Kapitel 3 - Übernatürliches für Anfänger

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Ich bin der erste Lichtbringervampir, der sich zur morgendlichen Besprechung in der Bibliothek einfindet. Eine schlaflose Nacht liegt hinter mir. Die anderen beglückwünschen mich, nachdem Iltras berichtet, dass ich die Auserwählte aufgespürt habe. Nur Keven scheint etwas angeknackst, da es nicht ihm selbst gelungen ist. Ich berichte ihnen von Markus und Duncan, die beiden Dunkelvampire, die im Kampf der Nacht ihr Leben verloren haben. Auch komme ich nicht drum herum, von dem Dunkelvampir zu erzählen, der selbst einen seiner Männer getötet hat.

Ein Raunen bricht in der Runde aus, als ich die Geschichte erzähle. Iltras ermahnt uns dazu, Ruhe zu bewahren und erinnert uns daran, dass es immer wieder mal neue Anwärter auf die Führung bei den Dunkelvampiren gegeben hat. Er vermutet eine Intrige in deren Reihen, wir sollen einfach die Augen offen halten. Ich bin mir sicher, dass ich ihn sofort wiedererkennen würde. Neue Gesichter merke ich mir schnell.

Die anderen Vampire wollen die Auserwählte kennenlernen, doch Iltras zitiert die Männer schnell zur Ruhe. Er verlangt, dass niemand sich ihr nähert, bis er selbst an sie herangekommen ist. Des weiteren beschwert er sich über ihr Unwissen und ihre störrische Art, was mich fast schmunzeln lässt. Als er dann aber erwähnt, dass ich für sie verantwortlich bin, vergeht mir mein Grinsen.

»Bring ihr bei, was sie wissen sollte. Es ermüdet mich, alles erklären zu müssen. Ich zähle auf dich.« Er sieht mich nachdrücklich an und mir bleibt nichts anderes übrig, als einzuwilligen.

Die anderen verkneifen sich ein Kichern, denn sie wissen genau, dass es mir nicht passt. Jetzt ist nicht einmal mehr Keven neidisch auf mich. In einem sind wir Männer im Zirkel der Lichtbringervampire uns einig – nichts ist störender, als eine Frau am Hals zu haben.

»Heute Abend erwarte ich sie in angenehmer Stimmung zum Essen. Kriegst du das hin?« Iltras baut sich vor mir auf, als hinge die Welt davon ab.

Ein bisschen tut sie das ja auch.

Ich nicke ernst. Irgendwie muss ich es hinkriegen.

Die Versammlung löst sich auf und ich mache mich schweren Herzens auf den Weg zu ihr.

Angus, einer unserer besten und ältesten Kämpfer, begleitet mich in den ersten Stock.

»Ich glaube, er sucht noch immer nach einem Weg die Prophezeiung zu umgehen«, sagt er, als wir außer Hörweite der restlichen Männer sind.

Erstaunt sehe ich ihn an: »Wie sollte er die umgehen können?«

Er zuckt mit den Schultern: »Ich bin kein Orakel, keine Ahnung wie so etwas funktioniert.«

»Ich fürchte es gibt keinen Weg«, erwidere ich und reibe mein stoppeliges Kinn.

Trotzdem lässt mich seine Aussage nicht ganz kalt. Dass Iltras nicht unbedingt scharf auf diese Verbindung ist, ist uns allen bewusst. Es ist eine unausgesprochene Tatsache.

Die Tür meines Quartiers öffnet sich und meine Blutwirtin tritt auf den Gang. Ihr Haar ist etwas zerzaust, sie sieht unausgeschlafen aus. Trotzdem lächelt sie herzlich, als sie uns kommen sieht.

»Guten Morgen, ihr Zwei.«

»Guten Morgen«, erwidern wir anstandshalber, obwohl wir uns sonst nicht mit solchen Floskeln aufhalten.

»Ist sie schon wach?«, will sie wissen und deutet auf die Tür unseres Gastes.

»Das werden wir gleich sehen«, meine ich und steuere auf die Tür zu.

»Viel Erfolg«, wünscht Emma mir, lächelt uns beiden noch einmal zu und geht dann den langen Gang entlang in die Richtung, aus der wir gekommen sind.

Lichtbringer Vampire: BlutlinieWo Geschichten leben. Entdecke jetzt