Kapitel 1

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Wie jeden Tag gehe ich in die Schule, warum ich dort eigentlich hingehe wusste ich nicht einmal. Vielleicht um nicht in meinen Gedanken zu verfallen, wie beschissen die Welt doch ist. An der Schule angekommen, treffe ich meine eigentlich noch einzige Freundin Sofia. Obwohl sie meine Freundin ist, rede ich nicht mit ihr darüber, was in mir vor sich geht, dass ich schon seit längerem Selbstmordgedanken hege und mich am liebsten einfach nur umbringen täte. Was hält mich noch auf dieser Welt? Ich gehe mit ihr rein und in den Unterricht. Wie jeden Tag kritzel ich auf meinem Block herum.

Ich habe vergessen wie man lacht. Ich habe vergessen wie man lebt.

"Angels can fly" she whispered and jumped

Was bedeutet das Leben eigentlich? Bedeutet es, dass man glücklich und fröhlich sein soll? Nein bestimmt nicht. Zu viele haben mir gezeigt, dass sie mich nicht brauchen und ohne mich zurechtkommen. Ich bin ihnen scheiß egal. Jahrelang werde ich schon gemobbt. Warum ich gemobbt werde? Ich hatte mich einmal für jemanden eingesetzt, welcher von dem beliebtesten Mädchen der Schule nieder gemacht wurden. Das passte ihr gar nicht und so wurde ich das Opfer. Sie erfand lügen über mich und stellte mich vor allem bloß. Vorher hatte ich ein paar Freunde, doch sie wandten sich ab, weil sie nicht mit dem Mobbingopfer befreundet sein wollten. Sie setzten sich auch nicht ein, wenn ich auf dem Schulhof öffentlich gedemütigt wurde. Die einzige, welche dann noch blieb war Sofia. Nun bin eine Außenseiterin, an welche der Frust abgelassen wird.
Bedeutet das Leben Leid, Demütigung und Schmerz? Vielleicht. Die Schulglocke unterbricht meine Gedanken und ich gehe weiter zum nächsten Unterricht. Die Stunden ziehen sich, bis ich endlich die Schule verlassen kann. Zuhause erwartet mich mein betrunkener Vater, welcher mir sofort an den Kopf wirft, was für eine miese Tochter ich doch sei. Mit seinen Beschimpfungen habe ich mich schon lange abgefunden, ebenso das er mich schlägt, wenn er zu viel getrunken hat oder auch mich begrapscht. Mein Vater hat große Alkohol Probleme, seitdem er seine Arbeit verloren hat. Er war eigentlich schon immer ein Trinker. Was meine Mutter arbeitet, weiß ich nicht einmal so genau, wahrscheinlich verdient sie sich ihr Geld mit Prostitution. In meinem Zimmer fahre ich als erstes meinen Pc hoch und logge mich bei Facebook ein. Wie immer checke ich meine Nachrichten. Wie jeden Tag kommen Nachrichten wie, Ich solle mich doch umbringen. Dich braucht eh keiner. Spring doch endlich. Wie Recht sie noch damit haben. Was hält mich hier noch? Wer braucht mich noch? Dann sehe ich eine Nachricht von meinem Bruder, welcher bei der Armee ist und mir ab und zu schreibt. In der Nachricht steht, wie sehr er mich doch vermisse und er versucht so schnell es geht einmal mich zu besuchen. Mein Bruder ist die Stütze, die mich noch hält. Ohne ihn, hätte ich schon längst Selbstmord begangen. Ich hole mein Messer aus der Schublade und krempel meinen Ärmel hoch. Auf meinem Arm konnte man schon viele Narben sehen, welche von dem ritzen kommen. Warum ich mich ritze? Es befreit, ich spüre keinen Schmerz und entfliehe so den Alltag. Ich setze die Klinge an und schneide mir in meine Haut. Im Alltag trage ich nur lang ärmliche Shirts, um so niemanden meine Narben zu zeigen, dies würde nur Fragen aufwerfen. Zu einer Psychologin will ich nicht gehen. Was würde es mir bringen? Über meine Probleme und verkorkste Kindheit zu reden? Nein danke ich verzichte gerne. Immer wieder schneide ich mir in die Haut und sehe dem Blut zu, wie es meinen Arm runter rinnt. Mein Blick wendet sich ab, als mein Handy läutet, Sofia. Was sie wohl wolle? Ich hebe ab. „Ja?" melde ich mich. „Hi Zoe" meldet sie sich. „Hast du Lust etwas zu unternehmen?" fragt sie mich. „Nein tut mir leid, es kommen nachher Verwandte zu uns und da kann ich nicht weg." Lüge ich kurzerhand, da ich keine Lust habe, irgendwas zu tun. Das einzige was ich tun will, ist in meinem dunklen Zimmer zu verbringen und den Tag an mir vorbei gehen zu lassen. „Okay, schade. Dann bis morgen in der Schule." Antwortet sie und legt auf. Ja bist morgen. Mit meinen Klamotten lege ich mich ins Bett und schließe die Augen. Gerade als ich dabei war, einzuschlafen, öffnet sich meine Tür und mein betrunkener Vater kommt herein. „Ich habe nach dir gerufen, du faules Stück. Hier wird nicht geschlafen, ich will meinen Spaß." lallt er betrunken und setzt sich auf meine Beine, da ich am Rücken liege. Er wird doch nicht etwa...? Wenige Sekunden später spüre ich seine Hände auf meiner Haut und eine Gänsehaut breitet sich aus. „Nein... hör auf..." sage ich und versuche mich zu wehren. „Sei still!" knurrt mein Vater und gibt mir eine Backpfeife. Danach beginnt er mich und sich auszuziehen. Das was danach passiert, lasse ich mit geschlossenen Augen und wimmernd über mich ergehen. Als er fertig ist, zieht er sich wieder an und verschwindet er wieder runter. Nackt wie ich bin, bleibe ich noch einige Zeit im Bett liegen, bis ich es schaffe, mir meinen Pyjama anzuziehen und zu meinem PC zu gehen. Dort öffne ich bei Facebook das Nachrichtenfester meines Bruders. Ich kann das nicht mehr. Hilf mir Bruder. Mein Bruder ist eigentlich der einzige, welcher von meinen Problemen wusste. Nachdem ich die Nachricht verschickt habe, lege ich mich auf mein kleines Sofa. In das Bett kann ich nicht mehr, es fühlt sich so schmutzig an. Nach kurzer Zeit schlafe ich ein. Irgendwann wache ich auf, blicke auf mein Handy und sehe, dass die Schule schon längst angefangen hat. Na toll. Erneut schließe ich die Augen und schlafe wieder ein. Immer wieder wache ich auf, doch schlafe dann weiter. Ich werde von einem lauten Geräusch wach und stehe auf. Da ich nicht wusste, wie spät es ist, sehe ich auf mein Handy und merke auch, dass ich zwei Tage lang geschlafen habe. Wieso habe ich so lange geschlafen? Das laute Geräusch ertönt wieder und ich blicke aus dem Fenster, wo ich eine Baustelle gleich in der Nähe entdecke. Da mein Magen meldet, beschließe ich runter zugehen und mir was zu essen zu holen. In der Küche finde ich einen Brief vor, welcher von der Armee ist. Ist das die Bestätigung, dass mein Bruder endlich heim kann? Schnell öffne ich den Brief und beginne ihn zu lesen. Doch als ich den Brief lese, beginnen meine Hände zu zittern und Tränen schießen mir in meine Augen. Nein das kann nicht sein... Es tut mir Leid aber ihr Sohn ist bei einem Einsatz gefallen. Immer wieder lese ich diesen Brief. Mein Bruder... Tot... Ich kann nie wieder in seinen Armen sein. Mein Vater kommt in die Küche und findet mit weinend vor. „Wieso heulst du?" harscht er mich an. „Mein Bruder... er... ist tot." Hauche ich. „Oh gut, er war sowieso nur ein Nichtsnutz, er ist tot besser aufgehoben als hier." Meint er dann kalt und holt sich ein Bier. Ich schüttel nur den Kopf und renne dann aus der Küche und aus dem Haus. Mein Bruder, welcher die Stütze meines Lebens war, ist nun tot... Nichts hält mich mehr hier. Ich renne so schnell mich meine Beine tragen in die Schule, wo ich rein renne und aufs Dach. Die meisten haben Unterricht und die anderen ignorieren mich. Auf dem Schuldach angekommen, gehe ich nach vorne an den Rand des Daches und sehe runter. Es geht weit hinunter und unten ist nur der harte Beton. Ein leichter Wind geht und meine Haare wehen mir ins Gesicht. Es ist nur ein Schritt und alles wird besser. Keinen Schmerz mehr, keine Demütigung und vor allem bin ich dann frei. Bruder, ich komme zu dir. Ich schließe die Augen und beuge mich nach vorne. "Angels can fly" flüstere ich noch, bevor ich falle und dann mich die Dunkelheit umhüllt.

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⏰ Last updated: Feb 25, 2018 ⏰

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