Kapitel 1

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"Für dich gibt es doch schon lange kein ~uns~ mehr. Ich höre immer nur ~ich-ich-ich~. Verdammt Steve, ich brauche dich hier! Hier bei mir und vor allem für Tyler. Er weiß doch gar nicht mehr wie sein Vater aussieht" meine Mutter hatte sich komplett in Rage geredet und ich merkte an der Art wie sie sprach, wie ihr vor Wut die Tränen kamen. Ich konnte mir das Gesicht von ihr deutlich vorstellen, denn ich hatte es schon einige Male gesehen. Meine Mom weinte nie weil ihr etwas weh tat, sie weinte nur wenn sie enorm wütend war und nicht mehr weiter wusste. "Sandy es tut mir leid aber ich weiß nicht was du noch von mir verlangst?"-"was ich von dir verlange?" Sie rang nach Luft, denn mein Dad kostete sie bestimmt wieder den letzten Nerv, was sie ebenso oft sagte wie sie vor Wut weinte. "Steve du hörst mir nicht zu!"-"Ich bin nur für euch unterwegs. Ich bringe das Geld nach Hause von dem ihr lebt und du kannst nicht behaupten das es euch schlecht geht?"-"Man darum geht es doch nicht! Ich brauch das ganze Geld nicht. Ich brauche dich!" In der Leitung wurde es still, so still das ich schon dachte die Leitung wäre unterbrochen oder jemand hätte mitbekommen das etwas mit der Leitung nicht stimmte. Doch dann sagte mein Vater mit recht ruhiger Stimme etwas "dir kann man es einfach nicht recht machen. Du bist immer nur am Meckern. Ich muss jetzt aufhören. Mein Termin ist da. Gib Tyler einen Kuss von mir und Grüße Chrissy, bis morgen"-"Tyler hätte den Kuss bestimmt lieber von ..." die Leitung war tot. So war es nun schon seit Wochen und ich wusste nicht ob ich gefrustet sein sollte oder einfach nur traurig und wütend. Klar ich wusste das die Arbeit von Steve sehr viel Geld in unsere Kasse spülte, aber was nützte all das Geld wenn wir dafür nichts mehr von unserem Vater hatten? Er war wochenlang unterwegs quer durch die Staaten und Mom saß mit meinem kleinen Bruder in unserem schicken Vorstadthaus in einem noblen Viertel. Unsere Nachbarn konnte ich noch nie leiden, was mit Sicherheit auf Gegenseitig beruhte und ich war immer froh wenn ich zur Uni konnte. Doch meine Mutter schottete sich immer mehr ab von der Außenwelt. Tyler hatte zum Glück seine Spielgruppe und war schon in der Schule aber das bedeutete für sie nur noch mehr Einsamkeit. Ich starte die Wand vor mir an und sah schon durch sie hindurch, solch ein Loch hatte ich rein geschaut. Langsam schüttelte ich den Kopf weil ich das Verhalten meines Vaters einfach nicht verstehen konnte. Ich fand es ganz schön gemein das er meiner Mutter das Geld vorhielt, ich arbeitete zu meinem Studium dazu, es war zwar nur mehr als Taschengeld aber ich wusste jetzt schon, wenn ich einen Job hatte, würde ich alles zurück geben. Meine Mutter wusste nicht dass ich gelauscht hatte und sie wusste auch nicht dass ich nun in meinem Zimmer auf dem Bett lag um zu weinen. Warum hatte ich auch nur dieses fuck Telefon von der Wand genommen? Unsere Telefonanlage hatte ihre Vorteile aber sie konnte einem auch zum Verhängnis werden wie dieses Beispiel eindrucksvoll bewies. Damals als Teenager hatte ich diesen Trick raus gefunden und ich wusste bis heute nicht ob meine Eltern davon Kenntnis hatten. Ich wäre auch ganz schön dämlich gewesen hätte ich ihnen davon erzählt und wenn es nur als simple Frage getarnt gewesen wäre. Der Trick bestand darin einfach sich durch das drücken der Taste null in das laufende Gespräch einzuloggen. Fortschritt durch Technik war nicht das oberste Gebot in unserem Haus was der Grund dieser eigentlich völlig veralteten Telefonanlage mit sich brachte. Nun verfluchte ich sie, meine Eltern und mein Leben. Meine Eltern waren nun schon 24 Jahre verheiratet und es klang immer mehr als wäre die Zeit abgelaufen. Meine Mutter war schwanger mit mir als wir von Deutschland nach Miami zogen zu meinem Vater. Er hatte meine Mutter kennengelernt als er in Dortmund auf Besuch war, in einem Tochterunternehmen seiner Firma. Meine Mutter war Sekretärin und in einem Meeting, schüttete sie ihm einen Kaffee über den Schoß, weil sie sich auf den ersten Blick verliebt hatte. Sie erzählte mir immer wieder diese Geschichte weil ich sie als kleines Mädchen auch immer wieder hören wollte. Ich fand es so herrlich romantisch und hoffte inständig dass auch ich so dem Mann meines Lebens begegnen würde. Mit 15 wusste ich dass man dafür sehr viel Glück brauchte. Mit 18 wusste ich dass ich dieses Glück niemals haben würde und mit 22 hatte ich es abgetan als Märchen, was bis zum heutigen Tag, mit 24, immer noch anhielt. Warum war ich nur für die Semesterferien nach Hause gekommen? Das alles hätte ich mir wirklich ersparen können und doch war ich, tief in mir, irgendwie froh darum hier zu sein. Meine Aufgabe war ganz klar, wenn sich meine Eltern trennten, müsste ich für meinen kleinen Bruder da sein. Ich musste mich wohl oder übel zusammen reisen und aufraffen. Ich wischte mir die Tränen aus dem Gesicht und mit schweren Schritten schaffte ich mich rüber an mein Fenster und setzte mich dort auf die Bank. Wie viele Stunden hatte ich hier schon verbracht um raus in den Himmel zu starren? Auf diesem Weg versuchte ich einen klaren Kopf zu bekommen. Eine Lösung für jedes Problem zu finden oder heulte mich auf Grund von Liebeskummer aus. Jetzt hatte ich aber keine Tränen mehr, denn ich musste stark sein, komme was mochte. Ich merkte wie sich Wut in mir breit machte. Wut auf meinem Vater, dass er offensichtlich so gemein zu meiner Mutter war. Entschlossen stand ich auf, stemmte meine Fäuste in die Hüfte "du wirst uns nicht brechen Papa!" Fauchte ich zum Fenster raus und beschloss erst einmal mit Tylor an den Strand zu gehen. Das war der Vorteil an Miami, allezeit schönes Wetter auch wenn du lieber kotzen würdest. Schnell hatte ich meine Badesachen zusammen und ging rüber in das Zimmer meines Bruders um ihn zu holen.

A little Dream of you and meWo Geschichten leben. Entdecke jetzt