Ich erinnere mich noch gut an den 6. September 2084, der Tag, als ich die Chance bekam, bei dem Projekt SKGB, dem Svalbard-Krisenstab für Genomische Bewahrung, mitzuwirken.
Zu diesem Zeitpunkt hätte ich mir nicht ausdenken können, wie tiefgreifend die Arbeitsgruppe 84 mein Leben verändern würde.
Im Jahr 2020 fror die GitHub-Initiative im Arctic Code Vault auf Svalbard die ersten digitalen Daten auf analogen Filmrollen ein. Doch als sechzig Jahre später der Permafrost zu schmelzen begann und die Filme zu verrotten drohten, wurde aus dem alten Vault das SKGB geboren – und die AG 84 übernahm die Hallen, um die Rettung auf DNA-Ebene fortzusetzen.
Die 70er waren geprägt von Ressourcenknappheit, Öko-Autoritarismus und den massiven Folgen des Klimawandels. Die Menschen waren erschöpft, viele mussten aufgrund unterschiedlichster Faktoren flüchten und lebten in Sorge vor der Zukunft.
2071 erreichte die Menschheit ihren historischen Höchststand von 10 Milliarden.
Der SKGB wurde allerdings aufgrund des beginnenden Massensterbens vor 3 Jahren ins Leben gerufen. Die Welt befindet sich im Zustand maximaler Instabilität, sie ist schlichtweg am Limit ihrer Tragfähigkeit. So kam es im Sommer 2081 zu einem großen Kaskadenversagen der globalen Nahrungskette, der Infrastruktur und dem Gesundheitswesen, das das Leben unzähliger Menschen kostete.
Ich hatte das Privileg, mich beruflich schon viele Jahre zuvor nach Norwegen zurückziehen zu können. Ich arbeitete als Bioinformatiker und Data Engineer für AeroBiomics Global. Dort übernahm ich die globale Metagenom-Überwachung von Luft und Wasser und schrieb dort die Algorithmen, die diese Terabytes an Daten nach Anomalien durchsuchten.
Wir entdeckten dort ein Urzeit-Pathogen. Es handelte sich um ein gigantisches prähistorisches Virus, das seit 120.000 Jahren im Eis schlief. Unsere Modelle zeigten, dass die Oberflächenproteine dieses Virus eine perfekte Passform für die Rezeptoren von Spirulina-7-Max besitzen. Jener genetisch modifizierten Alge, die in den Biosphären-Tanks Nordafrikas und Asiens über 30 % des globalen Proteingehalts für die Weltbevölkerung produzierte.
Sobald das Virus auf die Alge trifft, dockt es an. Die Algenzelle schleust das Virus ein und besiegelt damit ihr eigenes Todesurteil.
Uns war bitter bewusst, welche Auswirkungen das auf die Nahrungsversorgung so vieler Menschen haben würde. Die Regierung hielt diese Entdeckung natürlich unter Verschluss und stellte 3 Jahre später den Krisenstab AG84 aus wenigen Menschen zusammen, die das Projekt SKGB übernehmen sollten. Darunter Dr. Filip Matei Nygaard, ein hochangesehener Biogerontologe, Alba Navarro, eine spanische Bioarchivarin, und meine Wenigkeit, Mihai Carol.
Das Ziel war es, das alte Projekt der GitHub-Initiative wiederzubeleben. Nur dieses Mal mit einer Speicherungsform, die alles überdauern würde.
Das gesamte biologische, wissenschaftliche und kulturelle Erbe der Erde soll mittels hochentwickelter DNA-Digital-Data-Storage-Technologie in künstlich synthetisierten DNA-Strängen verewigt werden. Ein einziges Gramm dieser Flüssigkeit besitzt die nötige Speicherdichte, um die Essenz der Menschheit vor dem Vergessen zu bewahren.
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Ein Gramm Menschlichkeit
Science Fiction1,1 Petabyte Daten. 2 Jahre Zeit. 1 Gramm Synthetische DNA. Im Jahr 2084 bricht die Zivilisation unter ihrer eigenen Last zusammen, doch tief im arktischen Permafrost von Svalbard kämpft ein kleines Forscherteam um das Erbe der Menschheit. Ihr Auftr...
