27. Wie Eis in der Sonne

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Die Ellenbogen auf seinen durch den Schneidersitz höheren Knien aufgestützt, das Gesicht in seinen Händen liegend, saß Harry auf seiner Betthälfte, folgte mit seinen mattgrünen Augen jeder meiner Bewegungen, als ich vom Bett aufstand, zu meinem Koffer hüpfte und ein paar, nicht allzu dunkle Kleidungsstücke herauszog.

"Los, aufstehen, anziehen!", forderte ich und warf Harry gleich einen meiner Pullover vom Koffer aus herüber, bevor ich mich auf den Weg ins Badezimmer machte.

"Muss das sein?"

Quengelnd schob Harry seinen Unterkiefer vor und ließ absichtlich sein aufgestütztes Gesicht von seinen Händen gleiten, ließ es dann vollständig hängen.

"Ja, muss sein. Du hast eben gesagt, ich darf dir zeigen, wie schön das Leben sein kann, das kann ich dir nicht zeigen, wenn du in den Federn hängst und pennst."

Harry stöhnte laut auf, ein Augenrollen folgte, dann veränderte aber ein gequältes Lächeln seine müde Fassade.

"Das hat sich fast gereimt."

"Fast", erinnerte ich, bevor ich meine Hand auf die Türklinke der Badezimmertür legte und in den kleinen Raum huschte, um mich fertig zu machen. Ich gab mir sogar tatsächlich ein wenig Mühe bei meinen Haaren, sodass diese nicht aussahen, als wäre ich gerade erst aus dem Bett gestiegen, hastig putzte ich mir auch schnell meine Zähne, sodass ich schon bald fertiggemacht wieder im Zimmer stand.

Harry saß immer noch am selben Fleck auf seinem Bett, starrte mit düsterer Miene auf sein langes Schlafshirt.

"Was hast du überhaupt vor?", wollte er wissen, als sein Blick sich endlich mir und nicht seinem viel zu lockerem Schlafshirt widmen konnte. Ich machte nur eine abwehrende Geste und schenkte ihm ein freches Grinsen.

"Überraschung. Und jetzt mach dich fertig!"

Meiner Meinung nach viel zu langsam und träge krabbelte Harry aus dem Bett, sodass ich mir nicht verkneifen konnte, ein drängendes "schneller bitte" von mir zu geben, wodurch sich der Lockenkopf mit etwas mehr Tempo zum Bad hin bewegte.

In der Zwischenzeit nahm ich mir einmal den Besen, der in der Ecke neben der Badezimmertür stand, und fegte grob durch das Zimmer. Schließlich hatten weder Harry noch ich das Zimmer seit unserem Einzug gereinigt - so sah es zumindest aus - und das grobe Putzen im Zimmer war nun einmal Pflicht.

Aber lange hielt ich es nicht aus, mich wie eine Hausfrau zu verhalten, also lehnte ich den Besen wieder an die Wand und wartete darauf, dass Harry fertig gemacht aus dem Bad kommen würde, was auch nach wenigen Minuten, die ich noch wartend auf dem Bett verbrachte, passierte.

Blitzschnell erhob ich mich und watschelte auf die Zimmertür zu, die ich dann auch schon ungeduldig aufriss.

"Brauchen wir eine Jacke?", fragte Harry mich, eine Jacke in den Händen drehend und wendend, als ich gerade über die Türschwelle trat.

"Wirst du ja sehen."

Achselzuckend trat ich in den Flur und erntete daraufhin einen Blick von Harry, dem man das Erschöpft sein und den schlechten nervlichen Zustand leichter entnehmen konnte, als Bücherzeilen.

"Also was jetzt? Kommst du?", hakte ich nach, denn Harry hatte weiterhin keinen Schritt aus dem Zimmer gemacht, er hatte sich nur eine dunkle WinterJacke übergezogen.

"Ja ja, warte ."

Seine grünen Augen richteten sich wieder nach mir, diesmal richteten sie sich aber eher an mein Gesicht und ich konnte bei dem intensiven Blick Harrys auf mir nicht verhindern, dass mir die Röte ins Gesicht stieg.

Bevor die Sonne untergehtWhere stories live. Discover now