„Der Junge ohne Namen"

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Die Hauptstadt Lioren war in zwei Regionen geteilt.

Oben erhoben sich weiße Türme in den Himmel, durchzogen von goldenen Bannern — das Reich der Adelsfamilien, geboren für Macht und Schutz.

Unten lag ein endloses Meer aus Stein, Rauch und Schatten — ein Ort, an dem Namen nicht verloren gingen, weil sie nie wirklich existierten.

Dort lebte Riven.

Ein Waisenjunge ohne Haus, ohne Titel, ohne Zukunft.

Nur jemand, der gelernt hatte, nicht zu sterben.

Riven saß auf einer zerbrochenen Treppe zwischen zwei verlassenen Gebäuden.

Der Wind zog durch die Gassen wie ein leises Kratzen im Stein.

Sein Magen war leer, sein Körper müde — aber das war nichts Neues.

Er starrte in den schmalen Streifen Himmel zwischen den Dächern.

Dann hörte er es wieder.

Nicht von außen.

Sondern direkt in seinem Kopf.

„Du bist noch hier... Riven."

Er zuckte sofort zusammen.

„Wer ist da?", flüsterte er.

Stille.

Dann erneut die Stimme:

„Du bist nicht vergessen. Du bist nur verborgen worden."

Riven ballte die Fäuste.

„Hör auf damit..."

Plötzlich veränderte sich die Luft.

Schwere Schritte auf Stein.

Metall klirrte in der Ferne.

Fackeln tauchten die Straße in ein flackerndes Licht.

Ritter des Hauses Valcrest.

Die Menschen verschwanden sofort in Häusern. Türen wurden verriegelt. Fenster geschlossen.

Riven blieb stehen.

Wenn der Adel hier unten war, bedeutete das nie etwas Gutes.

Der Anführer der Ritter sah ihn direkt an.

„Da ist er."

Zwei Ritter bewegten sich auf ihn zu.

Riven wich langsam zurück.

„Ich hab nichts getan!", sagte er sofort.

Der Ritter antwortete kalt:

„Du bist nicht wegen dem, was du getan hast, hier."

Der Anführer hob ein kleines Metallgerät.

Es leuchtete kurz — und stoppte dann abrupt.

Stille.

Dann ein leises Murmeln:

„Keine Signatur..."

Die Ritter wurden sofort ernst.

Der Anführer sprach leiser:

„Einer von den Namenlosen."

Ohne Warnung schlug der erste Ritter zu.

Riven wurde gegen eine Wand geschleudert.

Schmerz explodierte in seinem Körper.

Er fiel auf die Knie.

„Warum ich...?", keuchte er.

Der Ritter hob das Schwert erneut.

„Weil du existierst."

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