-35- ➳ Mason

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„Und wo versteckt sich diese Ratte jetzt?"
Niall war rasend vor Wut und schien es nicht mal zu bemerken, als er in Rage beinahe den Topf mit dem kochend heißen Wasser von der Feuerstelle kippte. Megs konnte ihn gerade so noch an seinem Arm festhalten, bevor er in den Wald rennen und nach Mason suchen würde.

Kaum hatten wir wieder unser vorübergehendes Camp erreicht, hatte Liam auch damit begonnen, das zu erzählen, was Mason uns ein paar Minuten zuvor an den Kopf geworfen hatte.
Und jeder von uns war geschockt, in jedem Gesicht sah man die Erkenntnis, man verstand nun langsam einen Teil dieser Welt, wobei sich ein noch viel größeres Geheimnis offenbart hatte, für das man zuvor blind gewesen war.

„Warum zur Hölle hat er es nicht vorher schon gesagt?", fluchte nun auch Christopher drauf los und tigerte auf und ab. Während Megs sich damit abmühte, Niall an Ort und Stelle zu behalten, verzogen Jenia und Sam nur nachdenklich das Gesicht.
Auch sie versuchten die Puzzleteile zusammen zusetzen und die fehlenden zu ergänzen.
Aber es machte alles keinen Sinn.
Warum behielt er all das Wissen für sich?

„Das ist doch nicht logisch", setzte nun auch Megs an und schüttelte ihren Kopf, während sie aufmerksam in die Richtung des Waldes schaut. Wohl in der Hoffnung, dass Mason gleich erschien und sie all die Antworten aus ihm herauspressen könnte. „Okay, ich kann nachvollziehen, wenn er unser Leben leichtfertig aufs Spiel setzt, aber dadurch setzt er auch sein eigenes Leben aufs Spiel. Es macht einfach keinen Sinn..."

„Und genau deswegen hat es auch keinen Sinn mehr, wenn er weiterlebt", knurrte Niall, wehrte sich aber nicht, als Megs ihn wieder zu sich auf den Boden zog.

Meine Gedanken wanderten wieder zu all den Momenten, die mir eigentlich komisch hätten erscheinen müssen. Mason, wie er so viel über die Tiere und über die Helikopter wusste, Mason, wie er Zusammenhänge sah, wo kein anderer ein zweites Mal drüber nachdenken würde.

„Wie gut kennt ihr Mason?", stellte nun Liam die Frage und augenblicklich verstummte das Gemurmel der anderen. Sie alle blickten Liam überrascht an und schienen sofort zu verstehen, worauf er hinaus wollte.

„Nein, du denkst in die falsche Richtung, Payne." Christopher war der erste, der sich wieder gefasst hatte.
„Mason hat jeden gehasst, aber wenn er etwas noch mehr gehasst hat als mich, dann die Regierung und all ihrer Gefolgschaft", fügte Niall hinzu, legte dennoch den Kopf schief und schien über etwas nachzudenken.

Langsam nickte auch Liam und entgegnete: „Aber warum war er all die Jahre bei euch? Es erscheint mir nicht so, als wäre er gerne in Gesellschaft von euch, geschweige denn von sonst irgendjemanden..."

Liam hatte Recht und mein Herz fing wie wild an zu hämmern. Ich hatte zwar vermutet, dass mehr hinter Mason steckte, als dass er es zugeben wollte, aber in diese Richtung hatte ich keine einzige Sekunde gedacht.
Liam sagte durch die Blume hindurch, dass Mason nicht der war, der er vorgab zu sein. Dass er vielleicht niemals ein wahres Mitglied Nialls Truppe war.

Ich bemerkte die Blicke, die die anderen untereinander tauschen. Über Megs Blick huschte für einen kurzen Moment Unsicherheit, bevor Niall das Wort ergriff und sie sich somit wieder zusammenriss: „Mason ist bereits seit Jahren bei uns, hätte er irgendetwas mit der Regierung am Hut, hätte er uns all die Jahre verpfeifen können."

„Und-", ergänzte Megs langsam, „-er ist damals nicht alleine gekommen."
Nun lag alle Aufmerksamkeit auf Megs, die sich durch die Haare fuhr und dann den Kopf schüttelte. „Stefanie war jedoch seltener bei uns und ein paar Wochen später war sie tot. Sie ist wohl die einzige Person gewesen, die Mason gerne bei sich hatte."

Ich schluckte und lehnte mich mit dem Rücken gegen die Kiste, die die anderen als eine Sitzmöglichkeit aus dem Helikopter geholt hatten.
Stefanie.
Ich hörte zum ersten Mal von ihr.
Es kam mir so surreal vor, dass es wirklich eine Person gegeben hatte, der Mason nicht spöttisch unter die Nase rieb, wie gerne er sie töten wollte.

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