Kapitel 1 - Kampf um die Auserwählte

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»Wo ist sie?«, faucht Duncan durch die Fangzähne.

Seine braunen Augen leuchten wie glühende Kohlen. Er hat keine Ahnung, dass ich es nicht weiß. Wir waren auf der gleichen Fährte. Doch keiner von uns ahnt, wo oder wann sie auftauchen wird. Ich spüre die Gegenwart der Auserwählten. Eine verunsicherte Aura, leuchtend wie ein Martinsfeuer, nähert sich unbedacht. Keven und Ruben sind an zwei weiteren Hot Spots unterwegs. Ein Informant hat uns Hinweise auf drei Lichtbringerfrauen gegeben, die als Auserwählte in Frage kommen. Ich weiß sie ist es, noch bevor ich sie überhaupt zu Gesicht bekomme.

»Wo auch immer sie ist - keiner von euch Dunkelvampiren wird sie in die Finger bekommen!«, knurre ich zurück.

Meine Finger umklammern den Griff meines Schwertes, bereit es einzusetzen. Er wäre nicht der erste Dunkelvampir, den ich mit meiner Klinge vernichte und er wird nicht der Letzte sein. Duncan springt mir ohne Vorwarnung entgegen. Er hat jahrelang trainiert, seinen Gedanken im Kampf auszuschalten. Das erschwert mir, seinen nächsten Schritt vorauszusehen. Normalerweise kein Problem, doch als ich mein Gewicht auf den rechten Fuß verlagere, um ihn mit einem Schwerthieb abzuwehren, rutsche ich auf einem gefrorenem Stück Schnee aus. Mein Fuß knickt leicht weg und ich gerate ins Straucheln. In der gleichen Sekunde wirft Duncan mich zu Boden und für einen Atemzug fürchtete ich, es ist um mich geschehen. Ich höre mein Schwert einige Meter weiter mit einem dumpfen Geräusch auf dem schneebedeckten Boden aufkommen. Duncans Gestank erreicht meine Nase noch vor seinem Schlag. Ich kann förmlich den Schmerz meines zertrümmerten Nasenbeins spüren, als sein Hieb unerwartet ins Leere geht. Ich sehe Blut spritzen. Es kommt direkt aus seinem Herzen und mir wird klar, dass ihn hinterrücks jemand gepfählt hat. Duncans leuchtende Augen erlischen, während er wie ein Sack Mehl seitlich von meinem Körper herunter plumpst.

Den Mann, der ihn hinterrücks erstochen hat, kenne ich nicht. Für einen Moment glaube ich die Farbe eines Lichtbringers um ihn pulsieren zu sehen, doch dann erkenne ich das dunkelblaue Flackern um seinen Körper. Die Aura der Dunkelvampire verrät wer er wirklich ist. Warum tötet er einen seiner eigenen Männer?

»Duncan?!« Eine tiefe Stimme durchbricht die Stille der Nacht.

Ich nutze den Bruchteil einer Sekunde, die der Vampir abgelenkt ist, um mich mit übernatürlicher Geschwindigkeit seitlich wegzurollen, mein Schwert aufzulesen und in die Höhe zu steigen. Während ich empor fliege, beobachte ich ihn. Er zieht sein Schwert aus Duncans Körper und wischt das Blut an dessen Kleidung ab.

Schneegestöber wirbelt mir dicke Flocken in die Augen, doch ich behalte ihn im Blickfeld, während ich mich auf dem Dach eines Hauses in der Nähe niederlasse. Ich klemme mich seitlich an ein Fenster im Dachgiebel.

Der Vampir entflammt Duncans Körper mit Kraft seines Willens. Während der Dunkelvampir verbrennt, steht der mir Unbekannte daneben und betrachtet das Geschehen. Er scheint nicht darauf aus, nach mir Ausschau zu halten. Was ich allerdings beunruhigender finde, ist dass ich keinen seiner Gedanken empfange. Der getötete Dunkelvampir steht lichterloh in schwarzgrünen Flammen und die Verbrennung gibt ein lautes hölzernes Knistern von sich. Dicker schwarzer Rauch zieht in den Himmel hinauf und verschmilzt mit der Dunkelheit der Nacht. Ein letztes, sehr lautes Knacken ertönt, bevor das Feuer den Vernichteten vollkommen verschlingt. Zwischen den Schneeflocken rieseln schwarz glimmernde Partikel auf den Boden hinab. An der Stelle, wo zuvor noch Duncan gelegen hat, ist nichts mehr von ihm übrig. Nur der Staub, der unter dem Schneegestöber vergraben wird. Ich sehe Symars Schatten, bevor er zu Fuß um die Häuserecke gebogen kommt. Hier oben sieht er mich nicht.

»Was ist passiert?«, fragt der Dunkelvampir seinen Mann.

Der bestialische Geruch des eingeäscherten Dunkelvampirs liegt noch in der Luft.

Lichtbringer Vampire: BlutlinieWo Geschichten leben. Entdecke jetzt