Jeder behauptet fähig zu sein, zu wissen was andere fühlen, denn mit ihnen zu fühlen ist toll. Ich kann immer feststellen wann jemand lügt, also werde ich nie verarscht. Klar das sollte was tolles sein, richtig? Oh wie falsch man damit liegt...
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PIEP! PIEP! PIEP!
Ich wachte durch das Geräusch meines Weckers auf und setzte mich langsam hin, den Schlaf aus den Augen reiben. Ich gähnte und rollte aus dem Bett, zu faul um für ein paar Minuten aufzustehen. Eventuell wurde mir auf dem Boden langweilig also stand ich auf um mich für meinen Job in dem Café der anderen Stadtseite fertig zu machen.
Jeder Tag ist gleich. Aufstehen, arbeiten, versuchen nicht unter den Emotionen der anderen zusammenzubrechen, nach Hause gehen und mich hinlegen. Ich bin fast immer müde, denn alles zu fühlen kann ganzschön anstrengend werden. Aber ich komme klar, unter anderem durch meinen 12 Stunden Schlaf.
Nachdem ich mich angezogen und frisch gemacht habe, ging ich die Treppe runter in die Küche um zu frühstücken. Ich esse nie etwas besonderes oder aufwendiges, meistens Toast oder Müsli. Heute entschied ich mich für Toast, um wie immer alleine zu essen.
Es ist ziemlich einsam hier seit meine Mutter gestorben ist. Sie war die einzige Familie die ich hatte und auch die einzige die mir nah stand. Ich hab nicht wirklich Freunde, es ist schwer die ganze Zeit mit Menschen zu verbringen. Man muss ihnen immer seine Aufmerksamkeit schenken und darf sie nicht für Tage ignorieren, denn Menschliche Interaktion verbraucht einfach zu viel Energie.
Ich aß leise mein Frühstück und machte den Abwasch bevor ich auf Arbeit ging. Ich nahm meine Schlüssel und schlüpfte in meine Schuhe, bevor ich aus meinem Haus und zum Auto lief.
Die Fahrt war leise. Ich hatte das Radio nicht eingeschaltet also war mein Atmen und der Motor das einzige was man hörte. In weniger als zehn Minuten war ich dah und ich seufzte als ich parkte, wissend das der entspannte Teil des Tages bald vorbei seien würde.
Ich lief in das Café, in welchen ich von meinem Boss, Seokjin hyung, begrüßt wurde. "Guten Morgen Jimin." Ich wollte nicht unhöflich sein, also antwortet ich mit einem höflichen: "Guten Morgen, Hyung." Seokjin lächelte mich an, welches ich einfach erwiedere, bevor er mir meinen heutigen Auftrag erklärte. "Ich möchte das du heute an der Kasse arbeitest, Taehyung ist krank." "Kein Problem Boss, richten sie ihm eine gute Besserung von mir aus."
In wirklichkeit war das ein Problem, aber das würde ich ihm nicht sagen. An der Kasse zu arbeiten bedeutete menschliche Interaktion, viel mehr als mein gewöhnliches Tische wischen. Ich ging in die Umkleide um meine Schürze anzuziehen und meine Sachen in einer der Spinde zu verschließen.
Seokjim hyung öffnete das kleine Café ein paar Minuten nachdem ich wieder zurück war. Es dauerte nicht lang ehe die ersten Leute das Gebäude betraten, auf der Suche nach Frühstück oder einen Kaffee vor der Arbeit oder der Schule. Ich nahm die Bestellungen vieler Leute, wobei ich darauf achtete ihnen möglichst wenig in die Augen zu schauen ohne unhöflich zu wirken.
Selbst mit der größten Anstrengung hatte ich es trotzdem geschafft meine Laune um die 20 mal zu ändern. Und das gerademal bis Mittags. Nach weiteren 2 Stunden saß ich an der Kasse, wobei ich müder und müder wurde, je mehr Leute ich sehen musste.
Als es endlich Zeit für meine Pause wurde setzte ich mich nach hinten und starrte Löcher in die Luft, dachte an nichts und das für ganze 10 Minuten. Es mag vielleicht komisch klingen, aber war das beste was ich zum entspannen tun konnte. Du musst nichts fühlen wenn du einfach nur existiert. Ich hatte danach immer ein wenig mehr Energie, dementsprechend ging ich danach ein wenig motivierter an die Arbeit.
An sich verlief der Tag genauso wie immer, bis auf die letzten 10 Minuten bevor meine Schicht endete. Ein Junge, vielleicht ein paar Jahre jünger als ich, betrat das Café und kam zu mir um etwas zu bestellen. Er hatte Rabenschwarze Haare und einen müden Gesichtsausdruck. Selbst seine schlafen, halb geschlossenen Augen änderten nichts daran das er es immernoch schaffte wunderschön auszusehen. Seine Augen schienen Geheimnisse zu Bergen welche ich lüften wollte, durch einen einfachen Blick in sie.
Er war anders, anders als die anderen Leute mit denen ich zu tun hatte. Er wirkte viel interessanter als der Rest.
Langsam erreichte er den Tresen und sah unmotiviert über die Speisekarte. "Könnte ich bitte ein Karamell Macciato?" "Sicher. Das macht 3 Dollar."
Ich versuchte ihn dazu zu bekommen mir in die Augen zu sehen als er das Getränk bezahlte, aber es funktionierte nicht. Ich gab ihm also kurzerhand sein Wechselgeld und sagte ihm er solle auf der anderen Seite des Tresen warten. Ich brachte ihm sein süßes Getränk und endlich sah er mir in die Augen, als ich es ihm gab.
Aber konnte ich in seinen Augen nichts außer meiner eigenen Reflexion erkennen. Ich fühlte garnichts was von ihm ausgehen könnte, garnichts. Es war wie als würde ER nichts fühlen...
Der Junge verließ das Café sobald ich ihm das Getränk gegeben hatte und ich stand lediglich da und starrte in den Raum bis meine Schicht zuende war. Als sie endlich zuende war ging ich zurück in die Umkleide, nahm die Schürze an und sammelte mein Zeug ein damit ich nach Hause konnte. Ich sagte Seokjin noch auf Wiedersehen und ging nach draußen zu meinem Auto.
Der merkwürdige Junge mit den Rabenschwarzen Haaren verfolgte mich die ganze Rückfahrt über. /Warum konnte ich ihn nicht lesen? Warum fühlte ich nichts als ich in seine Augen schaute? Fühlt er einfach nichts oder ist er die eine Person die ich nicht wie ein offenes Buch lesen konnte. Werde ich ihn he wieder sehen? / Diese Gedanken und viele andere schwirrten mir den restlichen Tag durch den Kopf.
Als ich nach Hause kam machte ich Ramen zum Abendbrot und aß erneut leise, während ich die Wand vor mir anstarrte, versucht nicht an den Jungen zu denken. Als ich fertig war wusch ich das Geschirr ab und machte mich bettfertig. Zum ersten Mal schlief ich ein und träumte von jemanden... Den müde wirkenden Jungen, welchen ich einfach nicht lesen konnte.
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Empathy || Jikook
FanfictionJimin kann jeden wie ein offenes Buch lesen. Er weiß immer wie sich jemand fühlt, nur indem er in dessen Augen sieht. Es ist sowohl ein Segen als auch ein Fluch, er fällt nie auf andere Menschen rein, aber nichts bleibt vor ihm versteckt. Was passie...
