electricity

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„Wie es aussieht, sind wir hier eingeschlossen," sagte der Mann und drehte sich erneut um. Ich zwinkerte kurz, sah ihn ausdruckslos an, ehe ich an ihm vorbei lief und gegen die Tür klopfte, versuchte sie zu öffnen. Als die sich nicht bewegen ließ, sah ich aus dem Fenster hinaus, doch ich erkannte nichts, denn draußen fegte gerade ein Blizzard über das Land. Weder Menschen, noch Bäume, noch die Spur, die ich vor wenigen Minuten mit meinem Snowboard gezogen habe, waren zu erkennen.

Abseits der Pisten zu fahren war gefährlich und es war reines Glück, dass ich diese Hütte gefunden habe. In verschiedenen Ländern aufzuwachsen, hatte mich gelernt Wettersituationen früh genug zu erkennen. Vom ersten Moment hatte ich gewusst, dass ich es nicht mehr ins Tal schaffen würde. Wenn man einmal in einem solchen Monster gefangen war, konnte man nur hoffen, dass man irgendwo einen Unterschlupf fand, um es auszuharren. Und in meinem Fall war das diese verlassene, dennoch gut gehaltene Schihütte gewesen.

Doch jemand war bereits hier.

Erst jetzt nahm der Mann den Schihelm ab und zog sich die Schimaske über den Kopf, zumindest konnte ich das im Augenwinkel erkennen, denn ich versuchte in der Zwischenzeit noch immer die Tür um wenigstens einen Millimeter zu bewegen, doch ich wurde von ihm unterbrochen, als er sich neben mich stellte und das Offensichtliche feststellte. „Wie gesagt, wir sitzen fest."

Ich erkannte die Stimme und erst als ich sein Gesicht sah, erst als ich die Erinnerungen wieder zuordnen konnte, wusste ich woher. Ich erkannte seine Präsenz, es war als würde ein Teil von mir ihn sofort wieder erkennen. Mein Herz klopfte wild in meiner Brust, als ich langsam einen Schritt zurückwich. Erkannte er mich?

Unter seinem Pullover konnte ich die hart definierten Muskeln erkennen und die braunen Haare hingen ihm in seine Stirn. Er hatte eine schöne, beinahe aristokratisch gerade Nase, hohe Wangenknochen und einen wunderschönen, sündhaften Mund.

Den ich bereits geküsst hatte.

„Mein Name ist übrigens Grayson," stellte er sich jetzt vor und ich genoss seinen irischen Akzent, der jedes seiner Worte schwer machte, ihnen aber gleichzeitig einen verführerischen Klang gab, sonnte mich beinahe in dem Wechselbad der Gefühle, in dem er mich ertränkte.
Er erkannte mich nicht. Sollte ich es ihm sagen? Sollte ich etwas sagen?

„Schön für dich," erwiderte ich sarkastisch und entschied mich dagegen. Wenn er mich nicht erkannte, dann musste ich ihn nicht aufklären. „Ich brauche mein Telefon. Und mein Walkietalkie. Jetzt."

Während ich meine Sachen durchwühlte und schließlich beide Gerätschaften hervorzog, stand er nur teilnahmslos hinter mir, strich sich durch die dunklen Haare. Ein Blick auf mein Handy zeigte nur, dass ich keinen Empfang hatte und das Walkietalkie war tot. Leere Baterie.

Er griff, wie um Mitgefühl zu vermitteln, nach meiner Schulter und ich fühlte seine Präsenz, ließ seine Berührung für einen Moment zu. Sie sollte mir eigentlich nur Mitleid verdeutlichen, doch was ich fühlte, war kein Mitleid, nicht im Geringsten.

Verdammt, das Schicksal hasste mich wirklich.

„Scheiße," sagte ich nur und warf verzweifelt das veraltete Gerät in eine Ecke, doch Grayson hob es wieder auf.

„Also," begann er und strich sich durch die dunklen Haare, legte das Walkitalkie außerhalb meiner Reichweite. „Erfahre ich jetzt auch noch einmal deinen Namen?"

„Kaelin," stieß ich schließlich hervor, machte mich wieder daran die Schihütte, in der wir eingeschlossen waren, zu durchsuchen. Ich hatte Angst, dass er mich erkannte, hatte Angst, dass er mein Gesicht, meine Stimme den Ereignissen von damals zuordnen konnte. Genau deswegen war dieser Sicherheitsabstand zwischen uns die perfekte Strategie. Als ich im Flur war, zog ich langsam meine Winterjacke aus und legte meinen Schihelm auf die hölzerne Bank, die dort stand und fuhr mir durch die braunen Haare, während mein Blick zu meinem Rücksack flog.

Strange LoveStories to obsess over. Discover now