1 Der Kerl von den Postern.

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Magdalena

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In Berlin herrschte Ausnahmezustand. Und ich war mittendrin.

Die Stadt wimmelte vor kreischwütigen, hysterischen Mädchen, die ihre gestressten Mütter und überforderten Väter hinter sich her schliffen. Die Fanartikelverkäufer rieben sich vor Vorfreude die Hände und schon seit ein paar Tagen waren die Hotels in der Nähe des Olympiastadions komplett ausgebucht. In ganz Berlin hingen Plakate aus, die das große Ereignis ankündigten und ich konnte kaum das Haus verlassen, ohne auf der Straße in die vier verschmitzt grinsenden Gesichter einer Boyband zu starren, die auf dem Shirt eines Fans abgedruckt waren.

Nur leider besaß ich überhaupt keine Zeit, um mir diese Hysterie anzutun. Meine Abiturprüfungen standen in wenigen Wochen an und gerade eben war ich auf dem besten Weg die letzte Unterrichtsstunde bei Herrn Weber zu verpassen, dabei hatte der gute Mann mich eh schon auf dem Kieker.

Als ich hektisch mein Handy vom Nachtisch angelte und das Ladekabel ab zerrte, griff eine Hand nach meinem Arm und zog mich ruckartig zurück auf mein Bett. Genervt stöhnte ich auf und versuchte mich aus den Zwängen meines Freundes zu befreien.

„C'mon, Lena", brummte er und drückte mich an sich, als wäre ich sein Teddybär. „Stay in bed."

Ich schlug verzweifelt ein paar Mal auf seine Hände, doch als dies nichts brachte, drehte ich wütend meinen Kopf zu ihm. Der Gute besaß nicht mal die Höflichkeit mich wenigstens anzusehen, sondern schien bereits wieder wegzunicken.

„I have to go", widersprach ich energisch und setzte ein zischendes „Harry" hinterher.

Endlich blinzelte er mich müde an. Das Grün seiner Augen stach noch stärker als sonst hervor und ein paar seiner viel zu langen Haare hingen ihm zerzaust im Gesicht. Seufzend gab er mich endlich frei, sodass ich mich wieder aus dem Bett aufrichten und das Handy in meine Hosentasche stecken konnte.

„You know that I could get you any job you want...Your dreams are just one call away. One call, Lena."

Ich ignorierte ihn und zog unter meinem Bett meinen zweiten Schuh hervor. Halb hüpfend versuchte ich mir diesen anzuziehen und stolperte dabei beinahe über Harrys Reisetasche, die er gestern Nacht einfach mitten im Gang hatte fallen lassen.

Genau er war nämlich der Grund, weshalb in Berlin das pure Chaos herrschte. Naja, er und drei andere Kerle, die durch ein bisschen auf und ab hüpfen und hier und da mal ein Liedchen trällern, Millionen von Mädchenherzen höher schlagen ließen.

Meines war eines davon, doch schon längst war es nicht mehr dem Grund verschuldet, dass Harry ein Teil der berühmtesten Boyband der Welt war.

„Mark will drive you", sagte eine raue Stimme hinter mir. Als ich mich umdrehte, stand Harry total verschlafen im Türrahmen zu meinem Zimmer und unterdrückte krampfhaft ein Gähnen.

„No", hielt ich gestresst dagegen. „There is too much...Stau in the city. I'll go by my Fahrrad - Dings."

"You mean your bicycle?", fragte Harry belustigt und reichte mir meinen Rucksack, den ich gesucht hatte. Hektisch riss ich an einem der Gurte und funkelte ihn an, als er ihn nicht freigeben wollte.

„Did you take German lessons, huh?" Ich schaffte es meinen Rucksack zu befreien, allerdings wurde dafür mein Arm in Gewahrsam genommen. Harry zog mich ruckartig an sich, sodass ich gegen seinen Oberkörper prallte.

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