspeerband überhaupt berühren konnte, konfrontierte mich gleich eine der Polizisten.
"Gaffer sind nicht erwünscht!"sagte dieser schroff.
Ich ließ mich davon nicht beeindrucken und schaute über seine Schulter über den Tatort. Dies war kein Problem, da ich sowieso größer war als er.
"Ich gaffe nicht! Ich suche jemanden!"stellte ich klar und trat einen Schritt bei Seite um besser sehen zu können.
Der Polizist folgte mir und schaute mich verachtend an.
"Wenn es nicht die Person ist die dort liegt, dann sollen Sie verschwinde!"
Er zeigte auf die blutige, am Boden liegende Leiche.
Ich schluckte kurz und schüttelte den Kopf.
"Nein. Ich suche jemanden... äh.. noch lebenden!"entgegnete ich.
Als ich einen bärtigen älteren Mann erblickte wusste ich, dass er es sein musste.
Ohne auf den Polizisten zu achten, krauchte ich unter den Abspeerband drunter durch und lief auf den Mann zu.
Umso näher ich auf ihn zu trat, umso unsicherer wurde der Mann.
"Hallo. Ich bin Lucas. Mein Uni-Professor hat mir schon einiges von Ihnen erzählt. Ich war so fasziniert von Ihrer Arbeit, dass ich Sie, Henry Morgan, kennenlernen musste. Ich habe ein paar Bewerbungen geschickt doch Sie haben bis jetzt noch nicht drauf geantwortet."
Zu meiner Verwunderung blickte mich der Mann, jenen ich für Henry Morgan hielt, mit großen Augen an und erwiderte Nichts.
"Habe ich etwas Falsches gesagt?"fragte ich zögernd nach und blickte in sein überfordertes Gesicht.
"Gewissermaßen, ja!"sprach jemand hinter mir.
Ruckartig drehte ich mich um und sah seinen etwas jüngeren Mann in die Augen.
Diese waren genauso braun wie seine gelockten Haare.
Ich überlegte schüchtern, was ich sage sollte.
"Was habe.. ich falsch gemacht?"fragte ich nach einer langen Pause.
Der jüngere Mann wandte seinen Blick zum alten Mann.
"Der Name Henry Morgan ist zwar nicht der seltenste Name, aber doch nicht so häufig, dass es zwei Henry Morgans an einen Fleck gibt."erklärte er trocken und zog sich Gummihandschuhe an.
Ich zuckte innerlich zusammen.
"Sie? Sie sind...?"
Egal wie sehr ich es probierte, ich brachte Nichts heraus.
Er drehte sich mit einen Schmunzeln um und ging zurück zur Leiche.
Der Polizist von vorhin wollte mich gerade greifen, doch ich war schneller, wich ihm aus und folgte erstaunt dem echten Henry Morgan.
"Den Mann, welchen Sie für den Gerichtsmediziner Henry Morgan hielten, ist taub und einer unserer Zeugen!"erklärte er kurz und hockte sich zur Leiche nach unten.
Ich beobachtete ihn fasziniert.
Danach kam bei mir ein Gedanke auf.
Ich wollte ihn doch beeindrucken um vielleicht eine Chance auf einen Job zu haben.
Nach kurzem Zögernd betrachtete ich das Opfer.
Irgendeinen medizinischen Fakt brauchte ich um seine Interesse zu gewinnen.
"Anscheinend ist das Opfer eine Frau!"versuchte ich so schlau wie möglich rüber zu bringen.
Etwas verdutzt blickte Henry zu mir auf.
Sogar ich erkannte die Verwunderung in seinen Gesicht.
"Ähm... Ja... das ist sie! Sogar sehr offensichtlich!"fügte er hinzu und wandte seinen Blick zu der sehr offensichtlichen Frau.
Sofort merkte ich wie rot ich wurde.
Denk nach Lucas... Was konnte ich noch sagen? Was haben wir alles im Studium durchgenommen?
"Es sieht so aus als hätte sie zuviel Alkohol getrunken und wäre dann zusammen gebrochen!"überlegte ich und verschrenkte meine Arme.
Erneut fing ich mir einen noch verwunderten Blick von Henry ein.
"Der Körper des Opfers ist zerschmettert und zerfetzt!"stellte er das Offensichtliche klar dar.
Das Stimmte.. Ihr ganzer Körper war blutig. Ups..
Henry stand auf und trat näher zu mir.
"Lucas, richtig?...Mein Chef sucht im Moment keine Mitarbeiter, deswegen hat er bestimmt Ihre Bewerbung ignoriert. Doch ich arbeite schon seit einer Zeit allein.. Deswegen hoffe ich, dass Sie, wenn Sie ein paar Probewochen bei mir machen, mehr Fachwissen beweisen und nicht ganz so aufgeregt sind!"
Ich erstarrte.
Meinte er wirklich ....?
"Ich darf bei Ihnen anfangen?"
Henry nickte kurz und sah zur Leiche.
"Seien Sie aber aufmerksamer!"riet er mir uns wandte sich mit einem belustigten Schmunzeln von mir ab.
Ich lächelte übers ganze Gesicht.
"Sie werden nicht enttäuscht sein. Und bitte... seien Sie nicht allzu nachtragend."
"Versprochen!"murmelte er nur.
Das stimmte. Er war nicht nachtragend, egal welchen Mist ich angestellt hatte.
Zwar habe ich mir öfters einen wütenen Blick eingefangen oder musste mir sein Gemecker anhören, aber daran gewöhnt man sich, wenn man mit ihm ein paar Jahre zusammen arbeitet.
Ich denke wir sind richtig gute Freunde, auch wenn er es immer leugnet. Bis jetzt habe ich ihm mehr von mir anvertraut, als er mir von sich.
Und jetzt wird unsere Freundschaft mal wieder auf die Probe gestellt.
Ich habe mal wieder richtig Mist gebaut. Hoffentlich hilft er mir.
"Henry?"
"Was gibt es?"fragte er und blickte nicht von seinen Akten auf.
"Wir haben ein großes Problem.. Also von den Maßen her kleines, aber von der Wichtigkeit her.."
"Lucas!"unterbrach Henry mich."Komm bitte zum Punkt!"
Verlegen nickte ich und sah dann nervös auf den Boden.
Ich verließ dann kurz den Raum und holte unser großes Problem und stellte dieses auf Henrys Schreibtisch ab.
Er betrachtete das Problem überrascht.
"Lucas.... Warum hast du ein Baby in die Gerichtsmedizin mitgenommen?"
Bevor ich etwas sagen konnte unterbrach er mich erneut.
"Bitte, hab es nicht von irgendeiner Mutter gestohlen!"
Ich schüttelte erneut den Kopf und trat neben ihn.
"Nein, Nein. Wie denkst du über mich!"
Henry verengte die Augen und schaute mich warnend an.
"Ich hatte.. vor kurzem einen One Night Stand und daraus ist die kleine Sammy entstanden."erklärte ich beschämt und sah zu dem Baby.
"Vor kurzem heißt also vor 9 Monaten!"fügte Henry hinzu und blickte zu der Babyschale, wo mein Baby drin lag.
"Was sagt die Mutter dazu?"fragte Henry und runzelte die Stirn.
Ich zuckte mit den Schultern.
"Sie hat Sammy mir überlassen!"
Ruckartig wandte er sich zu mir.
"Sie hat dir, Lucas Wahl, ein Neugeborenes überlassen?"
Ich nickte kurz und sah zu ihm.
Henry schwieg und betrachtete das Baby.
Was er wohl dachte?
Nach wenigen Momenten schaute er zu mir auf.
"Warum hast du gesagt, dass 'wir' ein Problem haben?"
Ich wusste, dass die Frage kommt.
"Naja.. Ich bin jetzt alleinerziehender Vater. Ich könnte etwas Hilfe gebrauchen."
Henrys Augen weiteten sich abrubt.
"Nein! Nein! Nein!"rief er während er sein Büro verließ und zum Fahrstuhl lief.
Ich folgte ihm schnell.
"Komm schon. Zumindest die erste Zeit!"bettelte ich.
"Ich weiß, dass du Kinder magst, du gibst es nur nicht zu!"
Wieder traf mich der warnende Blick.
Ich blieb kurz ruhig und stieg mit ihm in den Fahrstuhl.
"Bitte..."flehte ich ihn weiter an.
Die Fahrstuhltür ging langsam zu.
Ohne auf meine Bitte zu antworten, sagte er trocken:"Du hast dein Baby vergessen!"
Ich erschrak und hielt schnell meine Hand zwischen den Türen.
Verlegen lief ich dann an den anderen Kollegen vorbei und holte meine Kleine aus den Büro.
Mit der Babyschale trat ich wieder zu Henry in den Fahrstuhl, welchen er netterweise aufgehalten hatte.
"Ups.."murmelte ich und blickte an die Fahrstuhlwand.
Henry atmete schwer durch und ließ den Kopf hängen.
"Okay, ich helfe dir!"
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Lenry - Forever FF
FanfictionHenry x Lucas Forever Fanfiction Was passiert wohl, wenn ein unsterblicher Gerichtsmediziner und sein weniger unsterblicher Assistent sich gemeinsam um des Assistenten's Baby kümmern müssen? Auf jeden Fall bekommen beide wenig Schlaf, das steht fes...
