1. Kapitel

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Ich war gelangweilt. Das war schlecht, denn aus Langeweile wurde ich kreativ und oftmals schaffte ich es nicht diese Inspiration richtig einzusetzen. Meist entstanden Szenen in meinem Gehirn, die andere gefährdeten. Aber ich konnte nichts dagegen tun, es war als ob eine andere Seite von mir die Kontrolle übernahm. Dieser Teil von mir wollte Rache und Schmerzen zufügen. Genau in schwachen Momenten wie diesen, versuchte er wieder an die Oberfläche zu gelangen und mein Bewusstsein zu benebeln. Aber diesmal wollte ich dem nicht hingeben, es war erst kurz nach Mittag, keine gute Zeit um auf die Suche zu gehen. Ich musste mich ablenken, Zeit schinden, bis zum Abend musste ich durchhalten.

Also verließ ich meinen Platz auf dem Balkon, wo ich die treibende Menschenmenge unter mir beobachtet hatte. Ich umrundete die marmorierte Kücheninsel meiner Wohnküche und machte mir auf der anderen Seite der Arbeitsplatte einen schwarzen Kaffee, den ich, sobald er durch die Maschine gelaufen war, mit in mein Atelier nahm. Es war ein lichtdurchflutetes Zimmer, das, vollgestopft mit Leinwänden, mein Lieblingsplatz und Rückzugsort war. Hier verwandelte ich meine Kreativität in Kunst, wenn ich meiner anderen Seite nicht nachgab. Oder wenn ich, wie gerade heute, sonst nichts zu tun hatte.

In die Arbeit konnte ich nicht, wo ich mich sonst hineingestürzt hätte. Denn ich war zum Urlaub verdonnert worden, zu viele Überstunden wurden wohl nicht gern gesehen. Langsam aber sicher wurde ich unruhig. Den Vormittag über hatte ich schon mein Bücherregal umsortiert, einmal nach Farbe, nach Erscheinungsdatum und nach Alphabet des Autors und Titels. Ich fühlte mich nicht besser. Die ganze Woche über hatte ich mich erfolgreich beschäftigt, indem ich alle neuen Kunstausstellungen besichtigt hatte. Eine Oper, die gerade durch London tourte, hatte ich schon zweimal gesehen. Vier Bilder fertig und mehrere neue Projekte angefangen später, wollte ich immer noch dem Druck nachgeben. Ich könnte in den Urlaub fahren, aber wem machte ich hier eigentlich etwas vor, ich hasste verreisen. Koffer packen, sich stundenlang in irgendein Fortbewegungsmittel zu setzen um irgendwo, wo es entweder zu kalt oder zu warm war auszusteigen. Um wieder alles auszupacken und nach mehreren Tagen gefüllt mit Essen, herumlaufen, rumliegen und unendlichen Fotos schießen, alles wieder einzupacken und heimzufahren. Es gab nichts sinnloseres und zudem war es unglaubliche Geldverschwendung. Nirgendwo war es groß anders, als da wo man schon wohnte.

Ich stoß gepresst die Luft aus und griff zu sauberen Pinseln und einer Farbpalette um mich an das, vorgestern angefangene, Bild am Fenster zu setzen, dass bis jetzt nur ein wolkenverhangenen Himmel zeigte. Schnell fand ich ein geeignetes Motiv, eine junge Frau, die im Sommerkleid an der Themse saß und auf ihr Handy schaute, die als Vorbild diente. Ich nahm mir erst die unruhige Themse an diesem verhangenen Sommertag vor, mit weiteren feinen Pinselstrichen hatte ich in kurzer Zeit ihre Silhouette auf die Leinwand gebracht. Langsam entspannte ich mich und erlaubte mir mich nur noch auf das entstehende Kunstwerk vor mir zu konzentrieren. Ich nahm ein Schluck von meinem Kaffee der vor mir auf der Fensterbank stand. Den Pinsel in Fuchsia getaucht, begann ich die Haare auszuarbeiten, um sie mit einem kräftigen rotviolett abzurunden. Als nächsten Schritt, nahm ich mir dass hellblaue Sommerkleid mit den winzigen violetten Blumen vor, das sanft im Winde flatterte und sich perfekt um die Kurven der Frau schmiegte. Nach einigen Stunden war ich mit meinem Werk zufrieden, mein Model war schon vor langer Zeit ihrer Wege gegangen. Ich arbeitete noch mit Highlights und Schatten, um die Illusion zu perfektionieren. Big Ben schlug gerade halb neun, als ich die Pinsel endgültig beiseite legte. Ich beschloss kurzerhand heute auszugehen. Oder war es mein innerer Druck der jetzt wieder stieg? Nach einer schnellen Dusche zog ich mich an und machte mich auf den Weg zu einer der überfüllten Bars in der Innenstadt. Meine Alter Ego hatte ein Ziel, eine neue Ablenkung finden.

Einige Stunden waren vergangen und ich saß mit einem Whiskey in der Ecke der Bar und beobachtete die schunkelnde Menschenmenge. Die Luft um mich herum war stickig und gefüllt mit typischer Pub Musik und dem Geruch von Alkohol. Eigentlich war mir hier drinnen viel zu viel los und jetzt strömten immer mehr Menschen in den kleinen Pub, es hatte anscheinend angefangen zu regnen. Ich hielt mein Glas fester und rutschte mit meinem Stuhl näher Richtung Wand um der trampelten und betrunkenen Masse zu entkommen. Zwei Jungs schätzungsweise etwas jünger als ich, gesellten sich mit der Zeit zu mir, ich ignorierte sie gekonnt. Diesem oberflächlichen Gespräch wollte ich wirklich nicht beiwohnen. Ihre Gesprächsthemen beschränkten sich, sowie ihr IQ, auf Fußball und die Körbchengrößen der vorbeilaufenden Mädchen, währenddessen kippten sie sich ein billiges Bier nach dem anderen runter. Immer wieder scannte ich den Eingangsbereich, wo für die meisten eine ereignisreiche Nacht endete, oder erst begann. Ich schwenkte mein Whisky im Kristallglas und versuchte mich zu entspannen. Meine andere Seite wurde zunehmend unruhiger, ich saß schon eine halbe Ewigkeit in diesem Pub und nichts! Niemand war durch diese Tür gekommen, der annähernd meiner Zufriedenheit entsprach, mit dem ich etwas anfangen konnte. Ich wollte schon aufgeben und mir meinen Weg zurück zum Eingang bahnen, als zwei Mädchen durch die Tür gestolpert kamen. Die linke hatte sofort meine ganze Aufmerksamkeit. Sie war perfekt! Ich fühlte wie die zweite Seite, die ich die ganze Woche unterdrückt hatte zur Oberfläche stieg und alles einnahm.

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Hallo liebe Leser*innen,
Ich hoffe ihr seid schon gespannt Darian kennen zu lernen. Ich werde das Buch hauptsächlich aus seiner Sicht schreiben, weil erstens einfach mal was anderes und zweitens er der interessantere Character der beiden ist. Alanas Sicht bekommt ihr durch Tagebuch Einträge und Textnachrichten, mal schauen wie ich das so umsetze. Ich bin ziemlich neu hier, deshalb habt Geduld und gibt mir gerne Kritik und Verbesserungen in den Kommentaren.

Ich schreibe gefühlt schon seit ich lesen und schreiben kann, dass hier wird die erste Geschichte die ich veröffentliche. Also lasst euch überraschen.

Eure Xenia

Killing LoveStories to obsess over. Discover now