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Nach Harrys Beichte fühlt sich jeder Schritt doppelt so schmerzhaft an und drei Mal so klein. Ich fühle mich wie eine Maus, die von Neu-Indestan nach Neu-Indestasien wandern will.

Zu Fuß.

Harry und ich haben auch keine Wahl. Wir müssen auch zu Fuß gehen.

Denn die ersten Auto-Verleihe sind in der Stadt und Gemma hat natürlich keins, dass wir hätten nehmen können.

Als Anhalter reisen, können wir auch nicht, da man „das einfach nicht macht, Louis. Das lernt man schon in der ersten Fahrstunde. - Hattest du als 5-Jähriger deine erste Fahrstunde oder was, Harry?! - Ich kenne mich aus, also vertraue mir. - Ich werde einfach Winken. Schau? Huhu, Auto! - Louis, das wird nicht... - Hey, flieg nicht vorbei! Hey, du Arschpopo!".

Also müssen Harry und ich mit schmerzenden Füßen laufen und als es dann Nachmittag ist und wir mal wieder in einer Kleinstadt landen, die so ähnlich aussieht wie eine britische Vorstadt des 21. Jahrhunderts, kann ich endgültig nicht mehr.

Wir sind fast die ganze Zeit durch die pralle Sonne gelaufen, hatten kaum eine Möglichkeit zu trinken und ich musste mich in einen Busch entleeren.

Ich klappe zusammen und halte mich noch dramatisch an einer steinigen Hauswand fest.

„Komm, noch ein Stück, Louis. Ich verspreche dir: Wenn du jetzt noch eine halbe Meile gehst, finden wir etwas zu essen und setzen uns in den Schatten", versucht Harry mich aufzuheitern.

„Es geht nicht. Ich kann nicht mehr." Meine Stimme ist kratzig, Ich muss husten und fast heulen.

Das heißt, ich müsste heulen, wenn ich denn noch genug Wasser in meinem Körper hätte.

ich fühle mich wie ausgetrocknet.

Wie ein Fisch, der auf dem Land liegt und dessen Beine versagen.

„Ich bin ein Fisch mit Klapperbeinen, Harry", muss ich dem unsichtbaren Fürsten weinerlich mitteilen. Er muss meine Krise verstehen. Den Ernst der Lage. Harry soll mich endlich in Frieden hier zurücklassen. Soll er doch Niall, Zayn und Liam retten.

„Louis", seufzt Harry aufgebend. Ich scheine wirklich anstrengend zu sein. „Fische haben keine Beine. Deswegen schwimmen sie im Wasser."

Ich huste erneut. „Wasser. Bitte bring mich zurück ins Wasser."

Harry schüttelt den Kopf. Es ist offensichtlich, dass er wirklich überlegt mich hier zurückzulassen.

„Kannst du mich wenigstens stützen? Oder tragen? Bitte! Ich bin ein Bienengewicht!"

„Fliegengewicht", berichtigt mich Harry platt.

Dann halte ich ihm meine Arme hin und plinkere mit den Wimpern.

Harry seufzt. „Na gut. Aber nur bis zu einem Stand und dann setzen wir uns, essen und dann gehen wir weiter."

Ich nicke lächelnd. „Klingt gut."

Harry stellt mich vorsichtig wieder hin und dann hüpfe ich, vielleicht etwas zu enthusiastisch, auf seinen Rücken.

Ich grinse und kralle mich mit meinen Händen an Harrys Brust fest.

Dieser gibt dazu kein Kommentar ab und kämpft sich den weiteren Weg mit einem Louis förmlichen Pickel auf dem Rücken in den Vorort.

Es geht noch einen Berg hoch bis die ersten Geschäfte kommen. Immer wieder laufen uns Menschen über den Weg. Oder besser gesagt Aliens.

Und ich weiß nicht woran, aber sie scheinen mich jedes Mal als einen Menschen von der Erde erkennen zu können.

Kleine Kinder bleiben sogar stehen, deuten, an der Hand ihrer Eltern, zu mir und sagen: „Da ist ein Junge von ganz weit her."

Wie weit her können sie anscheinend gar nicht begreifen, denn die Kulleraugen werden weiter und größer und der Mund bleibt offen vor Faszination.

Ich nicke manchmal oder rufe ihnen etwas zu wie: „Ich komme von der Erde."

Und egal wo ich bin und egal wer mich sieht, wie ich da so auf Harrys Rücken hänge und fleißig erzähle, dass ich von der Erde komme, alle müssen lachen. Vielleicht weil sie mir nicht glauben.

Vielleicht aber auch, weil sie sich freuen.

Die positive Stimmung wird auch nicht weniger, als Harry mit mir in einen Laden geht, in dem frisches Essen serviert wird.

Mir läuft das Wasser im Mund zusammen. Auch wenn das nicht viel sein kann.

Ich sehe die Theke vor mir und die vielen fertigen Speisen. Einige werden in der Küche zubereitet. Es duftet und brutzelt und einige Leute schauen von ihrem Essen auf, als Harry und ich in das Restaurant gehen.

Es scheint nichts teures oder elegantes zu sein. Ich sehe viele Menschen, die gerade von der Arbeit kommen. Mittagspause haben und mit ihren Freunden quatschen.

Allerdings scheint ihre Mittagspause nicht so verwirrend zu sein wie die, die ich immer habe.

Vormittags bin ich im Jahr 2134 und nachmittags dann in 3254. Da kann man schon einmal durcheinander kommen.

In manchen Mittagspausen bekomme ich nicht einmal etwas runter, weil ich mich nur übergeben muss von den ganzen Tests.

Wahrscheinlich sollte ich auf meine Mutter hören und mir einen anderen Job suchen.

Nur wird der eben gut bezahlt und was sollte ich denn sonst machen? Ich kann nichts anderes.

„Ich hätte gerne einmal das Mittagsmenü. Zwei Mal", bestellt Harry bei dem Alien hinter dem Tresen.

Wahrscheinlich würde es Harry nicht gefallen zu wissen, dass ich seine Landsleute immer noch Aliens nenne.

Obwohl, theoretisch gesehen, ich hier der Alien bin.

Die Leute sind einfach nur Leute.

Der Mensch hinter dem Tresen nickt. Er hat einen Ohrring. Verzierungen auf seinem Ohrläppchen und rote Wimpern. Seine Augen sind so blau, dass ich fast in die Farbe hinein falle, als er mich ansieht.

Er lächelt. „Weite Reise, ja?"

Ich nicke.

Harry zittert schon unter meinem Gewicht und so entscheide ich mich dazu gütig zu sein und von seinem Rücken zu rutschen.

„Setz dich, Louis", murmelt Harry mir zu. Er fasst kurz an meine Hand und drückt sie.

Fast als wäre es ein geheimes Zeichen.

Aber es fühlt sich an, als sei es nur eine Berührung. Vielleicht eine Berührung, die so etwas sagen soll wie: Ich bin da und du bleibst bei mir.

Aber vielleicht steckt hinter der Berührung noch etwas anderes. Etwas tieferes. Denn es fällt Harry ziemlich schwer meine Hand loszulassen, damit ich mich an einen freien Tisch setzen kann.

gedanken, meinungen, feedback? jamie xx

lost track | larry ✔Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt