Ein stechender und zugleich pochender Schmerz war das erste, was ich spürte, als ich langsam zu mir kam.
Als hätte man mir ein glühendes Messer in den Kopf gesteckt.
Vorsichtig fasste ich mir an den Kopf, um mich zu vergewissern, dass dies doch nicht der Fall war. Doch ich griff nur in meine langen, zerzausten Haare, die mir wie ein Schleier ums Gesicht fielen.
Wo bin ich hier ,schoss es mir durch den Kopf, während ich versuchte, mich aufzurichten.
Der harte und kühle Boden ließ mich spüren dass sich fester Grund unter mir befand, während mein ganzer Körper sich wie taub anfühlte.
Ich kniff meine Augen zusammen und ließ meinen Blick umher gleiten, indem ich Mühe hatte etwas zu sehen, da die furchtbaren Kopfschmerzen mich nicht klar denken ließen.
Ein dunkler Raum, Holzbretter auf dem Boden, ein Lichtstrahl, der aus einem zerbrochenen Fenster hindurch lugte. Irgendwo tropfte Wasser in einem gleichmäßigen Takt auf den Boden und gab dabei ein plätscherndes Geräusch von sich.
Erst jetzt bemerkte ich das kleine, leere Fläschchen in meiner Hand, das etwas gesprungen war.
Ich runzelte die Stirn.
Was ist bloß passiert?
Ich stellte das Fläschchen auf den Boden ab und versuchte langsam aufzustehen.
Meine zitternden Hände ignorierend, griff ich nach einem alten zerfallenen Holzschrank, an dem ich mich versuchte hochzuziehen.
Als würden die Beine nicht zu meinem Körper gehören, gaben sie nach und ich verlor das Gleichgewicht.
"Verdammt, komm schon."
Wieder griff ich nach dem Holzschrank und startete noch einen Versuch. Diesmal schienen meine Beine begriffen zu haben, dass sie zu mir gehörten. Ich wagte es nicht, einen Schritt nach vorne zu machen, ich war mir sicher, dass ich dann wieder von vorne beginnen konnte.
Einen Augenblick lang stand ich nur da und versuchte wieder ein Gefühl für meinen Körper zu bekommen.
Wieso weiß ich nicht mehr, wie ich hierhergekommen bin? Oder... Was weiß ich denn überhaupt noch?
Ich schloss die Augen und versuchte meine Gedanken zu sammeln. Irgendwie wollte mir nichts einfallen. Und zwar überhaupt nichts.
Komm schon, erinnere dich!
Krampfhaft versuchte ich, irgendetwas in meinem Kopf wieder hervorzubringen, aber es gelang mir einfach nicht. Ich schüttelte den Kopf.
Nein, es muss an den Kopfschmerzen liegen.
Versuchte ich mich zu beruhigen und atmete erstmal tief ein und aus. Ich brauchte frische Luft.
Vorsichtig machte ich einen Schritt nach vorne und als ich mir sicher war, dass ich nicht sofort wieder umknicken würde, stieß ich mich vom Schrank ab und ging weiter.
Selbst diese wenigen Schritte kosteten mich eine Menge Kraft und ich musste mich zusammenreißen, um mich nicht sofort wieder hinzulegen.
Ich musste hier raus.
Das Haus in dem ich war, musste wohl ein altes leerstehendes Gebäude gewesen sein, das mal abgebrannt ist, denn überall lagen irgendwelche abgebrannten Holzbretter und die Decke war schwarz und etwas löchrig an einigen Stellen.
Ich ging entlang der Wand, um mich etwas abzustützen und war froh, als ich sah, dass die Tür nicht so weit entfernt war.
Das helle Tageslicht bohrte sich wie kleine Messerstiche in meine Augen und ich kniff sofort die Augen zusammen, um nicht erneut umzukippen.
Die frische Luft, die mir entgegen wehte, tat so unglaublich gut, dass ich erstmal innehielt und einfach nur atmete.
Der pochende Schmerz in meinem Kopf schien etwas abzuklingen.
Langsam öffnete ich wieder die Augen und versuchte mich an das Tageslicht zu gewöhnen.
Ein langer zugewachsener Feldweg mit ein paar einzelnen Bäumen kreuzten mein Sichtfeld.
Ich kannte diesen Ort.
Irgendetwas an diesem Ort kam mir vertraut vor.
Aber was und woher?
Auch das wollte mir nicht einfallen.
Kraftlos und ergebend ließ ich mich auf die schmutzige, von Blättern bedeckte Veranda des Hauses nieder.
Was nun? Wie mache ich weiter?
Ich vergrub meine beiden Hände in meine Haare und versuchte, einen klaren Kopf zu bekommen.
Ich weiß nicht, wie lange ich da saß.
Minuten? Vielleicht Stunden?
Das Zeitgefühl hatte ich vollkommen verloren.
Das einzige was ich wusste war, dass der kühle Wind mir wie ein Mantel um die Schultern wehte und mir ein Gefühl von Sicherheit gab.
Er gab mir das Gefühl, als würde die Zeit doch noch irgendwie funktionieren.
Als würde sie sich im Wind fortbewegen.
Ich brauchte irgendeinen Anhaltspunkt.
Irgendwo musste ich anfangen zu suchen.
Was suchen und warum, wusste ich nicht, aber rumsitzen und weiter rätseln, brachte mich nicht weiter.
Also stand ich wieder auf und ging zurück ins Haus.
Irgendwie musste ich ja hierher gekommen sein, das heißt, es müsste doch bestimmt etwas geben, was ich dabei hatte oder einen anderer Hinweis darauf, warum ich hier gelandet bin.
Ich betrat erneut das alte Haus und schaute mich genauer um.
Viel gab es nicht zu sehen, außer die alten verkohlten Möbel und das ganze Chaos, das hinterlassen wurde.
Das kleine gläserne Fläschchen auf dem Boden fiel mir wieder ins Auge.
Das war scheinbar das einzige, was ich dabei gehabt haben muss.
Ich kniete mich hin und hob es auf.
"Okay, dann werde ich wohl damit arbeiten müssen.", sprach ich laut meinen Gedanken aus und schaute mir das leere Fläschchen genauer an.
Den Inhalt muss ich wahrscheinlich getrunken haben, das muss wohl der Grund für meine furchtbaren Kopfschmerzen sein.
Vorsichtig roch ich daran und musste sofort mein Gesicht verziehen.
Poah, war das ein starker Geruch. Es biss sich sofort in meine Nase und trieb mir die Tränen in die Augen.
Was habe ich da bloß getrunken?
Plötzlich nahm ich ein leises, kaum wahrnehmbares Geräusch wahr, als würde jemand über den Boden schleichen.
Ruckartig drehte ich mich um.
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Endless Time
Short StoryEvren wacht in einem abgebrannen verlassenen Haus, ohne jegliche Erinnerungen auf. Das Einzige was sie bei sich hat, ein kleines leeres Fläschchen... Auf der Suche nach Antworten begegnet sie einem mysteriösen Mann, der etwas vor ihr zu verbergen sc...
