Die Ketten schnitten in ihre Haut.
Nicht tief genug, um sie zu stoppen.
Nur tief genug, um sie wach zu halten.
Sie stolperte über den unebenen Boden, fing sich, wurde weitergezogen. Die Hände vor dem Körper gebunden, die Schultern nach vorne gezwungen, der Kopf schwer von etwas, das nicht mehr ganz ihr gehörte.
Die Gänge waren eng.
Roh.
Aus Stein, der nicht glatt war, sondern lebte, als hätte er die Zeit nicht überdauert, sondern in sich aufgenommen. Fackeln steckten in Halterungen entlang der Wände, ihr Licht war unruhig, zuckend, als würde es kämpfen, sich zu halten.
Der Rauch hing tief.
Sie atmete ihn ein.
Und mit jedem Atemzug wurde es schlimmer.
Nicht schwächer.
Stärker.
Etwas pulsierte in ihr.
Nicht ihr Herz.
Etwas anderes.
Es begann in ihrem Bauch, ein dumpfer Druck, der sich ausbreitete, langsam, aber unaufhaltsam, sich nach oben schob, durch ihre Brust, in ihre Arme, in ihren Kopf.
Die Droge.
Sie wusste es.
Sie erinnerte sich.
Und gleichzeitig nicht mehr.
Ihre Gedanken rutschten ihr weg, als würden sie von etwas verdrängt, das größer war, roher, ehrlicher.
Die Hemmung verschwand zuerst.
Leise.
Unauffällig.
Dann die Angst.
Dann alles, was sie zurückhielt.
Was blieb, war etwas anderes.
Wild.
Ungeduldig.
Hungrig.
Sie stolperte erneut, fiel diesmal auf ein Knie, spürte den Schmerz nur kurz, bevor er in etwas anderes überging. Ein Zittern lief durch ihren Körper, kein Zeichen von Schwäche, sondern von etwas, das sich sammelte.
In ihr tobte etwas.
Kein Gefühl.
Ein Zustand.
Wie ein Vulkan, der nicht mehr lange stillhalten konnte.
Die Ketten wurden gelöst.
Sie merkte es kaum.
Ihre Hände fielen nach unten, doch sie fühlten sich nicht frei an. Nichts fühlte sich mehr an wie vorher.
Die Tür vor ihr wurde geöffnet.
Schwer.
Langsam.
Mit einem Geräusch, das sich durch den Raum fraß.
Sie wurde hineingestoßen.
Der Raum war groß.
Zu groß für das, was sich darin bewegte.
Gestalten standen im Halbdunkel, um sie herum, kaum klar zu erkennen, und doch war ihre Präsenz erdrückend. Sie bewegten sich nicht viel, aber sie waren da, und das reichte.
Dann trat eines von ihnen nach vorne.
Größer als die anderen.
Breiter.
Sein Körper wirkte nicht wie gewachsen, sondern wie geformt für etwas, das mehr brauchte als Menschlichkeit.
In seiner Hand hielt er ein Messer.
Die Klinge schimmerte.
Blau.
Nicht hell.
Nicht blendend.
Eher wie ein Licht, das von innen kam.
Er kam näher.
Sie wich nicht zurück.
Sie konnte nicht.
Oder wollte nicht.
Seine Hand griff nach ihrem Gesicht.
Fest.
Unvermeidlich.
Die Klinge berührte ihre Haut.
Ein Schnitt.
Dann noch einer.
Und noch einer.
Sie spürte das Blut, warm, lebendig, doch es war kein Schmerz, der sie zurücktrieb. Es war etwas, das sie antrieb.
Er nahm das Blut mit den Fingern auf.
Und begann, es auf ihrem Gesicht zu verteilen.
Linien.
Formen.
Langsam.
Präzise.
Als würde er etwas nachzeichnen, das längst feststand.
Ihre Atmung wurde schneller.
Unruhiger.
Das Pulsieren in ihr wurde stärker.
Dann hob er die Hand.
Und berührte ihre Stirn.
Dort war es.
Das Dreieck.
Blau.
Leuchtend.
Es brannte nicht.
Und doch war es da.
Er zog mit ihrem Blut Linien darum, umrahmte es, machte es sichtbarer, als wäre es nicht genug, dass es existierte.
Die Gestalten um sie herum begannen zu reagieren.
Erst leise.
Dann lauter.
Ein Geräusch, das kein einzelner Laut war, sondern viele, die sich überlagerten. Ein Ruf, der nicht gesprochen, sondern ausgestoßen wurde.
Alt.
Roh.
Und voller Bedeutung, die sie nicht verstand.
Oder doch.
Irgendetwas in ihr verstand.
Zu gut.
Das Messer verschwand.
Stattdessen drückte er ihr etwas in die Hand.
Gewicht.
Kalt.
Vertraut und fremd zugleich.
Eine Waffe.
Ihre Finger schlossen sich darum, ohne dass sie es bewusst tat.
Der Griff fühlte sich richtig an.
Zu richtig.
Die Stimmen wurden lauter.
Der Raum enger.
Oder sie größer.
Die Tür hinter ihr öffnete sich.
Langsam.
Ein Spalt.
Dann weiter.
Dahinter lag Dunkelheit.
Und etwas darin.
Sie atmete ein.
Tief.
Und zum ersten Mal seit langer Zeit war da ein klarer Gedanke.
Nicht viele.
Nur einer.
Sie wollte nicht fliehen.
Nicht verstehen.
Nicht zurück.
Nur eines.
Töten.
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