Drei Nächte.
So lange habe ich nicht mehr richtig geschlafen.
Die Stadt unter mir summt wie ein Bienenstock. Autos, Stimmen, Schritte. Jedes Geräusch lässt mich zusammenzucken. Ich hatte gehofft, dass ich das endlich hinter mit lassen kann, wenn ich in eine andere Stadt ziehe, doch diese Umgebung trägt nicht unbeding dazu bei, dass ich mich wohl fühle.
Eine Wohnung, perfekt für Kunststudenten, so stand es in der Anzeige. Wenn Kunststudenten auf Dunkelheit und Staub stehen, stimmt das sogar. - Das tun sie nicht, das kann ich versichern. Vielleicht kommt das noch wenn ich ein paar Semester länger studiere, ich bezweifel es aber sehr. Wenigstens sind es nur 2 Minuten zu Fuß bis zur Uni, aber der Gedanke hilft auch nicht, um mir das alles hier schönzureden.
Ich ziehe die schweren Vorhänge auf, um die Morgen Sonne rein zu lassen, doch fühle mich dadurch noch unwohler, obwohl so endlich etwas Licht durch das einzige Fenster meiner 15m² Wohnung herein strömt.
Trotz des unguten Gefühls, beobachtet zu werden lasse ich die Vorhänge offen um meine tiefen Augenringe abzudecken und mich fertig für den ersten Tag an der Uni zu machen.
Auf dem Weg zum einzigen Ort, auf den ich mich momentan freue, drehe ich mich drei mal um, damit ich meine verräterischen Gedanken beruhigen kann. Da ist niemand, dich kann hier keiner kennen, rufe ich mir immer wieder in Erinnerung, bis ich endlich vor dem wunderschönen Gebäude angekommen bin, welches mein Ziel war, seit ich 5 Jahre alt bin. DIE Kunstakademie. Es ist so viel schöner als auf den ganzen Fotos. Die Größe wirkt etwas Bedrohlich und einschüchternd, genau wie die Steintürme, die an ein Schloss erinnern und trotzdem zieht dieses dunkle, angsteinflößende Gebäude mich magisch an. Am liebsten würde ich sofort anfangen, es zu malen, jedes Geheimnis und jede verbrogene Ecke aufzudecken. Man kann Geheimnisse so viel besser malen als Transparenz, weil es immer etwas neues zu entdecken gibt. Jeder dunkle Fleck erzählt eine Geschichte.
Da ich tatsächlich noch Zeit habe, packe ich meinen Skizzenblock aus und mache eine schnelle Skizze im stehen von den eindruckvollsten Dingen, die mir sofort auffallen, als jemand mich anrempelt, weshalb ein langer dicker Strich über meiner Zeichnung auftaucht. Ich seufze laut und sehe genervt auf.
Vor mir steht ein großer Mann, bestimmt anderthalb Köpfe größer als ich, mit dunkel blauen Augen, wie die tiefen des Meeres und so schwarzen Haaren, dass sie fast das Licht um sich herum zu verschlucken scheinen. Er steht mir so nah, dass ich nur meine Hand hätte ausstrecken müssen um seine Muskeln zu berühren, die unter seinem schwarzen, engen T-Shirt leicht hervorstechen.
Er steht einfach nur da und schaut mich an, mit so einem intensiven Blick, dass ich das Gefühl habe, ihn zu kennen. "Sorry" sage ich und weiß gar nicht, wieso ich mich entschuldige. Er hat mich angerempelt, da sollte er sich ja wohl bei mir entschuldigen.
"Mir gefällt die Intensität, die in deiner Zeichnung steckt. Man könnte meinen, du versuchst in sie zu entfliehen, damit die Realität dich nicht einholt." Wenn er wüsste... "Ich bin übrigens Adrian Vale, Dozent für Kunsttheorie." sagt er und streckt mir seine Hand hin. Er steht immer noch so nah bei mir, dass ich sein Parfüm riechen kann - Leder, Rauch und etwas unaussprechliches, leicht süßliches, was mich verwirrt.
"Eleni" ... wie war noch mal mein Nachname? Ich greife seine Hand und sie ist angenehm warm, obwohl sein Äußeres eher scharfkantig und kalt wirkt. Er erinnert mich an das Gebäude hinter ihm. Dunkel, voller Geheimnisse, zu interessant um sich abzuwenden. Wie gerne würde ich diese vollen Lippen und diese perfekte Nase jetzt zeichnen.
"Freut mich sehr, Eleni."
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Die Kunst, dich zu zerstören - DARK ROMANCE
RomanceIch war mir sicher, dass mich jemand beobachtet. Das Gefühl trügt einen nie. Ist der Mann, vor dem ich mich fürchte gleichzeitig derjenige, den ich am meisten will? Wenn ja, dann ist es lange zu spät, um herauszufinden, wo Angst endet und Liebe beg...
