Ein unangenehm lautes Schellen weckt mich aus meinem gemütlichen Schlaf. Mit einem kurzen Griff schalte ich es aus, dreh mich um und schlafe weiter. Ich hatte gerade eine lange, nicht beneidenswerte Nachtschicht in der Bar hinter mir. Doch kaum bin ich wieder im Halbschlaf, läutet es schon wieder. Wieder wollte ich die Seitentaste meines iPhones drücken, damit das nervige Klingeln aufhört, doch ich bin ausgerutscht und das Telefon liegt nun am Boden, doch das soll mir recht sein, denn es gibt keine Töne mehr von sich. Gerade als ich mich wieder in die Decke eingekuschelt habe, fällt mir auf, dass doch ein Geräusch aus meinem Handy kommt. Nein, kein Geräusch. Es ist eine Stimme. Ich nehme das Telefon vom Boden auf und halte es an mein Ohr, da höre ich schon die Stimme meiner besten Freundin. «Hallo Rin. Wie geht's dir?» trällert Ayame in mein Ohr. «Guten Morgen, Ay. Es könnte mir besser gehen. Zum Beispiel, wenn mein Handy mich nicht aus dem Schlaf reisst.» erwidere ich weniger gut gelaunt. «Was heisst hier guten Morgen? Es ist fast 13:00 Uhr. Ich wollte mich nur vergewissern, dass du unser Abendessen nicht vergessen hast.» sagte sie mit einer gespielt strengen Stimme. «Ich habe bis vier Uhr gearbeitet und danach den Laden noch aufgeräumt, also, doch es ist Morgen. Und natürlich habe ich das Treffen nicht vergessen. Kannst du mir noch die Adresse und die Zeit durchgeben?» erklärte ich mich. «Na klar, schicke ich dir gleich beides. Ich lasse dich dann noch weiterschlafen. Du kannst mir dann später davon erzählen. Bis später.» Mit diesen Worten drückt Ayame auch schon auf die rote Taste des iPhones.
Grundsätzlich bin ich ein Morgenmensch, ausser wenn ich eine lange verschissene Nachtschicht hatte. Zum Glück hat Ayame sich langsam daran gewöhnt, dass ich mich immer wieder bei ihr auskotze. Mit diesem Gedanken und einem Lächeln auf den Lippen schlafe ich schliesslich wieder ein. Als ich gegen den späteren Nachmittag aufwache, leuchtet bereits die Nachricht von Ayame auf meinem Display auf: «Wir treffen uns um 20:00 Uhr bei Kaizen Sushi in Shibuya.» Nachdem ich mich endlich dazu überwunden habe, aus meinem warmen Bett zu steigen, laufe ich in Richtung Küche, um etwas zu essen.
Auf dem runden Tisch lag ein kleiner Zettel: «In der Pfanne auf dem Herd hat es noch Miso Suppe übrig. Reis hat es auch noch. - Mama» Ich gehe zum Herd, wärme die Suppe auf und bereite mir zusätzlich noch Rührei zu. Als das Ei fertig ist, fülle ich mir etwas Suppe und Reis in eine kleine Schale und trage diese zum Tisch. Nachdem ich aufgegessen habe, räume ich das dreckige Geschirr in die Spülmaschine. Ich steige die Treppe wieder hoch und öffne die Tür des Badezimmers. Den Pyjama ziehe ich aus, werfe ihn in den Wäschekorb und steige unter die Dusche. Ich lasse das kalte Wasser über meinen Körper gleiten. Meine Muskeln spannen sich an, als das Wasser sie erreicht und der violette Bluterguss um meinen Arm gleicht einem Ring, der sich um meinen Oberarm ziert. Nachdem ich Haare und Körper gewaschen habe, steige ich aus der Dusche und trockne mich ab. Vor meinem Schrank suche ich mir eine bequeme graue Jogginghose und ein zu grosses weisses Shirt.
Ich lege mich auf mein Bett und schaue mir die MMA-Kämpfe vom letzten Abend an, welche ich wegen meiner Schicht verpasst hatte. Kaum sind die Kämpfe vorbei, schalte ich den Fernseher aus und begebe mich ins Bad, um mich für das Abendessen mit Ay fertig zu machen. Ausserdem nerve ich mich immer noch, dass mein Favorit des Kampfes diesen wegen eines Knockouts verloren hatte. Ich binde mir die langen, dunkelbraunen Haare zu einem Pferdeschwanz nach hinten und schminke mich dezent. Ich ziehe mir einen schwarzen Pullover und eine hellblaue baggy Jeans mit weissen Sneakern an, dazu meine schwarze Lederjacke.
So gleich mache ich mich auch auf den Weg, damit ich die Metro nach Shibuya noch rechtzeitig erreiche. Nach gut einer halben Stunde bin ich endlich in Shibuya angekommen. Die Sushi-Bar ist nur einen viertelstündigen Fussweg entfernt, daher laufe ich den restlichen Weg zu Fuss. Vor dem Restaurant warte ich wieder einmal auf Ayame, die sich wie üblicherweise verspätet. «Sorry, mein Bus hatte sich durch den Verkehr verspätet.» entschuldigt sie sich. «Uh, diese Ausrede hast du das erste Mal benutzt.» witzelte ich und nehme sie zur Begrüssung in den Arm. Wir laufen zum reservierten Tisch und nehmen Platz.
Wir bestellen uns eine Sushi-Platte für zwei Personen, ausserdem noch eine grosse Flasche Wasser. Während wir auf das Essen warten, durchbrechen Ayames Worte die Stille: «Rin. Willst du darüber reden?» «Worüber reden?» frage ich, obwohl ich genau weiss, worauf sie hinauswill. «Was ist gestern bei der Arbeit passiert?» Ich nehme einen Schluck vom Wasser, das mittlerweile angekommen ist, danach einen tiefen Atemzug und beginne mich bei ihr auszukotzen.
«Alles fing damit an, dass Hinata sich wieder einmal abgemeldet hat, deshalb waren wir nur zu zwei an der Bar. An einem Samstagabend. Bedeutet die Bar war rappelvoll. Ich habe mir den ganzen Abend mit Akito zusammen den Arsch aufgerissen, damit wir das zu zweit irgendwie hinkriegen. Was auch gut funktioniert hätte, wenn er nicht aufgetaucht wäre.» Bevor ich weiterreden konnte, fiel mir Ay ins Wort «Was? Shinya ist schon wieder gekommen? Hatte dein Vater ihm nicht Hausverbot gegeben?» Ich nickte nur. Shinya ist mein Ex-Freund, welcher mich betrogen und verarscht hatte. Er kam immer wieder in die Bar, um mir zu drohen, dass ich ohne ihn nichts bin und nichts kann, dennoch schenkte ich seinen Worten kein Gehör, was ihn umso wütender machte, ausserdem schien es seine Begierde, mich leiden zu lassen, nur noch zu stärken. Jemanden wie ihn brauchte ich in meinem Leben nicht und auch sonst braucht niemand so jemanden wie ihn. Als er schliesslich begann, immer wieder Aufstände in der Bar meines Vaters zu veranstalten, warf dieser ihn raus und gab ihm Hausverbot. «Mein Vater war gestern nicht im Laden und da wir nur zu zweit waren, hatten wir keinen Überblick, wer in die Bar ein- und aus marschierte. Ausserdem kam er erst gegen Ende der Schicht, da war ich sowieso schon rotze voll, weil mir die eine Gruppe Mädels permanent Shots ausgegeben hat. Jaja, spar dir die Predigt, am Ende ist ja alles gut gekommen. Wie auch immer, er kam mit der üblichen Leier, dass ich ihn brauchen würde und wir nur zusammen Sinn ergeben würden. Ausserdem hat er mir noch gedroht, dass ich es mir überlegen soll, da es gut sein könnte, dass ich plötzlich in eine Seitengasse gezogen werde und sonst was mit mir geschieht. Jedoch hat er nach dieser Aussage einen ordentlichen Tritt zwischen die Beine kassiert und wurde von Akito nach draussen gebracht. Keine Sorge, Ay. Ich war zu diesem Zeitpunkt wieder nüchtern und konnte mich gerade noch beherrschen, nicht weiter auf ihn einzuschlagen. Aber durch seinen festen Griff, trage ich jetzt diese Kacke mit mir rum.» und zeigte auf meinen Arm.
«Nun zu etwas anderem. Es ist echt schön, dich wiederzusehen. Wirklich, das freut mich auch echt, aber warum hast du mich hier hinbestellt und gemeint, es gibt was wirklich, wirklich Wichtiges zu besprechen?» beendete ich meinen Satz. «Also es ist so ...» Ayame wurde gerade vom Kellner unterbrochen, welcher uns das Essen zum Tisch brachte.
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beyond control
Teen FictionKontrolle. Die durfte Rin bei der Arbeit nie verlieren. Sei es in der Bar oder bei ihren Aufträgen. «Leute in unserer Branche leben nicht lange, wenn sie sich auf ihr Schicksal verlassen» hallten die strengen Worte ihres Vaters in ihrem Kopf nach. ...
